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Pippi Ludwig und zwei Fässer Bier

Post aus Potsdam. Wenn in Brandenburg in den letzten Jahren ein Politiker zurücktreten musste, hatte es nicht selten einen Grund: die Unfähigkeit, einen Fehler zur rechten Zeit einzugestehen. Ein klassisches Beispiel ist der ehemalige Minister Helmuth Markov (Linke): Er stolperte über den Transport zweier Motorräder in einem Dienstfahrzeug des Landes. Benjamin Lassiwe

Er versteifte sich auf eine abstruse Auslegung der Dienstwagenrichtlinie des Landes - und musste gehen.

In Potsdam lässt sich Ähnliches derzeit im Wahlkampf erleben. Da trat ein 37-jähriger Polizeisportler für das Team der CDU-Bundestagskandidatin und Landtagsabgeordneten Saskia Ludwig bei einem Firmenlauf an, in der Kategorie "Azubi". Ein 15-jähriger Schülerpraktikant wurde deswegen um den Sieg gebracht. Erst nachdem die ganze Angelegenheit öffentlich wurde, ließ die Kandidatin dem Schüler zwei Fässer Bier vorbeibringen. Von einer persönlichen Entschuldigung keine Spur. Stattdessen spekuliert Ludwig auf Facebook darüber, ob der Schülerpraktikant eigentlich als Azubi hätte antreten können und erfindet wilde Verschwörungstheorien zulasten der SPD.

Woran das erinnert? Sicher nicht an Einsichtigkeit, Weltgewandtheit oder die für jedwedes politische Amt notwendige Kompetenz. Auch der Umgang unter Christenmenschen - wir reden ja hier von einer C-Partei - sollte eigentlich anders sein. Nein, stattdessen fühlt sich der Beobachter irgendwie an Astrid Lindgren erinnert. Denn die schwedische Kinderbuchautorin schuf bekanntlich einst die Figur der "Pippilotta Viktualia Rullgardina Krusmynta Efraimsdotter Långstrump". Auf Deutsch als Pippi Langstrumpf bekannt. Und deren Lebensmotto war bekanntlich: "Ich mach mir die Welt, widewidewitt, wie sie mir gefällt" …