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| 18:28 Uhr

Post aus Potsdam
Potsdams Kapitänleutnant

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: LR / Redaktion
Uniformen machen zuweilen Leute. Das wusste schon Wilhelm Voigt, der Schuhmacher aus Ostpreußen, der in Berlin als „Hauptmann von Köpenick“ bekannt wurde. Von Benjamin Lassiwe

Uniformen sind aber auch ein hervorragender Werbeträger – deswegen beispielsweise hat Brandenburg ein Polizeiorchester, dessen Musiker zwar in der Uniform der Polizei auftreten, aber keineswegs echte Polizisten sind. Und deswegen war auch Innenminister Karl-Heinz Schröter kürzlich in der Havellandkaserne in Potsdam – denn während manche Mitglieder des Kabinetts eine gewisse Sympathie für alle haben, die vor Brandenburgs Kasernen gegen Truppentransporte nach Polen und Litauen demonstrieren, liegt dem Innenminister die Bundeswehr am Herzen.

Schröter ließ sich am 5. Juli von der Bundeswehr zum „Kapitänleutnant der Reserve“ ernennen. Als „Spezialist der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit“ kann er künftig beim Landeskommando Brandenburg eingesetzt werden, teilte die Bundeswehr mit. Was freilich im Ernstfall bedeuten würde, dass der SPD-Politiker wenigstens über eine gespaltene Persönlichkeit verfügen müsste. Denn Ende Oktober 2019 wird Karl-Heinz Schröter 65 Jahre alt und erreicht damit die Altersgrenze für Reservisten. Sollte er noch einmal als Reservist zum Einsatz kommen, müsste das also vorher geschehen. Doch sollte es in den nächsten eineinhalb Jahren ein neues Elbhochwasser oder eine andere Katastrophe geben, bei der das Landeskommando Brandenburg einen „Spezialisten der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit“ benötigt – ja, dann müsste Schröter wohl mit sich selbst zusammenarbeiten. Schließlich wäre der Innenminister des Landes Brandenburg dann der wichtigste Partner auf Seiten des Landes.

Aber vielleicht denkt Karl-Heinz Schröter ja auch schon weiter. Denn im September 2019 finden in Brandenburg ja Landtagswahlen statt. Und wenn in Potsdam dann über ein neues Kabinett verhandelt wird, könnte eine zünftige Wehrübung ja eine gute Idee sein, um von Kreisgebietsreformen und Polizeizielzahlen einmal Abstand zu gewinnen.