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Pressekonferenz abgesagt
Politische Ränkespiele um den Wolf?

Am Mittwoch sollten die aktuellen Zahlen zur Wolfspopulation veröffentlicht werden, doch die Pressekonferenz wurde abgesagt.
Am Mittwoch sollten die aktuellen Zahlen zur Wolfspopulation veröffentlicht werden, doch die Pressekonferenz wurde abgesagt. FOTO: jimcumming88 / FOTOLIA
Berlin. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) haben die für Mittwoch geplante Pressekonferenz zum Thema „Der Wolf in Deutschland“ – Empfehlungen zum Umgang mit auffälligen Wölfen“, abgesagt. Von Frank Hilbert

Sie werde auf einen anderen Tag verschoben, hieß es. Ein neuer Termin stehe jedoch noch nicht fest. Zur Begründung verwies das Bundesamt auf den Wunsch der Länder, Informationen zu dem Thema im Umfeld der Umweltministerkonferenz in der zweiten Novemberhälfte erhalten zu wollen.

Dr. Diana Pretzell, Leiterin Naturschutz in Deutschland beim World Wide Fund For Nature (WWF), kritisiert in einer Stellungnahme die Absage und warnt vor einer Scheindebatte:

„Wir benötigen ein verlässliches Monitoring der Wolfspopulation. Die Bevölkerung und Nutzergruppen wie etwa Schäfer haben Anspruch auf sachliche Informationen. Gerade werden wir jedoch Zeugen eines Politikzirkus rund um den Wolf. Es ist unverständlich, dass aktuelle Bestandszahlen und ein vom Büro Lupus erarbeitetes, gutachterliches Konzept zum Umgang mit Wölfen nicht der breiten Öffentlichkeit vorgelegt werden. In diesem Fall drängt sich der Verdacht auf, dass BfN und DBBW aus politischen Gründen ein Sprechverbot erteilt wurde.“

Statt politischer Ränkespiele sollten die zuständigen Landwirtschafts- und Umweltpolitiker aufhören, die Probleme der Weidetierhalter zu ignorieren. „Wir brauchen in diesem Bereich eine Entbürokratisierung und eine effektive und schnelle Förderung.“ Statt föderaler Machtspiele sei ein nationales Zentrum für Herdenschutz überfällig, um funktionierende Prävention und Kompensation bei Wolfsübergriffen auf Weidetiere flächendeckend zu gewährleisten.

Wirtschaftliche Benachteiligungen von Nutztierhaltern in Wolfsgebieten müssten angemessen und unbürokratisch aufgefangen werden. Es gelte, der extensiven Weidetierhaltung den Rücken zu stärken und ihr eine langfristige Perspektive zu geben.

Wenn jetzt gefordert wird, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, entfache das eine fahrlässige Scheindebatte“, betont Pretzell. Das gehe nicht nur zulasten der Wölfe, sondern auch von Schäfern und Nutztierhaltern, die mit ihrer Bewirtschaftung von Grünland einen wichtigen Beitrag für vielfältige Ökosysteme und Kulturlandschaften in Deutschland leisten. „Durch den Wolf im Jagdrecht wird keine einzige Schafsherde besser geschützt. Der Wolf in Deutschland weist noch immer eine insgesamt ungünstige Erhaltungssituation auf. Damit hat die Tierart, genauso wie Kraniche oder Uhu, nichts im Jagdrecht verloren.“