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| 01:04 Uhr

Schiffsfahrstuhl bei Niederfinow macht Pause

Ein lautes Hupen hallt durch den grauen Wintermorgen. Dann schiebt sich auch schon das nächste Schiff in den Trog des Schiffshebewerks bei Niederfinow (Barnim). Sein Chef Jörg Schumacher blickt nur kurz aus dem Maschinenhaus und dann gleich wieder auf die großen Zahnräder. Von Wilko Döll

"Zwei dieser Hauptantriebsritzel müssen gewechselt werden", erklärt er. Deshalb stellt das Hebewerk am 5. Januar 2004 seinen Betrieb ein. Binnenschiffe können dann vorerst bis Ende März nicht mehr den Oder-Havel-Kanal befahren.
Schwer hängt der Duft von Schmierfett und Öl in der Luft, das kleine Maschinenhaus aber wirkt piekfein und sauber. Motor und Getriebe stammen aus dem Jahr 1934. Damals nahm der stählerne Koloss bei Niederfinow seinen Betrieb auf. Vier Zahnräder übertragen seither die Motorkraft auf die Antriebsketten, die den großen Wassertrog mit den Schiffen darin 36 Meter hochheben. In zwei Maschinenhäusern werden nun die Zahnräder gewechselt.

Feinabstimmung nötig
"Diese Arbeit ist überaus schwierig, denn jedes Zahnrad wiegt 2,4 Tonnen", erläutert Schumacher. Per Kran muss das alte Teil aus dem engen Maschinenhaus gehoben und durch das neue Ritzel ersetzt werden. "Unser Kranführer aber sitzt 50 Meter über dem Maschinenhaus und kann das Getriebe nicht sehen." Da hilft nur eine gute Feinabstimmung, die aber schon bei der Vorbereitung der Reparatur geklappt hat. Das aus einer Welle und einem Zahnrad bestehende Ritzel wurde in einem Stück in Italien gegossen und dann in Frankreich bearbeitet. Eine Firma aus Eberswalde wird es schließlich einbauen. "Mit dieser Reparatur schließen wir die 1992 begonnene Überholung des Schiffshebewerkes Niederfinow ab", sagt Rolf Dietrich, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, in Eberswalde. Sein Amt ist für die Wasserstraßen und die Wasserbauwerke im nordöstlichen Brandenburg zu ständig.
Rund fünf Millionen Euro haben die jeweils im Winter ausgeführten Arbeiten am Hebewerk Niederfinow seit 1992 verschlungen. "Dafür können wir die alte Anlage aber auch garantiert noch bis zum Jahr 2025 nutzen." Die Binnenschiffer sind auf ihren Fahrten zwischen Berlin und dem polnischen Stettin (Szczecin) auf das Werk angewiesen. Nach einer Flaute in den 1990er-Jahren hat der Güterverkehr auf dem Oder-Havel-Kanal wieder angezogen.
Und dem Güterverkehr auf dem Kanal wird Wachstum prognostiziert. "Die neue Papiermaschine, die in Schwedt gebaut wird, muss künftig regelmäßig mit Hunderten Lkw-Ladungen an Material versorgt werden", erklärt der Amtsleiter. Er hofft, dass auch diese Transporte bald auf dem Wasserweg erfolgen.

Touristenattraktion bleibt
Hebewerk und Kanal werden schon auf künftige Ansprüche vorbereitet. Im nächsten Jahr soll das Planfeststellungsverfahren für ein neues Schiffshebewerk abgeschlossen werden, im Jahr 2010 das neue Werk gleich neben dem alten in Betrieb gehen. Der Koloss von 1934 aber wird nicht verschrottet, sondern in einer Übergangsphase weitergenutzt. Und als Touristenattraktion soll er erhalten bleiben: Auf die jährlich 150 000 Besucher will weder das Wasser- und Schifffahrtsamt noch Niederfinow verzichten.