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| 19:50 Uhr

Verseuchter Kompost
Plastikreste auch auf Brandenburgs Äckern

Ein Acker in Brandenburg: Mikroplastik und Plastikreste sind schon lang nicht mehr nur an Stränden zu finden (Foto unten). Auch auf deutschen Äckern (Fo. oben) findet sich immer mehr Plastik. Und zwar im Kompost. Grund: Die Biomüllverwerter schreddern Plastikteile, etwa von Verpackungen einfach mit. Auch Brandenburg ist davon zunehmend betroffen. Mittlerweile beschäftigt sich der Bundesrat mit dem Problem.
Ein Acker in Brandenburg: Mikroplastik und Plastikreste sind schon lang nicht mehr nur an Stränden zu finden (Foto unten). Auch auf deutschen Äckern (Fo. oben) findet sich immer mehr Plastik. Und zwar im Kompost. Grund: Die Biomüllverwerter schreddern Plastikteile, etwa von Verpackungen einfach mit. Auch Brandenburg ist davon zunehmend betroffen. Mittlerweile beschäftigt sich der Bundesrat mit dem Problem. FOTO: dpa/dpaweb / Z1022 Patrick Pleul
Potsdam. Im Bundesrat und in Brandenburg geht es um die Frage, ob Plastikverpackungen kompostiert werden dürfen.

Die Meere sind voller Plastik. Tonnenweise Müll hat sich in einem gigantischen Strudel im Pazifik angesammelt. Doch dass es da ein Problem gibt, ist mittlerweile weltweit bekannt, spätestens seit der Niederländer Boyan Slat sein Projekt „The Ocean cleanup“ gestartet hat, bei dem er mit einer gigantischen, schwimmenden Röhre den Müll abfischen will.

Weniger bekannt ist indessen, dass Plastikmüll ganz offensichtlich auch auf Deutschlands Äckern landet. Denn wenn verfallene Lebensmittel aus Deutschlands Supermärkten zu Kompost oder Gärmasse verarbeitet werden, müssen die mit der Verwertung befassten Firmen die Verpackungen nicht entfernen. Das Plastik landet im Biomüll – und irgendwann dann auf den Feldern.

Bekannt ist ein Fall aus Schleswig-Holstein, bei dem über Monate hinweg Plastikschnipsel aus einer Biogasanlage in die Schlei gelangten. „Plastik sollte nicht als Bestandteil von Bioabfall zugelassen sein“, sagt Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Die Bundesländer Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg haben deswegen einen Antrag in den Bundesrat eingebracht, der den Entsorgungsfirmen vorschreiben soll, künftig nur noch unverpackte Lebensmittel als Kompost oder Gärmasse zu verwerten. Auch die Grenzwerte für Kunststoffanteile in Düngemitteln oder Kultursubstraten sollen dem Antrag zufolge gesenkt werden.

In Brandenburg ist man sich des Problems durchaus bewusst. „Bei unseren Experten steht das Thema auf der Agenda“, sagt der Sprecher des Landesbauernverbands, Tino Erstling. „Es wird in Fachkreisen darüber diskutiert.“ Ihm sei bisher kein Fall bekannt, dass Düngemittel oder Kompost mit solchen Risiken auf Brandenburger Äckern ausgebracht werde. „Aber Plastik ist schließlich nur ein Problem, es könnten ja auch Arzneimittel oder Batterien in den Abfällen enthalten sein“, sagt Erstling.

Dagegen sagte der Landwirtschaftsexperte von Bündnis 90/Die Grünen, Benjamin Raschke, bei seiner Fraktion meldeten sich immer wieder einmal Bürger, die sich darüber beschwerten, dass Plastik über den Acker wehe. „Meist sind das Reste vom Anbau etwa von Erdbeeren oder Spargel unter Folie, aber ab und zu ist es tatsächlich so, dass über die Verwertung von Biomüll auch Plastikreste auf den Acker gelangen“, sagt Raschke.

Beim ersten derartigen Anruf habe er es selbst nicht glauben können, dann aber auf einem Acker bei Oranienburg auch selbst gesehen. Eine Anfrage an das Potsdamer Landwirtschaftsministerium ergab aber lediglich, dass man sich für den Vorgang nicht zuständig fühlte und an den Landkreis Oberhavel verwies. „Ich finde es richtig, dass wir die Grenzwerte für Plastik in Bioabfällen radikal absenken“, sagte Raschke der Lausitzer Rundschau.

„Wenn Menschen merken, dass da Plastik im Boden ist, sind das ja schon große, sichtbare Mengen.“ Ein Sprecher des Potsdamer Landwirtschaftsministeriums sagte auf RUNDSCHAU-Nachfrage, dem Ministerium sei die Problematik nicht zuletzt durch den Bundesratsantrag aus Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg bekannt. Zum Umgang damit in Brandenburg konnte man aber am Montag noch keine Auskunft geben.

Mikroplastik und Plastikreste sind schon lang nicht mehr nur an Stränden zu finden (Foto unten). Auch auf deutschen Äckern (Fo. oben) findet sich immer mehr Plastik. Und zwar im Kompost. Grund: Die Biomüllverwerter schreddern Plastikteile, etwa von Verpackungen einfach mit. Auch Brandenburg ist davon zunehmend betroffen. Mittlerweile beschäftigt sich der Bundesrat mit dem Problem.
Mikroplastik und Plastikreste sind schon lang nicht mehr nur an Stränden zu finden (Foto unten). Auch auf deutschen Äckern (Fo. oben) findet sich immer mehr Plastik. Und zwar im Kompost. Grund: Die Biomüllverwerter schreddern Plastikteile, etwa von Verpackungen einfach mit. Auch Brandenburg ist davon zunehmend betroffen. Mittlerweile beschäftigt sich der Bundesrat mit dem Problem. FOTO: fotolia / stylefoto24/Fotolia