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Rot-Rot verschiebt den Rahmenlehrplan

Potsdam. Im Streit um die gemeinsamen Rahmenlehrpläne für die Klassenstufen eins bis zehn rudern Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske und seine Berliner Amtskollegin Sandra Scheeres (beide SPD) zurück: Die umstrittenen Richtlinien, wonach etwa die Schulfächer Geschichte, Geografie und Politische Bildung in den Klassen fünf und sechs durch ein neues Schulfach Gesellschaftswissenschaften ersetzt werden sollen, sollen ein Jahr später wirksam werden. Statt zum Schuljahr 2016/2017 soll der Rahmenlehrplan erst zum Schuljahr 2017/2018 in Kraft treten. Benjamin Lassiwe

"Wir wollen den Schulen mehr Zeit zur Vorbereitung geben", sagte Baaske in Potsdam. "Qualität muss hier eindeutig vor Zeitdruck stehen", sagte Scheeres.

In den vergangenen Monaten hatten sich mehr als 1700 Lehrer und 245 Eltern sowie viele Klassen, Schülerinnen und Schüler an einer Online-Befragung zum neuen Lehrplan in den beiden Bundesländern beteiligt. Die meisten Antworten seien nach Angabe der beiden Ministerien positiv ausgefallen. Weiter diskutiert werden müsse aber über die Fächer Geschichte und Geografie, die Sexualerziehung, die Integration des Förderschwerpunktes "Lernen" im Rahmen der Inklusion und das für Brandenburg neue Schulfach "Naturwissenschaften".

In Potsdam begrüßten am Donnerstag Vertreter nahezu aller Landtagsfraktionen den Aufschub: "Nach der Anhörung erneut mit Experten und Lehrkräften zu diskutieren, kann zu sinnvollen Verbesserungen führen und die Akzeptanz der neuen Pläne erhöhen", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Kathrin Dannenberg. Auch könne die gewonnene Zeit zur Fortbildung der Lehrer genutzt werden.

Der CDU-Bildungspolitiker Gordon Hoffmann erneuerte die Forderung, das Schulfach Geschichte in der Grundschule zu erhalten. "Statt fächerübergreifender Wahlpflichtthemen muss es einen verbindlichen Bildungskanon geben - nur so kann wirkliche Entschlackung gelingen."