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| 16:03 Uhr

Brandenburger Landwirt hofft auf TV-Sendung
Bauer Sven sucht eine Frau

 Kühe auf der Weide: Sven Lützow sucht eine Frau und bewirbt sich bei der gleichnamigen RTL-Serie. Täglich schaut der Ruhlsdorfer nach dem Rechten.
Kühe auf der Weide: Sven Lützow sucht eine Frau und bewirbt sich bei der gleichnamigen RTL-Serie. Täglich schaut der Ruhlsdorfer nach dem Rechten. FOTO: MOZ/Andrea Linne / Andrea Linne
Ruhlsdorf. Idylle mit Haken Der 54-jährige Rinderzüchter Sven Lützow aus Ruhlsdorf (Barnim) kann fast alles allein, möchte aber jemanden zum Küssen und Lieben kennenlernen und geht deshalb in eine beliebte Fernsehshow und RTL-Doku-Soap. Von Andrea Linne

Allein dafür lohnt die Arbeit hier“, freut sich Sven Lützow aus Ruhlsdorf. Er steht vor der Weide, auf der sein Fleckvieh gerade grast. Eine Mutterkuh leckt liebevoll ihr Kalb. „Wenn eine Frau zu mir kommt, dann muss sie nichts tun, nur hier bei mir sein“, sagt der 54-Jährige. Er suche niemanden, der mitarbeitet.Der Bauer möchte nach sechseinhalb Jahren Alleinsein nun in der gleichnamigen RTL-Serie eine Frau finden. Pfingstmontag lief die erste Ausstrahlung, in der er die neuen Kandidaten der Doku-Soap vorgestellt wurden. 13 Kandidaten bieten sich dem deutschen Frauenmarkt an. Sie haben wie Sven die Nase voll vom einsamen Leben auf ihren Höfen. Nun dürfen sich interessierte Frauen über das Sendeformat bewerben. Welche dann den Hof besucht, da hat der Mitfünfziger die freie Wahl. „Ich hoffe, dass überhaupt jemand zu mir kommen möchte und sich interessiert“, sagt Sven Lützow.

Der Tag wird von 200 Tieren bestimmt

Die Haare fallen lang über seine breiten Schultern. Wenn er die Hände in die Seiten stemmt, dann drückt sich der gerundete Bauch nach vorn. „Ein bisschen abnehmen würde ich gern“, sonst will er nicht viel ändern in seinem Leben. Der Tag ist bestimmt von den 200 Tieren und verläuft nach Schema F. Die Abläufe auf dem Hof sind klar. Jeder weiß, was zu tun ist.

Die Augen strahlen in einem leuchtenden Blau, das Seele verspricht und Herz verrät, auch wenn sich Sven eher burschikos gibt. Schnell kommt der gebürtige Ruhlsdorfer ins Erzählen. Schon vor einigen Jahren hätte er sich beworben, sei aber jetzt erst in die nähere Auswahl bei RTL gekommen. „Manche lachen über mich, aber das ist mir egal“, dabei streicht er mit Händen so groß wie Kinderköpfe etwas ungelenk eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Meist bindet er die langen Haare zusammen, vor allem, wenn er mit den Tieren arbeitet.Die kräftigen Finger zeugen von schwerer, körperlicher Arbeit.

Vier Bullen sorgen für Nachwuchs

Sein Körper ist stark, kleine Narben sind auf Händen und Armen zu erkennen. Als er einmal einen Unfall hatte, musste die Berufsgenossenschaft eine Aushilfe schicken. Aber auch ein guter Freund steht parat und packt mit an. „Hier helfen wir uns“, sagt der Bauer. 200 Mutterkühe mit Kälbern sind sein Bestand. Dazu vier Bullen, die er sich von Auktionen holt. Die Befruchtung der Tiere geschieht auf natürlichem Weg. Auf 200 Hektar Land, davon 80 Hektar Acker, wirtschaftet der Viehzüchter. Kartoffeln wachsen auf einem Hektar. Ob er die noch lange anbaut, weiß der Bauer nicht. „Kaum noch jemand kellert Kartoffeln ein.“

Unkrautvernichter oder chemischer Dünger kommen nicht auf die Felder, die teils gepachtet sind oder dem Bauern gehören. Der Boden ist eh nicht der beste in der Gegend. „Wenn die Landwirtschaft nicht mehr geht, dann schicke ich Sand an die Ostsee“, lacht Sven Lützow. Er hat immer einen Scherz auf den Lippen und holt gern aus, um in Bildern zu erzählen, ehe er ans Ziel kommt.2001 hat der Vater von zwei Töchtern den alten Vierseithof an der Dorfstraße von Vater Willi übernommen, der im Mai gerade seinen 80. Geburtstag feiern konnte.

Betrieb mausert sich zum Biohof

Mutter Sabine (78) sorgt für Frühstück und deftiges Mittagessen. „Muttern kocht super, es gibt deftige Hausmannskost, was die Kelle hergibt. Am liebsten esse ich Rouladen“, sagt Sven und schaut den saftigen Hintern auf der Weide hinterher. Rouladen werden aus der Oberschale geschnitten, das Fleckvieh hat da einiges zu bieten.

„Meine Kühe haben keine Namen, das würde nur für zu viel Nähe sorgen.“ Da ist Sven pragmatisch, die Kühe auf der Weide sind Nutzvieh. Erreichen die Kälber 200 Kilogramm und mehr, kommen sie zum Schlachter. Einige weibliche Kälber behält er im eigenen Bestand für seine Herde. Zur Auffrischung und Verjüngung der eigenen Herde.Gerade ist Bauer Sven Lützow dabei, seinen Betrieb zu einem Biohof zu mausern. Sehr bewusst geht er das Projekt an. Und nicht nur, weil er mit seiner 16-jährigen Tochter viel über den Klimawandel diskutieren muss. Die Gymnasiastin, die in Bernau zur Schule geht, lebt bei ihm auf dem Hof, eine weitere Tochter in Paderborn. „Wir telefonieren, sie hat längst ihr eigenes Leben.“

Sven ist bodenständig, aber er hat Humor. „Mit Sarkasmus muss man schon umgehen können“, lacht der kräftige Barnimer, der zupacken kann, mit Blick auf die Neue in seinem Leben. Eigentlich hat er Instandhaltungsmechaniker in der LPG gelernt, bei der Armee wurde er Fernmeldemechaniker, später Heizungs- und Lüftungsbauer. Er weiß sich zu helfen.

Als der Vater sich wiedereinrichtete und nach der Wende die Landwirtschaft auf dem Hof anging, stieg später auch Sven mit ein. Er besuchte die Landwirtschaftsschule und wurde Meister. „Wir arbeiten und leben hier gemeinsam. Erst macht jeder, was er will“, lacht der 54-Jährige, „und dann teilen wir uns die Scheißarbeit.“ Mutter und Vater haben sich einst auf der Landwirtschaftsschule in Oranienburg-Luisenhof kennengelernt. So ging das früher, da war keine Fernsehshow nötig. „Wo soll ich hier jemanden treffen?“

„Die Neue kann ruhig Temperament haben“

Neben den Eltern kommt auch ein 85-jähriger Onkel regelmäßig zum Mittagessen vorbei. Auch Katze und Hühner sowie Hund Digger leben mit auf dem Vierseiten-Hof. Der ist ein Working Kelpie, eine Rasse, die sich zum Hüten eignet. Da hat sich Sven lange mit der Auswahl beschäftigt, ehe er sich das Tier holte: „Ich müsste ihn ausbilden lassen, hatte aber noch keine Zeit.“ Der Vierbeiner ist dennoch lebendig und munter und begrüßt jeden Besucher schwanzwedelnd. Manchmal springt er in die Höhe und zeigt seine Agilität. Die neue Frau müsse keine Hundeliebhaberin ein, schränkt Sven ein.An diese neue Frau, die sich der Bauer wünscht, hat er wenig Ansprüche. „Die Frau, die mir gefällt, muss so sein, wie Gott sie geschaffen hat: zwei Arme, zwei Beine, der Kopf oben in der Mitte der Schultern und mit den Beinen immer auf der Erde. Ansonsten ist der Charakter entscheidend, sie kann ruhig Temperament haben“, sagt er im Auftaktfilm bei RTL. Auch mager sollte sie nicht sein, ergänzt er. Allerdings sei es für ihn schwierig, Urlaub zu planen oder weit zu verreisen. „Mein Urlaub ist hier“, lacht der hilfsbereite Typ. Die Bauern im Dorf helfen sich traditionell untereinander.

Fürs Tanzen kann sich der Bauer nicht begeistern

Eines kann Sven gar nicht leiden: tanzen. Dazu kriegt ihn keine. Selbst ein ganzer Saal hat es schon einmal versucht, erzählt er schnell eine Anekdote und hält sich den runden Bauch. Dabei sieht er so aus, als könnte er bei metallischen Klängen sein Wallehaar gern mal über die Stirn werfen und rhythmisch dazu nicken. Sven Lützow: „Das geht auch im Sitzen!“ Da schaut der Schalk wieder aus den Augen hervor.

Auf dem Feld wächst Waldstaudenroggen, eine alte Getreidesorte. Die Wiese, die er nachgesät hat, ist nicht gut aufgegangen. Auch Lupinen, die er als Kontingent anbauen muss, um Förderungen zu erhalten, stehen jämmerlich im Feld. „Wir haben keine Lobby“, ärgert sich Sven Lützow. Der Bauer werde immer nur für Umweltverschmutzungen verantwortlich gemacht, dabei sei er Landschaftspfleger, Nahrungsproduzent, wichtiger Bestandteil der dörflichen Traditionen. Sven Lützow informiert sich und hat eine klare Meinung, aus der er auch keinen Hehl macht. Egal, wer da vor ihm steht. Seinem Äußeren widmet er hingegen weniger Zeit. „Da lass’ ich mich auch nicht mehr verbiegen, dafür bin ich zu alt.“ Das Shirt trägt die Spuren der staubigen Feldarbeit, und manch andere noch dazu.

Küssen geht nur zu zweit

Die Hofstelle in Ruhlsdorf gibt es seit vielen Jahrhunderten. Das Wohnhaus, in dem Sven mit seiner Tochter im Ober- und den Eltern im Erdgeschoss lebt, ist von 1900. Früher stand an der Stelle des Wohnhauses ein kleines, flaches Gebäude. Doch sichtbar hat die Familie schon viel Arbeit in das Objekt gesteckt. „Bei uns macht jeder seins, wir stören uns nicht“, sagt er Bedenkenträgern gern, die glauben ihre große Freiheit in der Stadt zu leben. Und er setzt nach: „Ich kann fast alles allein, nur Küssen kann ich mich eben nicht selbst. Da wäre eine Frau wirklich schön.“