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| 17:45 Uhr

Strukturwandel
Reichsbürger werden entwaffnet

Potsdam . Brandenburg zieht konsequent Waffen ein. Szene hat Zulauf aus der Pegida-Bewegung. Von Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Reichsbürger sind entwaffnet. Alle 39  Reichsbürger, die legal im Besitz eines Waffenscheins waren, mussten seit dem Jahr 2016 ihre Waffen abgeben. Lediglich in 13 Fällen sind noch gerichtliche Verfahren anhängig, sagte der Leiter der Polizeiabteilung im Innenministerium, Herbert Trimbach, am Dienstag in Potsdam.

Dort wurde die dritte Auflage des vom Brandenburgischen Institut für Gemeinwesensberatung „demos“ verfassten Reichsbürger-Handbuchs der Öffentlichkeit vorgestellt. „Wenn Waffen in den Händen solcher Menschen sind, geht davon eine gewisse Gefahr aus“, sagte Trimbach.

Insgesamt sind derzeit bundesweit rund 18 000 Reichsbürger bekannt, von denen 600 in Brandenburg leben. Doch die Experten warnen davor, dass die Bewegung Zulauf erhält. Dies habe sich vor allem nach dem Aufkommen der Pegida-Bewegung gezeigt, sagt der Herausgeber des Handbuchs, Dirk Wilking. Denn zwischen Pegida und den Reichsbürgern gebe es eine Schnittmenge: die Delegitimierung des Staates.

„Der Erfolg der Reichsbürger besteht darin, dass sie ihre Verwaltungsverdrossenheit nach außen kompensieren“, sagte Wilking. „Unter Reichsbürgern und Selbstverwaltern finden sich Bedeutungssüchtige, Geschäftemacher, Querulanten, aber auch ernsthaft Überzeugte, psychisch Kranke, Betrogene, Verzweifelte und Träumer.“ Oft seien es auch Bankrotteure. Man habe die Erfahrung gemacht, dass sich diese Menschen „bis in den Bereich der Unzurechnungsfähigkeit in ihre Ideen hineinsteigern können.“