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Kabinetts-Sitzung
Potsdam stellt in Neuzelle Weichen für neues Zisterzienserkloster

Dietmar Woidke  sieht in der Klosteransiedlung eine „richtig gute Weiterentwicklung des Standortes“.
Dietmar Woidke  sieht in der Klosteransiedlung eine „richtig gute Weiterentwicklung des Standortes“. FOTO: Bernd Settnik / dpa
Neuzelle. Land Brandenburg will den Mönchen ehemaliges Kanzleigebäude zur Nutzung überlassen. Staatliche Klosterstiftung wird ihren Besitz aber nicht an sie abtreten. Von Benjamin Lassiwe

(iwe) Auf dem Klosterteich in Neuzelle treiben noch einige Eisschollen. Doch gestern schien die Frühlingssonne über die barocke Klosteranlage, in der sich Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und sein Kabinett mit den Spitzenvertretern der katholischen Kirche in Brandenburg trafen. Und ähnlich wie das Eis auf dem Klosterteich scheinen auch einige Schwierigkeiten bei der für September geplanten Neugründung eines Zisterzienserklosters in der heute zur staatlichen Stiftung Stift Neuzelle gehörenden Anlage geschmolzen zu sein.

Wie Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) erklärte, gebe es derzeit intensive Gespräche, um schnell eine Rahmenvereinbarung für die Nutzung des ehemaligen Kanzleigebäudes in Neuzelle zu schaffen. „Wir planen, den Mönchen das Kanzleigebäude im Rahmen einer dinglichen Sicherung zu überlassen“, sagte Münch.

Die staatliche Stiftung Stift Neuzelle sei in der Pflicht, die Außensanierung des derzeit teilweise baupolizeilich gesperrten Gebäudes zu leisten. Die Kirche werde die Innensanierung übernehmen. Für die derzeitigen Nutzer des nicht gesperrten Gebäudeteils, eine private Musikschule und die Neuzeller Forstverwaltung, müssten andere Räumlichkeiten gefunden werden. Die entsprechenden Sanierungsarbeiten würden aber vermutlich bis in die 2020er-Jahre andauern.

Derzeit leben die drei nach Neuzelle gekommenen Zisterzienser im katholischen Pfarrhaus, ab September sollen sie auch die Leitung der Neuzeller Pfarrgemeinde übernehmen. Befürchtungen, die Mönche könnten so wie früher wieder große Ländereien der umliegenden Dörfer in Besitz nehmen wollen, wies Münch zurück. Die staatliche Klosterstiftung werde ihren Besitz behalten und nicht an die Mönche abtreten. Das Land Brandenburg hat die Sanierung der Klosteranlage seit den 1990er-Jahren mit mehr als 50 Millionen Euro unterstützt.

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt wiederum kündigte an, eine eigene kirchliche Stiftung in Neuzelle gründen zu wollen. In die Stiftung, zu deren Stiftungsrat auch staatliche Vertreter gehören sollen, werde das bewegliche Inventar der Klosterkirche eingebracht, dessen Eigentum bislang eine ungeklärte Frage zwischen katholischer Kirche und Klosterstiftung war.

Dankbar sei er für das Thema des Festjahres zum 750. Klosterjubiläum: Es findet unter dem Motto „Dem Himmel so nahe“ statt. „Da gehört vieles dazu, bis zur geplanten Klosterneugründung.“ Dietmar Woidke begrüßte ebenfalls die Wiederansiedlung des Zisterzienserordens. Dies sei eine „richtig gute Weiterentwicklung des Standorts“.