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"Sanssouci der Pferde" wird restauriert

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Neustadt/Dosse. Die Auflagen sind manchmal hart: Altes wird wieder schick im Landgestüt Neustadt/Dosse, wie im Original. Aber bitte ohne Misthaufen! Gudrun Janicke

Die Pferde sind edel und wertvoll, das Ambiente an manchen Stellen aber ihrer noch nicht 100-prozentig würdig. Das 225 Jahre alte Brandenburgische Haupt- und Landgestüt in Neustadt/Dosse (Ostprignitz-Ruppin) wird mit enormem Aufwand restauriert. "Die Dimension des Projektes ist gigantisch", sagt Geschäftsführerin Regine Ebert.

Die riesige, etwa 420 Hektar große Anlage wirkt wie ein Dorf. Mittelpunkt ist das an ein Schlösschen erinnernde historische Landstallmeisterhaus mit Blick auf vier große Ausläufe, in denen sich Pferde tummeln. Insgesamt leben hier knapp 320 Pferde.

Von 2002 bis 2008 wurden bereits rund 40 Millionen Euro aus Mitteln der Europäischen Union zur ländlichen Entwicklung investiert, dazu kamen mehrere Millionen Euro vom Land und vom Haupt- und Landgestüt selbst, das heute eine Stiftung des öffentlichen Rechts ist und unter Denkmalschutz steht. Ende des Jahres soll die nächste Etappe beendet sein: dann werden weitere rund 3,9 Millionen Euro verbaut sein. In der Förderperiode 2015 bis 2018 sind noch einmal fünf Millionen Euro vorgesehen.

Vieles wurde hergerichtet. "Jetzt ist der Weg frei für die nächste Bauphase", sagt Ebert. In einigen Ställen erinnert derzeit kaum etwas an die einstigen Bewohner. Vom Stutenstall steht beispielsweise nur noch das Skelett. Der Fußboden wird von einem kleinen Bagger ausgehoben, planiert und für die Verlegung der Steine vorbereitet. Am hölzernen Gebälk haben Restauratoren die Arbeit schon beendet. Das Dach ist wieder dicht. Alter Putz wurde entfernt, neuer aufgetragen. Die Boxen und Laufställe für die Pferde sind schon zu erkennen. Bundesweit gibt es zehn staatliche Landgestüte, aber sie können sich aus eigener Kraft kaum halten. Zum Erhalt der Gebäude und Anlagen werden Zuschüsse benötigt.

Für Brandenburgs Landeskonservator Thomas Drachenberg ist die denkmalgerechte Sanierung der deutschlandweit einmaligen Anlage eine große Herausforderung. "Hier muss sehr sensibel vorgegangen werden", sagt er. Um Anforderungen an die moderne Pferdezucht bei gleichzeitiger Sanierung zu erfüllen, seien auch Kompromisse notwendig gewesen. Es sei gelungen, eine baufällige Tribüne durch eine neue zu ergänzen, die sich in das barocke Ensemble gut einfüge. Andererseits sorgten etwa die alten Kastenfenster noch heute für guten Temperaturausgleich im barocken Landstallmeisterhaus. "Sie mussten also bleiben", sagt er.

Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. (1744-1797) wollte für seine Pferde nur das Beste und schuf sich ein noch heute gerühmtes "Sanssouci der Pferde". Er wünschte sich edle Tiere, die für die Kavallerie, aber auch für Kutsche und die Jagd geeignet waren. Warme feste Stallungen, ein gutes Lüftungssystem, Tränken und Ablaufrinnen für die Reinigung waren im 17. Jahrhundert das Modernste in der Pferdehaltung.

Damit verdient das Gestüt heute sein Geld. Pro Saison werden etwa 30 Fohlen geboren. Mit geübtem Blick entscheiden Fachleute über ihren künftigen Weg: Sind sie zum Reiten geeignet oder passen sie eher vor die Deichsel einer Kutsche? "Ein gutes Pferd bringt ab 5000 Euro ein", sagt Geschäftsführerin Ebert. Für Spitzentiere müssen auch schon mal 120 000 oder sogar 300 000 Euro auf den Tisch gelegt werden.

Das Gestüt kommt mit 66 Mitarbeitern und 17 Lehrlingen auf einen Umsatz im Jahr von etwa drei Millionen Euro - zu wenig für den Erhalt der unter Denkmalschutz stehenden Anlage. Nach Angaben des Infrastrukturministeriums steuert das Land etwa 2,1 Millionen Euro bei. Die Pferde locken als Magneten bis zu 50 000 Besucher im Jahr an. Sie können eine tolle Kulisse in preußisch sauber hergerichteten Anlagen bewundern.

Im 21. Jahrhundert soll aber nicht nur die Nase der Gäste, sondern auch das Denkmal geschont werden. Für einen dampfenden Misthaufen am Verwaltungssitz wie zu Königszeiten ist nach EU-Verordnung kein Platz mehr. Pferdeäpfel werden nun abseits gesammelt.