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| 13:12 Uhr

Wenigstens rund um den Flughafen wird gebaut
Lebensadern für das BER-Umfeld

 Der Mann für Fernwärme: Mike Müller, Leiter dezentrale Anlagen und Netze beim Berliner Energieunternehmen BTB, auf einer Baustelle in Berlin-Johannisthal.
Der Mann für Fernwärme: Mike Müller, Leiter dezentrale Anlagen und Netze beim Berliner Energieunternehmen BTB, auf einer Baustelle in Berlin-Johannisthal. FOTO: MOZ / Andreas Wendt
Schönefeld. Im Brandenburger Landtag kommen heute in Potsdam die Mitglieder des BER-Sonderausschusses zusammen. Wie geht es weiter? Während auf der Baustelle „still der See ruht“, wird drumherum zumindest fleißig gebaut. Der Energielieferer BTB versorgt den Südosten Berlins mit Fernwärme und steht vor großen Herausforderungen. Von Andreas Wendt

Noch ist der BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) ein Stillleben. Von Bauarbeiten ist wenig zu sehen. Doch rund um den Flughafen wird gebaut. Das Berliner Energieunternehmen BTB schließt immer mehr Kunden an ihr Fernwärmenetz an. 

Die Ellernstraße in Berlin-Johannisthal sieht aus wie ein riesiger Sandkasten. Überall türmen sich neben Baggern Berge von Kies, mitten im Wohngebiet. Hier rüstet die örtliche Wohnungsbaugenossenschaft neun Blöcke mit knapp 250 Wohnungen von Gasthermen auf Fernwärme um. „Das dauert etwa vier Monate, da ist die Planungs- und Genehmigungsphase noch nicht mit einberechnet“, sagt Mike Müller, Leiter dezentrale Anlagen und Netze beim Berliner Energieunternehmen BTB. Müller tingelt von Baustelle zu Baustelle. „Unser Versorgungsgebiet erstreckt sich vom Rathaus Treptow bis nach Schönefeld“, erklärt er.

BTB ist eine Nummer in und um Berlin bei der Erschließung des Korridors zwischen Flughafen Schönefeld und der Berliner Innenstadt. 191,5 Kilometer Rohre hat das Unternehmen bereits unter der Erde verlegt, in Johannisthal sind es Kunststoff-Mantel-Rohre (KMR), durch die die Fernwärme künftig in die Wohnungen gelangt. Der Flughafenkorridor im Südosten Berlins bekommt eins der modernsten Energienetze. „Wenn es um die Erschließung der Flughafenregion geht, sind wir ganz vorn mit dabei und leisten Pionierarbeit“, sagt Müller.

 Still ruht der See derzeit auf der BER-Baustelle. Aber im Umfeld wird fleißig gebaut.
Still ruht der See derzeit auf der BER-Baustelle. Aber im Umfeld wird fleißig gebaut. FOTO: ZB / Patrick Pleul

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Region zwischen Altglienicke und Bohnsdorf. Etwa 50 Doppel- und Reihenhäuser werden hier entstehen, alle Grundstücke sind bereits verkauft. Auch wenn von den Häusern selbst noch nichts zu sehen ist, werden bereits Gräben ausgehoben und Rohre für die Erschließung des Areals mit Fernwärme verlegt. Einen Kilometer weiter, auf dem erst vor wenigen Jahren neu erschlossenen Gelände, entsteht derzeit die Erweiterung des Segro Airport Parks Berlin – auch hier sorgt die BTB für die nötige Energie. Die Branche boomt, was auch den Jahresumsatz von 50 bis 60 Millionen Euro bei BTB erklärt. 130 Mitarbeiter sind im Unternehmen beschäftigt. Der Energieversorger beliefert Gewerbeimmobilien, öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser, über 30 000 Wohnungen und wichtige Industrie- und Forschungsstandorte in und um Berlin mit Energie wie Wärme, Strom, Kälte und Dampf. „Preiswert und ökologisch“, wie Müller betont.

Eins der Kraftwerke, das im Verbund mit zwei weiteren Heizkraftwerken die notwendige Fernwärme bereitstellt, steht in Adlershof. Über 90 Prozent der Energie wird bei der BTB in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt, also die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme. Zusammen mit dem anteiligen Einsatz regenerativer Brennstoffe führt das zu einer hocheffizienten Versorgung, beziffert auch mit dem sogenannten Primärenergiefaktor. Der ist mit 0,25 bei der BTB besonders niedrig und zum Nachweis der Energiebilanz in Gebäuden wichtig. „Der ökologische Ansatz entspricht schon der Philosophie des Firmengründers“, sagt Mike Müller. Neben Adlershof hat BTB mit Blockheizkraftwerken direkt vor Ort dezentrale Quellen, um Gewerbeimmobilien und Wohnquartiere zu versorgen – und flexibel auf den Wachstum im Flughafenumfeld zu reagieren. Müller ist zuversichtlich: „In Schönefeld gehen wir von einem starken Wachstum aus, auch mit der Verlängerung der U-Bahnlinie U7“, glaubt der BTB-Manager.