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| 19:26 Uhr

Neue Landesrichtlinie "Kunst am Bau"
Rotkäppchen auf dem Campus

 Die Rotkäppchenfiguren auf dem Campus der Uni Potsdam am Griebnitzsee sind im Rahmen der Landesrichtlinie „Kunst am Bau“, die nun überarbeitet wurde, entstanden.
Die Rotkäppchenfiguren auf dem Campus der Uni Potsdam am Griebnitzsee sind im Rahmen der Landesrichtlinie „Kunst am Bau“, die nun überarbeitet wurde, entstanden. FOTO: Brandenburgischer Landesbetrieb / Maro Niemann
Potsdam. In Brandenburg gibt es eine neue Landesrichtlinie für „Kunst am Bau“.

Die erste Assoziation ist: „Da steht ein überdimensionierter Gartenzwerg“. Doch die über zwei Meter große Figur vor der juristischen Fakultät der Universität Potsdam am Campus Griebnitzsee soll ein Rotkäppchen darstellen. „Die Betrachter sollen sich fragen, wo denn der Wolf ist“, sagt der technische Geschäftsführer des Brandenburgischen Landesbetriebs für Bauen und Liegenschaften (BLB), Norbert John. Denn der Wolf sei im Märchen vom Rotkäppchen ja der Böse. Dass er am Griebnitzsee fehlt, soll die Menschen auf die Idee bringen, nach etwas anderem Bösen zu suchen – zum Beispiel, indem sie über die wechselvolle Geschichte des Gebäudes etwa im Nationalsozialismus nachdenken.

Mehr als 200 000 Euro hat das Land Brandenburg für die 2011 errichteten Rotkäppchenfiguren ausgegeben. „Es ist im Land Brandenburg eine gute Tradition, dass wir Kunst am Bau fördern“, sagt Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski. Am Donnerstag stellte sie in Potsdam die auf Wunsch des Landtags erstellte neue „Kunst am Bau“-Richtlinie des Landes Brandenburg vor: Jedes neue oder im Umbau befindliche Landesgebäude soll mit Kunstwerken versehen werden.

Erstmals wird dafür in der Richtlinie festgehalten, dass 0,5 bis ein Prozent der gesamten Bausumme der künstlerischen Gestaltung zufließen sollen. „Mit den einzelnen Projekten und Kunstwerken wollen wir zukünftig besonders Aufmerksamkeit und Akzeptanz in der Öffentlichkeit für Landesneubauten wecken, Standorten ein zusätzliches Profil geben sowie die Identifikation der Nutzer mit ihrem Bauwerk stärken“, sagte Trochowski.

Die Kunst solle so für jedermann zugänglich werden und in die Alltagskultur der Menschen einziehen. „Die Kunstwerke erhöhen auch die Identifikation der Beschäftigten mit den neuen Gebäuden“, sagte Trochowski. „Sie regen zum Nachdenken an.“

Gefunden werden die Künstler für die „Kunst am Bau“ über Wettbewerbe. Regionale Künstler sollen verstärkt durch einen offenen, beschränkten Wettbewerb zum Zuge kommen. Damit seien neben Brandenburger Künstlern auch Kunstschaffende aus Polen gemeint, erklärte die Ministerin. Derzeit laufen solche Wettbewerbe etwa für das Abraham-Geiger-Kolleg in der Orangerie am Potsdamer Neuen Palais und für den Neubau des Anwendungszentrums Fluiddynamik an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU).

Dass solche Wettbewerbe erfolgreich sein können, zeigt nicht zuletzt das gerade erst erschienene Buch „Kunst und Campus“, das der Cottbuser Professor Jo Achermann vor kurzem vorgestellt hat und die Kunst am Bau auf dem Gelände der BTU Cottbus-Senftenberg dokumentiert.

Rund drei Millionen Euro hat das Land seit 1992 für Kunst am Bau ausgegeben. Dazu zählen neben den Rotkäppchenfiguren auf dem Campus der Uni Potsdam am Griebnitzsee freischwebende Kraniche an der Decke des Brandenburger Justizzentrums. Das Kunstwerk mit dem Titel „Höhere Instanzen“ soll für eine übergeordnete Moral stehen und als Appell an das eigene Gewissen verstanden werden, erklärte John vom BLB.