Das Entsetzen am Tag danach ist groß. Kurz nach dem Bekanntwerden rechtsextremer Umtriebe an einer Schule in Burg im Spreewald hat es am vergangenen Wochenende in einem Ferienlager am Frauensee offenbar einen schweren rassistischen Vorfall gegeben. Die Polizei ermittelt wegen Bedrohung und Volksverhetzung.
Vier bis fünf jugendliche Beteiligte einer Feier zu einem 18. Geburtstag haben laut Zeugen in der Nacht zu Sonntag Schülerinnen und Schüler aus Berlin-Kreuzberg fremdenfeindlich beleidigt und bedroht. Die 30-köpfige Schülergruppe überwiegend mit Migrationshintergrund sei noch in der Nacht wieder abgereist.

Bürgermeister von Heidesee verurteilt Fremdenfeindlichkeit und Rassismus

Der parteilose Bürgermeister von Heidesee, Björn Langner, erklärte am Montag, die Gemeinde distanziere sich von fremdenfeindlichem Verhalten. „Wir verurteilen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“, betonte er: „Wir werden uns dafür einsetzen, dass rassistische und diskriminierende Verhaltensweisen keinen Platz in unserer Gemeinde haben und dass jeder, unabhängig von Herkunft, Religion und Hautfarbe, willkommen ist.“
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Rechtsextremismus an Schulen
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Cottbus
Die Ereignisse haben sich im Kinder- und Erholungszentrum (KIEZ) Frauensee zugetragen. Dessen Geschäftsführerin Nora Runneck erklärte in einer längeren Stellungnahme: „Wir verurteilen jegliche Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auf das Schärfste.“ Die Schulklasse aus Berlin sei für ein Mathe-Camp angereist. Die Geburtstagsfeier mit 20 Übernachtungs- und 60 Tagesgästen sei von der Mutter eines 18-Jährigen gebucht worden. Der Erstbucherin auf der Anlage sei nun ein Hausverbot erteilt worden.

Die Beleidigungen in dem Ferienlager begannen laut Zeugen schon tagsüber

Laut Polizei seien die Identitäten von 28 Personen festgestellt worden, die an der Feier teilgenommen hätten. Es handele sich um junge Leute aus der Region. Die Ermittlungen habe der Staatsschutz übernommen. Ein Vater, dessen Kind zu der Schülergruppe gehörte, sagte der Zeitung „B.Z.“: „Die rechtsradikalen Jugendlichen hatten am Tag am See gefeiert und die Berliner Jugendlichen fremdenfeindlich bepöbelt“. Dabei seien Sätze gefallen wie: „Wir klatschen euch weg, ihr Kanaken.“ Nachts sollen die Jugendlichen dann versucht haben, in die Herberge der Gruppe aus Berlin einzudringen. Das habe die herbeigerufene Polizei verhindert.
Darauf reiste die Gruppe noch in der Nacht zu Sonntag ab. „Viele Kinder stehen unter Schock. Sie kannten diese Ausländerfeindlichkeit aus Berlin nicht“, sagte der Vater der „B.Z.“. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung erklärte am Montag, die Schülerinnen und Schüler seien „von alkoholisierten, teils vermummten Jugendlichen offenbar rassistisch beleidigt und bedroht“ worden. Es gelte nun zunächst, den Schülerinnen und Schülern die beste Hilfe zu geben. Auch ein Krisen- und Interventionsteam sei verständigt worden.

CDU-Chef Redmann warnt vor Rückfall in die 1990er-Jahre

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), meldete bezeichnete den Fall als erschreckend. Die beteiligten Jugendlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte er. Es sei gemeinsame Aufgabe von allen, ein Klima der Offenheit zu schaffen. Dabei komme es auch auf die Unterstützung von Eltern und Familien an.
Jan Redmann, CDU-Landeschef in Brandenburg, sieht jetzt die gesamte Gesellschaft in der Mark gefordert. „Wir müssen alles dafür tun, dass wir in Brandenburg nicht wieder in die 90er-Jahre zurückfallen. Der Rechtsextremismus darf nicht wieder vorherrschende Jugendkultur in Brandenburg werden“, mahnte Redmann.
Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) nannte den Vorfall „inakzeptabel“. Der designierte Brandenburger Bildungsminister, Staatssekretär Steffen Freiberg, zeigte sich „erschüttert“. „Rassistische Angriffe – auch verbaler Art – sind nicht zu tolerieren, dem trete ich entschlossen entgegen.“ Er baue darauf, dass die Polizei die Täter zeitnah ermitteln und die Justiz strafrechtliche Konsequenzen prüfen werde, so Freiberg.

Bildungsministerium sieht rechtsextreme Vorfälle an Schule in Burg bestätigt

Rund um die rechtsextremen Vorfälle an einer Schule in Burg (Spree-Neiße) hat indes laut Bildungsministerium der Prozess der Aufarbeitung begonnen. Daran beteiligt seien die Schulleitung, Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler. Das Staatliche Schulamt Cottbus verfolgte als untere Schulaufsicht diesen Prozess der Klärung. Fazit der ersten Gespräche von Schulräten mit allen Beteiligten: „Es wurde bestätigt, dass es Vorfälle mit verfassungsfeindlichen Symbolen und Äußerungen gegeben hat“, konstatiert das Ministerium.
Gegenüber den Schülerinnen und Schülern sei mit pädagogischen Maßnahmen reagiert worden. „Geklärt werden muss nach wie vor, ob die Kommunikation im Kollegium mit der notwendigen Transparenz stattgefunden hat“, so das Ministerium. Über einen einheitlichen und offenen Umgang mit extremistischen und menschenfeindlichen Äußerungen soll sich das Kollegium – auch mithilfe eines Coachings – besser verständigen.