ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:37 Uhr

Potsdamer Seminar streicht Rabbinerkandidaten

Potsdam. Als erster schwuler Rabbinerstudent wurde er in der "Berliner Zeitung" vorgestellt. Als Gründer einer jüdisch-muslimischen Dialoginitiative in Berlin-Neukölln engagierte er sich für den interreligiösen Dialog. Nun darf der Potsdamer Student der jüdischen Theologie, Armin Langer, seine Ausbildung zum Rabbiner nicht mehr fortsetzen. Benjamin Lassiwe

In einem Gastkommentar der Tageszeitung taz hat Armin Langer dem Zentralrat der Juden Rassismus vorgeworfen. Daraufhin strich ihn das private Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg im Januar von der Liste der Kandidaten für das Rabbinat.Einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" bestätigte der Rektor des Kollegs, Walter Homolka, am Ostermontag auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Grund: Langer habe das Vertrauensverhältnis zum Geiger-Kolleg mehrfach verletzt. "Für eine Ordination benötigt jeder Kandidat die Rückendeckung und Unterstützung der Religionsgemeinschaft", sagt Homolka. Das Engagement Armin Langers im jüdisch-muslimischen Dialog habe man am Abraham-Geiger-Kolleg während seiner zwei Jahre im Seminar immer sehr erfreulich gefunden. "Das ersetzt aber nicht, dass Herr Langer als künftiger geistlicher Repräsentant des Judentums seine öffentliche Wahrnehmung und seine Wortwahl so gestalten muss, dass sich die jüdische Gemeinschaft auch von ihm vertreten lassen möchte", sagt Homolka. Ein guter Rabbiner müsse ein Mittler zwischen Tradition und Moderne sein, er müsse zwischen den unterschiedlichen Strömungen in einer Gemeinde vermitteln können, über Fingerspitzengefühl verfügen und als Seelsorger mit den Menschen umgehen können.

Seine an der Universität Potsdam durchgeführten Studien in jüdischer Theologie kann Langer indes fortsetzen. Das hängt damit zusammen, dass die Ausbildung von Geistlichen in Deutschland zweigeteilt ist: Auch angehende Priester oder Pfarrer studieren an einer staatlichen Hochschule Theologie und erwerben dort ein Diplom oder einen Master. Anschließend werden sie in einem Priester- oder Predigerseminar in Verantwortung der jeweiligen Kirchen auf ihren Beruf vorbereitet. Langer muss zwar das jüdische Rabbinerseminar verlassen, kann aber seinen Abschluss machen.