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| 01:36 Uhr

Post aus Potsdam: Beamte im Kampf mit IT

Hinter verschlossenen Amtstüren kämpfen die Beamten mit den Tücken der IT (Intelligente Technologien) und bieten immer wieder Grund zu zweischneidiger Freude. Der Pädagogenverband schaffte es, zehn Zeilen Text zu einer Datei mit fast 36 Megabyte aufzublasen und diese digitale Bombe im doc-Format per Mail zu verbreiten. Von Johannes Frewel

Microsoft Word bietet weitere Funktionen, die durchaus prekäre Folgen haben können. So freute sich das Landeskriminalamt zu Recht nach langen Ermittlungen darüber, in Cuxhaven die Kosksyacht von märkischen Drogendealern aufgebracht zu haben.

Von Eberswalde aus sendeten sie die frohe Kunde gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft in einer Erklärung per Mail an die Redaktionen. Man kann nur hoffen, dass die Qualität der Ermittlungen besser ist als die IT-Kenntnisse der LKA-Experten. Denn die Presseerklärung im doc-Format enthielt fein säuberlich die gesamte Versionsgeschichte des Dokuments.

Deutlich wurden darin nicht nur ausgebesserte Rechtschreibschwächen, Textkosmetik und namentlich der jeweilige Urheber. Word war auch so freundlich, gelöschte Informationen, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollten, inhaltlich darzustellen, grafisch hervorzuheben und auch noch Datum, Uhrzeit und Urheber der Löschung preiszugeben. Nun freut sich natürlich jeder Journalist über so viel unverhoffte Transparenz der Polizeiarbeit durch unbeabsichtigte Quasi-Vorratsdatenspeicherung.

In den meisten Fällen dürfte es indes gute Gründe dafür geben, dass Polizeiinterna auch tatsächlich intern bleiben.

Das Informationsleck ist keine Fehlfunktion, sondern ein gern genutztes Feature von Microsoft Word. Auf die möglicherweise verheerenden Nebenwirkungen der tückischen Schnellspeicher-Funktion bei delikaten Dokumenten weist der Hersteller ausdrücklich und leicht verständlich hin: “Wenn Sie ein Dokument speichern und dabei die Option Schnellspeicherung zulassen aktiviert haben, speichert Word nur die Änderungen im Dokument und hängt sie am Ende des Dokuments an. Das bedeutet, dass Ihr Dokument den gelöschten Text noch enthält (. . .)„.

PS: Auf tätige Einsicht kann man bei Word-Dilettanten in den Amtsstuben, die sich nicht selten für Großmeister der IT halten, kaum hoffen. Der Chef des Pädagogenverbands - ein verbeamteter Lehrer - zeigte jedenfalls keinerlei Reue und forderte dreist eine Entschuldigung dafür, dass die in seiner Erklärung verpackte Mailbombe und das lehrerseitige Unvermögen auch öffentlich wurden. Bei der Polizei warte ich hoffnungsfroh auf die nächste Mail mit einer so schön transparenten doc-Datei. Ich fürchte indes, meine Hoffnung ist zumindest im Fall des LKA reichlich vergebens.