ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:07 Uhr

Plädoyer für den genetischen Fingerabdruck

Vor dem Hintergrund der beiden spektakulären Fahndungserfolge sprach sich Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm gestern für eine Ausweitung des genetischen Fingerabdrucks zur Bekämpfung von Straftaten aus. Von Thorsten Metzner


Man könne mit wissenschaftlichen Methoden sicherstellen, dass ein Missbrauch ausge-schlossen wird, sagte Schönbohm. „Der genetische Fingerabdruck sollte überall dort rechtlich möglich sein, wo heute von Tatverdächtigen ein normaler Fingerabdruck genommen wird.“ Bislang dürfen nur von verurteilten Kapitalverbrechern Genproben genommen werden.
Die jüngsten Fahndungserfolge seien nur durch „verfeinerte Analysemethoden“ möglich geworden, sagte Axel Lüdders. Früher habe man aus einer Zigarettenkippe die Blutgruppe ermitteln können, heute lasse sich eine DNA-Spur nachweisen. Im Fall Ann Christin M. sei man fündig geworden, weil die damalige DDR-Volkspolizei akribisch Spuren des Tatortes auf einer Müllkippe gesichert und eingelagert hatte, sagte der Potsdamer Polizeipräsident Bruno Küppers. Da Kapitalverbrechen nicht verjähren, werden solche Spuren in Asservatenkammern eingelagert. Erst kürzlich konnte auf einer dieser Spuren des Mordes an Ann Chrsitin T. dank der neuen Technik in geringen Mengen eine fremde DNA-Spur nachgewiesen - und als Erbgut von Mörder Uwe W. identifiziert werden. Von ihm lagert in der Gendatei des Bundeskriminalamtes eine DNA-Probe, da er wegen eines Sexualverbrechens in Haft ist.
Schönbohm äußerte die Hoffnung, dass mithilfe der DNA-Analyse weitere Altfälle aufgeklärt werden können. Er wies darauf hin, dass sich die Arbeitsbedingungen der Experten mit dem geplanten Neubau eines kriminalwissenschaftlichen Zentrums des Landeskriminalamts in Eberswalde weiter verbessern würden. Bislang wirken die DNA-Experten des Brandenburger LKA noch unter beengten Verhältnissen in Berlin-Joachimsthal.
In den Asservatenkammern des Landes-Kriminalamtes eingelagerte Spuren von ungeklärten Kapitalverbrechen würden mit neuen Methoden untersucht, sagte Lüdders.
Man arbeite derzeit eine Liste von „deutlich unter 50 Fällen“ , die zum Teil bis weit in die 80er-Jahre zurückreichen, parallel zur Aufklärung aktueller Straftaten ab.
Es sei auf diesem Wege bereits gelungen, mehrere Vergewaltigungen aus den 90er-Jahren aufzuklären, betonte der LKA-Direktor.