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Räumung der "Friedel 54" beginnt

Polizisten stehen am 29.06.2017 in Berlin in der Friedelstraße in Neukölln. Sie sollen eine nach jahrelangem Rechtsstreit nun anstehende Räumung des linken Szeneladens „Friedel54“ durchsetzen. F
Polizisten stehen am 29.06.2017 in Berlin in der Friedelstraße in Neukölln. Sie sollen eine nach jahrelangem Rechtsstreit nun anstehende Räumung des linken Szeneladens „Friedel54“ durchsetzen. F FOTO: Paul Zinken (dpa)
Update | Berlin. Wie die früher besetzten Häuser in der Rigaer Straße in Friedrichshain gehörte der sogenannte Kiezladen "Friedel 54" zu den Symbolprojekten der linken Szene in Berlin. Proteste gegen eine mögliche Räumung gab es seit Jahren. Jetzt kommt der Gerichtsvollzieher. dpa/bob

Nach langem Rechtsstreit und vielen Protesten um den linken Kiezladen "Friedel 54" in Berlin-Neukölln hat am Donnerstag der Polizeieinsatz zur angekündigten Räumung begonnen.

Protestierende Menschen wurden am Donnerstagmorgen in der Friedelstraße von einem großen Aufgebot der Polizei weggedrängt oder weggetragen. Dabei kam es auch zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizisten. Die Stimmung war angespannt, es gab Sprechchöre und laute Proteste. Zuvor war die Polizei in ein benachbartes Haus eingedrungen. Es gab auch vereinzelte Festnahmen und kurzzeitige sogenannte Freiheitsentziehungen.

Die Polizei hatten die Friedelstraße in den frühen Morgenstunden abgesperrt. 100 bis 200 Demonstranten hatten sich aber am Vorabend und in den Nacht vor dem Kiezladen versammelt. Sie weigerten sich, den Bereich zu verlassen, obwohl die Polizei sie mehrfach dazu aufforderte. Die Polizei hat insgesamt 500 Leute im Einsatz, wie eine Sprecherin sagte.

Die eigentliche Räumung des Kiezladens „Friedel 54“ durch einen Gerichtsvollzieher wurde im Lauf des Vormittags erwartet. Der Laden wurde seit Jahren von linken Gruppen für Versammlungen, Diskussionen, Filmvorführungen und zum Feiern genutzt.

Schon am Vorabend hatten sich hunderte, meist junge Demonstranten vor Ort versammelt. Als die Polizei am frühen Morgen anrückte, waren noch zwischen 100 und 200 Protestierer aktiv. Viele hatten sich vor dem Haus Nummer 54 auf den Boden gesetzt. Andere standen auf umliegenden Balkonen, an denen schon länger Transparente und Plakate hängen, die sich gegen eine Räumung und den Stadtumbau richten. Einige Demonstranten waren vermummt, blieben aber friedlich. Mit den Absperrungen hielt die Polizei weitere Protestierende auf Abstand.

"Wir haben den Demonstranten am Morgen einen anderen Ort, den Reuterplatz, zugewiesen", sagte ein Polizeisprecher. Einige hätten sich aber widersetzt. Es habe die eine oder andere Rangelei gegeben, auch hätten Polizisten Personalien überprüft. Möglicherweise habe es auch Festnahmen gegeben. Die Zahl der eingesetzten Polizisten stand zunächst noch nicht fest.

Der Termin zur Räumung war seit längerem bekannt. Der sogenannte Kiezladen "Friedel 54" wurde seit Jahren von linken Gruppen für Versammlungen, Diskussionen, Filmvorführungen und zum Feiern genutzt. Er war immer auch ein Symbol der linken und linksradikalen Szene gegen die sogenannte Gentrifizierung, also gegen den Prozess, bei dem Viertel nobler und teurer für die Bewohner werden.

Das Haus Friedelstraße Nr. 54 wurde verkauft. Den Betreibern des Kiezladens wurde der Gewerbemietvertrag gekündigt. In einem Vergleich verpflichtete sich der Trägerverein im Oktober 2016 vor Gericht, zum 1. April 2017 auszuziehen. Der Verein verließ das Haus allerdings nicht, so dass eine Räumung angekündigt wurde.