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| 11:22 Uhr

Sammeln statt schicken
Postkarten sind in Brandenburg beliebt

Mecklenburg-Vorpommern, Zinnowitz: Postkartenständer stehen auf der Strandpromenade. Die Postkarte gilt heute nicht mehr als alleiniger ultimativer Beweis, an einem möglichst attraktiven Urlaubsort gewesen zu sein. Dennoch hat sie im Sommer Hochkonjunktur.
Mecklenburg-Vorpommern, Zinnowitz: Postkartenständer stehen auf der Strandpromenade. Die Postkarte gilt heute nicht mehr als alleiniger ultimativer Beweis, an einem möglichst attraktiven Urlaubsort gewesen zu sein. Dennoch hat sie im Sommer Hochkonjunktur. FOTO: dpa / Stefan Sauer
Potsdam. Wer denkt, dass Postkarten in Zeiten flotter Whatsapp-Nachrichten aus der Mode gekommen sind, irrt. Besonders bei Sammlern erfreuen sie sich großer Beliebtheit und auch Händler bestätigen einen wachsenden Markt. Und auch in Brandenburger Läden wird gerne zur Postkarte gegriffen.

Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Gerade in der Urlaubszeit, zu Weihnachten und zu Ostern sind sie beliebt. Dann ist Postkartenzeit“, sagte Tina Birke, Pressesprecherin der Deutschen Post.

Die Veränderungen in den Kommunikationswegen gehen allerdings auch an den Postkarten nicht vorüber, nicht in Brandenburg und nicht in Deutschland, wie Birke erläuterte. Nach ihren Angaben hat die Post im vergangenen Jahr deutschlandweit 195 Millionen Postkarten transportiert - fünf Millionen weniger als noch 2016 und 15 Millionen weniger als 2014.

Für Brandenburgs Händler lohnt sich der Verkauf von Post- und Ansichtskarten aber nach wie vor, wie Phillip Haverkamp vom Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB) berichtete. „Das ist nach wie vor ein wachsender Markt“, sagte er. Und selbst wenn die Karten keinen großen Teil des Umsatzes ausmachen würden, so lockten sie mit witzigen Sprüchen und lustigen Motiven Kunden über die Ladenschwelle.

„Auch wir nehmen wahr, dass die Karten lieber gesammelt, statt verschickt werden“, sagte Haverkamp. Oft landeten sie am Kühlschrank oder in der Vitrine. Das Interesse an den Motiven auf den karten falle ganz unterschiedlich aus. Manche sammelten Karikaturen, andere vielleicht historische Stadtansichten.

Letztere wecken oft das Interesse der sogenannten „Philokartisten“, also Postkartenliebhaber. Viele von ihnen gehören zu den gut 2700 Mitgliedern des Philatelisten-Verbands Berlin-Brandenburg, in dem auch Briefmarken- und Postkartensammler aus anderen ostdeutschen Bundesländern organisiert sind. „Viele Briefmarkensammler haben schon seit jeher auch Postkarten gesammelt“, sagte der Verbandsvorsitzende Klaus Dieter Schult aus Panketal (Barnim).

Im Verband nehme das Kartensammeln zu. Zuletzt sei im Bundesverband der Deutschen Philatelisten die Ausstellungsordnung bei Messen geändert worden. Diese ermögliche nun auch das gezielte Ausstellen von Postkarten. „Ganz oft spielt der heimatgeschichtliche Aspekt eine Rolle beim Kartensammeln“, sagte Schult.

Neben Sammlerbörsen und Flohmärkten gewinne das Internet für die Kartensammler wie für die Briefmarkensammler weiter an Bedeutung. „Echte Sammler verschließen sich solchen Neuheiten meist nicht“, sagte der Verbandsvorsitzende. Bei Onlineauktionsplattformen wie Ebay könnten sie gezielt nach bestimmten Objekten aus aller Welt stöbern und diese oft günstig ersteigern.

Die Kommunikation auf dem Postkartenweg ist auch für Schult noch lange nicht aus der Mode gekommen - im Gegenteil. „Die Kanäle werden vielfältiger“, sagte er und verwies auf die Onlineplattform postcrossing.com. Die zählt mittlerweile fast 730 000 Mitglieder weltweit. Auch Schult hat sich dort registriert, wie er sagte.

„Man meldet sich an, bekommt eine Identifikationsnummer und Adressen“, erläuterte er. Kommt die Karte mit der ID beim Adressaten an und vermerkt dieser das online, erhalte man weitere Adressen. „Das geht dann immer so weiter und kann ganz schön ins Geld gehen“, sagte der Philatelist. Trotzdem ist er der Ansicht, dass die Portopreise in Deutschland für Postkarten noch vergleichsweise moderat sind.

(dpa)