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| 18:41 Uhr

Tourismus
Schlechte Karten für die Wassersportler

Das anhaltend warme Wetter nutzen  zahlreiche Wasserfreunde zu Ausflugstouren mit ihren Booten zum nördlich von Berlin bei Eberswalde liegenden Werbellinsee. Hochbetrieb herrscht daher oftmals an der Schleuse in Eichhorst am Werbellinkanal, der in den Oder-Havel-Kanal mündet.
Das anhaltend warme Wetter nutzen zahlreiche Wasserfreunde zu Ausflugstouren mit ihren Booten zum nördlich von Berlin bei Eberswalde liegenden Werbellinsee. Hochbetrieb herrscht daher oftmals an der Schleuse in Eichhorst am Werbellinkanal, der in den Oder-Havel-Kanal mündet. FOTO: dpa / Klaus Franke
Potsdam. Der Brandenburger Landtag plädiert jetzt dafür, die Schleusen länger zu öffnen. Von Benjamin Lassiwe

Wer mit dem Boot von der Havel in die Templiner Gewässer fahren will, hat derzeit schlechte Karten. Denn die Schleuse Kannenburg, das Bindeglied zwischen den beiden Bundeswasserstraßen, ist seit Dezember 2017 wegen Baufälligkeit geschlossen. Die Spundwände der Schleuse sind marode, drohen in die Schleusenkammer zu rutschen. Es besteht Lebensgefahr. Für die Bootsverleiher an den Templiner Gewässern ist diese Situation ein einziger Albtraum: Mehrtägige Touren sind nicht mehr möglich, die Wasserfahrzeuge sind auf den Templiner Gewässern gefangen, den Betrieben drohen schwere wirtschaftliche Einbußen.

 „Durch die Sperrung der Schleuse sind 7000 Schleusungen pro Jahr weggefallen“, sagte die tourismuspolitische Sprecherin der Brandenburger SPD, Barbara Hackenschmidt, am Donnerstag im Landtag. „Das ist eine Säule der regionalen Wertschöpfung, die da mit einem Mal weggefallen ist.“ Schuld daran ist aus Sicht der SPD wieder einmal der Umgang des Bundes mit seinen Wasserstraßen. Denn seit 2012 werden Gewässer, die vorrangig touristischen Zwecken dienen, vom Bund unter „ferner liefen“ behandelt: Es finden keine Investitionen mehr statt und Schleusen werden nur noch eingeschränkt betrieben. „Niemand würde aber auf die Idee kommen, einen Baum einfach so auf einer Bundesstraße quer liegen zu lassen“, sagte Hackenschmidt.

In einem mit den Stimmen von Linken, SPD, CDU und AfD beschlossenen Antrag forderte der Landtag die Bundesregierung am Donnerstag deswegen auf, sich im Bund für eine durchgängige Schiffbarkeit der sogenannten „Nebenwasserstraßen“ des Bundes einzusetzen und die touristische Infrastruktur auszubauen. Die Grünen dagegen enthielten sich bei dem Antrag, der wortgleich auch im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und dem Berliner Abgeordnetenhaus eingebracht werden soll.

Doch auch Grünen-Chef Axel Vogel sah gestern die Problematik. Ihm griff der Antrag von SPD, Linken und CDU aber zu kurz. „Der Bund will die Wasserwege loswerden und lässt sie still verfallen.“ Brandenburg indes habe nie ernsthaft Gespräche zur Übernahme von Bundeswasserstraßen geführt. Nun seien etwa am Finowkanal, wo gleich zwölf Schleusen saniert werden müssten, schon die Kommunen in die Bresche gesprungen. „Weder auf Bundes- noch auf Landesebene wird nach Lösungen gesucht“, so Vogel. „Die Landesregierung ist hier gefordert – sie darf nicht zugucken, wie hier quasi kommunale Wasserstraßen entstehen.“ Dagegen machte der CDU-Wirtschaftsexperte Dierk Homeyer noch auf weitere Problemstellen längs der märkischen Gewässer aufmerksam. So werde etwa die Spree-Oder-Wasserstraße nicht ertüchtigt und die Schleuse Fürstenwalde nicht neugebaut. „Moderne Güterschiffe können diese Schleuse nicht passieren“, sagte Homeyer. Und an den Storkower Gewässern gebe es schon seit 2015 verkürzte Schleusenöffnungszeiten.

Ähnlich äußerte sich am Donnerstag auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Stefan Zierke (SPD). In einem Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plädierte er für eine Personalaufstockung an den Brandenburger Schleusen.

„Es ist für die gesamte Wassertourismusbranche nicht hinnehmbar, dass die Schleusenzeiten unverändert kurz bleiben“, sagte Zierke. Allein im Haushalt 2017 seien im parlamentarischen Verfahren über 100 neue Stellen für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung geschaffen worden. „Doch das Bundesverkehrsministerium bekommt diese Stellen einfach nicht besetzt“, so Zierke. „Warum kann man nicht auch mal eine Fachkräfte-Kampagne starten und Menschen motivieren, zur WSV zu kommen?“ Rechnet man Beamte und tarifliche Mitarbeiter zusammen, gab es Ende 2017 Zierke zufolge rund 1200 unbesetzte Stellen bei der Schifffahrtsverwaltung des Bundes.