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500 Jahre Reformation
Kirche zahlt fürs Jubiläum kräftig drauf

Wenig Besucher, hohe Sicherheitsauflagen: Das Jubiläum kommt die Kirche teurer als geplant.
Wenig Besucher, hohe Sicherheitsauflagen: Das Jubiläum kommt die Kirche teurer als geplant. FOTO: Hendrik Schmidt / dpa
Bonn. 500 Jahre Reformation: Die Evangelische Kirche muss rund zehn Millionen Euro zusätzlich dafür aufbringen. Aus den ursprünglich geplanten 20 Millionen Euro werden jetzt 30 Millionen. Von Benjamin Lassiwe

Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) war es ein teures Vergnügen: Weil die Weltausstellung zum Reformationsjubiläum in Wittenberg und die „Kirchentage auf dem Weg“ in einigen Städten Mitteldeutschlands im Sommer so schlecht besucht waren, und es aus Angst vor Terror höhere Sicherheitsauflagen gab, muss die EKD nun bis zu zehn Millionen Euro mehr für den Trägerverein des Reformationsjubiläums bereitstellen. Ursprünglich waren Kosten von 20 Millionen Euro angesetzt, im Extremfall könnten die Feierlichkeiten also ein Drittel teurer als erwartet werden.

Wie das EKD-Ratsmitglied Andreas Barner am Montag in Bonn vor der Synode der EKD erklärte, sei ein erhöhter Zuschussbedarf in Höhe von 6,5 Millionen Euro entstanden. Für weitere, derzeit noch nicht absehbare Kosten wird zusätzlich ein Puffer von 3,5 Millionen Euro in den Haushaltsplan aufgenommen. Für die Abwicklung des Trägervereins in 2018 sind zudem zwei Millionen Euro im Haushaltsplan vorgesehen. Erfreulich entwickeln sich dagegen die Kirchensteuereinnahmen – sie stiegen 2016 um 1,65 Prozent. Insgesamt wird der EKD-Haushalt 2018 ein Volumen von 217,9 Millionen Euro umfassen.

Zuvor hatte sich das noch bis zum Mittwoch in Bonn tagende Kirchenparlament weiter mit der inhaltlichen Auswertung des Jubiläums beschäftigt. Dabei sprach sich etwa der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack dafür aus, Gottesdienste künftig kürzer zu feiern. „Kein Gottesdienst länger als 50 oder 60 Minuten“, sagte Pollack. „Dass Menschen wegbleiben, hat zwar auch damit zu tun, dass sie etwa mit der Art der Predigt unzufrieden sind, aber vor allem, dass sie am Sonntagvormittag schlichtweg anderes zu tun haben, das ihnen wichtiger ist.“