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| 01:29 Uhr

Potsdamer Rabbiner arbeiten weltweit

Zuletzt wurde Mitte Juni die Ordination von vier Absolventen des Abraham Geiger Kollegs gefeiert. Zu ihnen zählte Juval Porat, der sich zum Kantor ausbilden ließ. Foto: dpa
Zuletzt wurde Mitte Juni die Ordination von vier Absolventen des Abraham Geiger Kollegs gefeiert. Zu ihnen zählte Juval Porat, der sich zum Kantor ausbilden ließ. Foto: dpa FOTO: dpa
An der Universität in Potsdam können sich Studenten zu Rabbinern ausbilden lassen. Das Abraham Geiger Kolleg gibt es seit nunmehr zehn Jahren. Es war das erste Rabbinerseminat, das in Mitteleuropa nach dem Holocaust gegründet wurde. Von Leticia Witte

Am Abraham Geiger Kolleg mit Sitz an der Universität Potsdam werden Männer und einige Frauen aus aller Welt zu jüdischen Geistlichen für liberale und konservative Gemeinden ausgebildet. Rabbiner und Rektor Walter Homolka spricht von einem Wunder: Das Kolleg war ihm zufolge das erste Rabbinerseminar in Mitteleuropa nach dem Holocaust. Ausgerechnet in Deutschland, in dem Land, von dem der Terror der Nationalsozialisten gegen die Juden ausging. Bis heute gebe es neben dem Kolleg in Potsdam europaweit nur das Leo Baeck College in London, wo Rabbiner auf akademische Weise ausgebildet werden. Hohe StandardsDer Standard des Unterrichts sei hoch. "Rabbiner made in Germany ist ein Qualitätsbegriff geworden", so Homolka. Die angehenden Rabbiner - derzeit sind es 22 - lernen He bräisch, Liturgie, rabbinische Texte und absolvieren Praktika. Seit 2007 bildet das Seminar auch Kantoren aus. Gelehrt wird neben Potsdam in Berlin. Sechs Rabbiner und ein Kantor haben das Kolleg bereits mit Abschluss verlassen. Sie arbeiten in Deutschland, Südafrika, USA, Tschechien und Spanien. 2006 war die erste Ordination von drei Rabbinern ein riesiges Medien-Ereignis gewesen: 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren erstmals wieder in Deutschland Rabbiner geweiht worden - es waren Absolventen des Abraham Geiger Kollegs, die in der neuen Dresdner Synagoge im Rampenlicht standen. Einer der künftigen Rabbiner ist Alexander Nachama, Sohn des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama. Der 25-Jährige hat bereits ein Judaistik- und ein Kantorenstudium hinter sich. Nun studiert er im zweiten Jahr am Kolleg. Neben seiner Ausbildung ist er Kantor in einer Berliner Synagoge. "Ein Rabbiner muss ein großes Wissen haben und fühlen, was seine Gemeinde von ihm will", sagt Alexander Nachama stolz.Der Anfang fiel schwerStockend hatte die Geschichte des Kollegs begonnen. "Wir brauchten eine Professionalisierung in jüdischen Gemeinden durch Rabbiner aus Deutschland", sagt Homolka. Nach der Wende wuchsen die Gemeinden mit dem Zuzug von Juden aus der früheren Sowjetunion. Doch die Idee zur Errichtung eines Kollegs in Deutschland stieß auf wenig Begeisterung. "Kritiker sagten, auf der Asche der sechs Millionen ermordeten Juden sei das fast unanständig", so Homolka. Erst durch Fürsprache einflussreicher Rabbiner, die aus Nazideutschland hatten emigrieren müssen, und die Anerkennung durch die Zentralkonferenz Amerikanischer Rabbiner sei das am 17. August 1999 gegründete Kolleg zu einer Erfolgsgeschichte geworden, so Homolka. Da mittlerweile alle Bundesländer finanzielle Unterstützung leisten, stehe es jetzt auf stabiler Basis.