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| 19:18 Uhr

Auch Einsatz in Brandenburg
Rockergang „Osmanen Germania“ verboten

Die Rockergruppe Osmanen Germania ist am Dienstag vom Bundesinnenministerium verboten worden. Auch in Brandenburg gab es deshalb einen Polizeieinsatz. Ein mutmaßliches Mitglied der Gruppe soll im Land wohnen.
Die Rockergruppe Osmanen Germania ist am Dienstag vom Bundesinnenministerium verboten worden. Auch in Brandenburg gab es deshalb einen Polizeieinsatz. Ein mutmaßliches Mitglied der Gruppe soll im Land wohnen. FOTO: dpa / Boris Roessler
Potsdam/Berlin. Gewalt, Drogenhandel, Zwangsprostitution, Erpressung, Kontakte in die Türkei: Die Bundesregierung hat die Rockergruppe „Osmanen Germania“ verboten. Auch in Brandenburg gab es deswegen einen Einsatz.

Ihre Kutten sehen denen der „Hells Angels“ auffällig ähnlich. Im Internet posiert die Rockergruppe „Osmanen Germania BC“ martialisch, muskelbepackt und schwer bewaffnet. Sie präsentiert sich als türkische Antwort auf die „Hells Angels“. Nur mit dem Motorradfahren hat man es nicht so: Offiziell gibt man sich als Boxclub aus. So schnell wie der Club wuchs, so schnell wuchs die Zahl der Straftaten, die auf das Konto seiner Mitglieder gehen sollen.

Jetzt zog Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Notbremse und sprach ein bundesweites Verbot der Rockergruppe aus. „Wer den Rechtsstaat ablehnt, kann von uns keine Nachsicht erwarten“, sagte Seehofer in Berlin. Von dem Rocker­club gehe eine Gefahr für die Allgemeinheit aus.

Der Verein behauptete, Jugendliche „von der Straße holen“ zu wollen. Tatsächlich sei er durch gewalttätige Gebiets- und Machtkämpfe aufgefallen, so die Bundesregierung. Mit Razzien in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen wurde das Verbot durchgesetzt und Vereinsvermögen beschlagnahmt. In Nordrhein-Westfalen, einer Hochburg der Osmanen-Rocker, wurden lediglich Verbotsverfügungen und Sicherstellungsbeschlüsse überreicht.

Das Verbot der rockerähnlichen Gruppe „Osmanen Germania BC“ hat auch in Brandenburg zu einem Einsatz geführt. Im Land sei ein mutmaßliches Mitglied der Gruppe mit Wohnsitz gemeldet, teilte ein Sprecher des brandenburgischen Innenministeriums am Dienstag auf Anfrage mit. Man habe die Person aber nicht angetroffen, deshalb werde vermutet, dass sie woanders wohnt. Den Einsatzort nannte der Sprecher nicht. In Brandenburg spiele die Gruppe aber nach Einschätzung des brandenburgischen Innenministeriums keine Rolle. Die Gruppierung sei im Bundesland nicht aktiv, so der Ministeriumssprecher.

2014 oder spätestens 2015 wurde der „Osmanen Germania BC“ in Hessen gegründet und galt zeitweise als am schnellsten wachsende Rockergang in Deutschland. Zuletzt wurden 16 Chapter mit mindestens 300 Osmanen-Rockern bundesweit gewählt. „Osmanen Germania“ nimmt im Namen Bezug auf eine einstige Dynastie, benannt nach dem türkischen Fürsten Osman, der um 1300 in Anatolien herrschte.

Bereits im März war die Polizei gegen die Rockergruppe massiv vorgegangen. Mehr als 1000 Polizisten waren in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen im Einsatz. Sie durchsuchten knapp 60 Objekte und stellten Beweismaterial sowie Waffen und Drogen sicher. Die dabei gesammelten Beweise hätten dazu gedient, das nun ausgesprochene Verbot rechtlich zu unterfüttern, heißt es nun aus dem Bundesinnenministerium.

Nach Einschätzung mehrerer Bundesländer stehen die Rocker der türkischen Regierungspartei AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nahe. Medienberichten zufolge sollen sie aus politischen Kreisen der Türkei auch finanziell unterstützt worden sein. Zudem trat die Rockergruppe bei regierungsnahen türkischen Organisationen in Deutschland als Veranstaltungsschutz auf.

In Stuttgart läuft seit März ein Prozess gegen acht mutmaßliche Mitglieder, darunter drei, die zur höchsten Führungsebene gerechnet werden. Den Männern wird unter anderem versuchter Mord, Erpressung, Drogenhandel, Zwangsprostitution, Freiheitsberaubung und Zuhälterei vorgeworfen.

In Baden-Württemberg kam es daneben auch zu Auseinandersetzungen zwischen der nationalistischen „Osmanen Germania“ und der kurdischen Gruppe „Bahoz“. Osmanen-Chef Mehmet Bagci und sein Stellvertreter kamen in Untersuchungshaft.