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Prozess um Brandanschlag in Nauen vor Urteilsverkündung

Pflichtanwalt Jens-Michael Knaak (v.l.), Maik Schneider und Wahlverteidiger Ulli Boldt.
Pflichtanwalt Jens-Michael Knaak (v.l.), Maik Schneider und Wahlverteidiger Ulli Boldt. FOTO: dpa
Potsdam. Die Richtersprüche werden am Donnerstag erwartet. Zuvor verwirrten aber gestern die Verteidiger des angeklagten NPD-Mannes mit sehr unterschiedlichen Strafforderungen. dpa/uf

Im Prozess um den Brandanschlag von Nauen (Havelland) haben die Verteidiger des angeklagten NPD-Politikers Maik Schneider im Landgericht Potsdam für Aufsehen gesorgt. Während sein Pflichtverteidiger Jens-Michael Knaak am Montag auf zweieinhalb Jahre Haft wegen fahrlässiger Brandstiftung plädierte, forderte Schneiders Wahlverteidiger Ulli Boldt die doppelte Strafe wegen schwerer politischer Kriminalität. Die Urteile gegen die sechs Angeklagten sollen am Donnerstag gesprochen werden.

Knaak sagte, sein Mandant habe lediglich ein "politisches Rauchzeichen" gegen die Nutzung einer Sporthalle als Notunterkunft für Asylbewerber setzen wollen. Schneider habe jedoch nicht damit gerechnet, dass die Halle aus Beton niederbrennen würde - zumal es in der Tatnacht zum 25. August 2015 stark geregnet habe. "Er wollte kein Volkseigentum zerstören", meinte Knaak. Der Anwalt wollte bei seinem Mandanten auch kein fremdenfeindliches Motiv erkennen. "Er kämpfte nicht gegen Flüchtlinge, sondern nur gegen bestimmte Standorte für Flüchtlingsheime", betonte Knaak.

Dem widersprach überraschend Schneiders Wahlverteidiger Ulli Boldt. Wer Feuer mache, wolle Feuer, sagte Boldt. "Wer nur ein Zeichen setzen will, schmeißt Farbbeutel." Mit dem Einsatz von acht Autoreifen, Sprit und einer Gasflasche habe sein Mandant mit einem großen Feuer rechnen müssen, betonte der Anwalt. Er bescheinigte Schneider "eine schwere politisch motivierte Kriminalität." Wegen Brandstiftung mit "schwerstem Vorsatz" solle Schneider zu einer Strafe von fünf Jahren verurteilt werden, forderte Boldt.

Die Staatsanwaltschaft hatte für Schneider wegen der Brandstiftung und einer Sachbeschädigung am Auto eines Polen acht Jahre und neun Monate sowie für einen Mitangeklagten acht Jahre und drei Monate Haft beantragt.

Schneider wiederum soll nach dem Willen der Ankläger zudem wegen der massiven Störung einer Stadtverordnetenversammlung in Nauen und wegen Hakenkreuzschmierereien eine weitere Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten erhalten.

Der Anwalt eines weiteren Angeklagten forderte in seinem Plädoyer für seinen Mandanten wegen Beihilfe zu der Brandstiftung und weiterer Delikte eine Gesamtstrafe von eineinhalb Jahren. Der 27-Jährige habe sich zu seinen Taten bekannt und sich inzwischen offen von der rechtsextremistischen Szene in Nauen distanziert, sagte der Anwalt. Zudem habe er mit seinen Geständnissen zur Aufklärung der Straftaten beigetragen. Dies sei strafmildernd zu berücksichtigen. Die Staatsanwaltschaft hatte für diesen Angeklagten auf eine Gesamtstrafe von drei Jahren und neun Monaten plädiert.

Bei zwei weiteren Angeklagten hatte die Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert. Die beiden hätten durch ihre Aussagen die Aufklärung des Brandanschlags befördert und damit Aussicht auf die Kronzeugenregelung, sagte Staatsanwalt Nils Delius. Einer der beiden Verteidiger ging am Montag in seinem Plädoyer noch weiter. "Ohne die umfassende Aussage meines Mandanten wären die Anklagen in diesem Prozess nicht möglich gewesen", betonte der Anwalt. Daher bat er um eine geringere Strafe.

Dem sechsten Angeklagten ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft eine Beteiligung an dem Anschlag nicht nachzuweisen. Für diesen forderte Delius jedoch eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten wegen eines Farbbeutel-Anschlags auf ein Parteibüro der Linken.