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| 02:43 Uhr

Regierung will Witaj-Angebote bis 2015 begutachten

Potsdam. Nach dem Ärger um den zweisprachigen Unterricht wird die brandenburgische Landesregierung nun konkret: Ab dem nächsten Jahr sollen der bilinguale Unterricht sowie der sorbisch-wendische Sprachunterricht auf ihre Wirksamkeit hin untersucht werden. Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Landesregierung will den bilingualen Witaj-Unterricht sowie den Sorbischen Sprachunterricht bis zum Jahr 2015 von externen Experten untersuchen lassen. Das geht aus einer Vorlage des Bildungsministeriums für die Sitzung des Potsdamer Kabinetts am heutigen Dienstag hervor, die der RUNDSCHAU vorliegt. Noch im Herbst soll eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Landesinstituts für Schule und Medien (LISUM) Kriterien für die Bewertung des Witaj-Unterrichts aufstellen. 2013 soll die Evaluation dann ausgeschrieben werden. Das Untersuchungsprofil der Evaluation soll "in engem Schulterschluss mit den sorbischen Gremien, insbesondere der Arbeitsgruppe sorbische (wendische) Bildungsthemen" gestaltet werden.

Beim bilingualen Unterricht im Rahmen des Witaj-Programms werden einzelne Fächer, etwa Sachkunde, nicht wie üblich auf Deutsch, sondern auf Sorbisch unterrichtet. Im Schuljahr 2011/2012 war das an sechs Brandenburger Grundschulen der Fall. Insgesamt besuchten im vergangenen Schuljahr 284 Schüler die Witaj-Angebote, ferner nahmen 961 Schüler am sorbischen und wendischen Sprachunterricht an Grundschulen teil. Am Niedersorbischen Gymnasium sowie am Oberstufenzentrum Cottbus wurden bilinguale sowie Fremdsprachenangebote auch in der Sekundarstufe angeboten. Im Sommer hatte es unter den Lausitzer Sorben einen Aufschrei gegeben, als Pläne zur Kürzung des Witaj-Angebots bekannt wurden. Sie wurden aber nach lebhaften Diskussionen etwa im Sorben- und Wenden-Beirat des Brandenburger Landtags zunächst zurückgezogen. Doch auch in der Sitzung des Sorben- und Wendenausschusses am heutigen Dienstag dürfte die Kabinettsvorlage für Diskussionsstoff sorgen.

"Der Witaj-Unterricht ist von zentraler Bedeutung für die Sicherung der sorbischen (wendischen) Kultur", heißt es darin. Bildungsministerin Martina Münch (SPD) wolle die qualitative Weiterentwicklung und Stärkung des Sorbisch-Unterrichts sowie des bilingualen Witaj-Unterrichts vorantreiben. "Nach dem Vorliegen der wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse, voraussichtlich im Jahr 2015, soll unter parlamentarischer Beteiligung breit diskutiert werden, wie die Unterrichtsangebote und Rahmensetzungen weiterentwickelt werden."

Für die Evaluation nennt die Vorlage bereits erste Eckpunkte: Untersucht werden sollen "die konzeptionelle Ausgangslage und praktische Umsetzung" des Unterrichts, die schulischen Rahmenbedingungen, die Leistungsstände im Sorbisch-Wendisch-Unterricht sowie in den bilingualen Fächern gemäß der jeweils geltenden Rahmenlehrpläne. Ferner sollen die Unterrichtsqualität sowie die Qualifikation der Lehrkräfte eine Rolle spielen. Zusammen mit Vertretern der Arbeitsgruppe "Sorbische Bildungsthemen" sollen diese Themen noch konkretisiert werden.