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| 02:44 Uhr

Pläne für testweise Auferstehung des Wawel

Ministerin Kathrin Schneider verteidigt die Schließung der Haltepunkte des RE 2. Der Zug soll künftig pünktlicher sein.
Ministerin Kathrin Schneider verteidigt die Schließung der Haltepunkte des RE 2. Der Zug soll künftig pünktlicher sein. FOTO: Helbig/mih1
Der RE 2 sorgt in der Lausitz weiter für Ärger: Mehrere Haltepunkte sollen tagsüber nicht mit Zügen bedient werden, das Angebot wird schlechter. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos).

Frau Ministerin, wird der Regionalexpress RE2 mit dem kommenden Fahrplan endlich pünktlich?
Ich hoffe sehr, dass der RE 2 pünktlich wird. Er hat jetzt eine Pünktlichkeit von 70 Prozent. Das müssen wir deutlich steigern. Die Maßnahmen, die jetzt eingeleitet worden sind, werden dazu führen, dass der Zug pünktlicher wird.

Zu den Maßnahmen gehört die Streichung der drei Halte in der Lausitz. Gleichzeitig hält der Zug künftig in Wittenberge und Nauen deutlich länger, um den Fernverkehr durchzulassen. Wie passt das zusammen?
Moment - wir schließen keine Halte. In Kunersdorf, Kolkwitz und Raddusch halten alle Züge vor 7 und nach 22 Uhr. Und der Einsetzerzug hält auch. Für die übrige Zeit des Tages wird es ein Buskonzept geben: Die Kindergartenkinder werden nach Vetschau, Schüler in die Schule und ältere Leute zum Arzt oder Einkaufen kommen. Wir haben in Kunersdorf und Kolkwitz 70 Ein- und Aussteiger am Tag, in Raddusch sind es 140: Da die Leute, die einsteigen, meist auch die Aussteiger sind, betrifft es also 35 oder 70 Personen am Tag. In Cottbus steigen jeden Tag 2500 Leute ein und aus, und die müssen pünktlich und schnell an ihr Ziel.

Aber was ist mit den Anpassungen im Norden und im Süden?
Der Zug hat eine lange Strecke. Er hat einen nördlichen und einen südlichen Ast. Probleme, die es in einem der beiden Äste gibt, müssen in dem jeweiligen Ast gelöst werden: Wir bauen die Verzögerungen in Wittenberge und Nauen in den Fahrplan ein, damit der Zug trotz des gestiegenen Fernverkehrsaufkommens zwischen Berlin und Hamburg pünktlich in Berlin-Spandau ankommt und sein Zeitfenster auf der Stadtbahn einhalten kann. Von der erhöhten Zahl der Fernzüge profitiert übrigens auch Brandenburg: Ab dem Fahrplanwechsel wird der ICE alle zwei Stunden in Wittenberge halten - und dafür haben wir lange gekämpft. Aber das, was im Süden passiert, kann auch nur im Süden geklärt werden.

Und zwar wie?
Wir haben nach wie vor das Problem der Eingleisigkeit zwischen Lübbenau und Cottbus. Das zweite Gleis dort ist im Bundesverkehrswegeplan als Bedarf angemeldet. Und das ist ja auch für den Fernverkehr wichtig: Wenn Herr Pofalla dem im März vorgelegten Fernverkehrskonzept zufolge eines Tages alle zwei Stunden einen IC von Cottbus nach Norddeich Mole fahren lassen will, dann muss dieser Zug da lang. Und wenn die Strecke von Berlin nach Breslau reaktiviert werden soll, dann muss auch dieser Zug dort fahren.

Haben Sie über eine Teilung der langen Strecke nachgedacht?
Den RE 2 in Berlin zu teilen, löst das Problem nicht. Sie brauchen einen Bereich, wo man die Züge abstellen kann. Sie brauchen mehr Züge. Und deswegen ist das für uns keine Lösung.

Sollten nicht Organisationen wie der Bahnkundenverband stärker in die Fahrplanerstellung eingebunden werden?
Der Bahnkundenverband ist bei der Erstellung des Nahverkehrsplans eingebunden. Aber wir werden einen komplexen Fahrplan nicht im Rahmen einer öffentlichen Abstimmung aufstellen können.

In der Lausitz wird darüber geklagt, dass es ab dem nächsten Fahrplan für Reisende zum Flughafen Schönefeld lange Umsteigezeiten in Königs Wusterhausen geben soll...
Das ist nicht so. Es gibt keine längeren Umsteigezeiten in Königs Wusterhausen. Der Anschluss vom RE 2 zur RB 22, dem Flughafenzug, beträgt jetzt 13 bis 15 Minuten. Und es sind auch im nächsten Fahrplan 13 bis 15 Minuten. Ich habe keine Ahnung, wie man da auf 40 Minuten Umsteigezeit kommt.

Eine Zeitung zitierte Sie kürzlich damit, dass ein mit staatlichen Zuschüssen unterstützter Regionalzug zwischen Berlin und Breslau geplant sei - quasi ein neuer Wawel. Wäre das nicht eigentlich Aufgabe des Fernverkehrs?
Es gibt keine Idee, einen Regionalzug fahren zu lassen. Es gibt den festen Willen der Länder Berlin und Brandenburg, einen Zug nach Breslau auf die Schiene zu bringen. Aber das ist immer Fernverkehr. Und wenn die Länder sich bereiterklären, das für eine gewisse Zeit zu unterstützen, dann ist das trotzdem kein Regionalverkehr.

Also wird der Zug nicht dauerhaft bezuschusst?
Das ist Fernverkehr. Nichtsdestotrotz wollen wir gerade im kommenden Jahr, wenn Breslau Europäische Kulturhauptstadt ist, den Zug testweise fahren lassen. Dafür könnte es dann auch öffentliche Mittel geben.

Wäre das Land bereit, sich auch anderswo an der Finanzierung des Fernverkehrs zu beteiligen?
Das Land ist nicht Aufgabenträger im Fernverkehr. Der geschieht eigenwirtschaftlich durch die Deutsche Bahn. Wir arbeiten jetzt an einer Einzelfallentscheidung.

Mit Kathrin Schneider

sprach Benjamin Lassiwe