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| 19:25 Uhr

Brandenburg
Pilzberatung in großen Nöten

Der fünfjährige Friedrich und der siebenjährige Willi (l.) sind mit ihrem Interesse an Pilzen eher Exoten in ihrer Altersgruppe und unter den etwas Älteren. Peter Rohland, Pilzberater der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, erklärt den beiden Knirpsen geduldig, welche Pilze essbar und welche giftig sind.   
Der fünfjährige Friedrich und der siebenjährige Willi (l.) sind mit ihrem Interesse an Pilzen eher Exoten in ihrer Altersgruppe und unter den etwas Älteren. Peter Rohland, Pilzberater der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, erklärt den beiden Knirpsen geduldig, welche Pilze essbar und welche giftig sind.   FOTO: Waltraud Grubitzsch
Potsdam. Die ehrenamtliche Sachverständigenbetreuung ist in Brandenburg nicht selbstverständlich. Von Benjamin Lassiwe

Steinpilze, Pfifferlinge, Maronen. Wenn im Sommer der Regen einsetzt, sprießen in Brandenburgs Wäldern die Pilze aus dem Boden. Und viele machen sich, mit Pilzmesser und Körbchen bewaffnet, auf den Weg in die Natur. Damit das für niemanden zum letzten Weg auf Erden wird, gibt es die Pilzsachverständigen: 36 Experten zählt der Brandenburgische Landesverband der Pilzsachverständigen auf seiner Internetseite. Drei weitere Pilzsachverständige finden sich in der bundesweit aktiven Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Sie führen ehrenamtlich Beratungen durch und helfen Pilzsuchern, einen Champignon von einem Knollenblätterpilz zu unterscheiden.

Doch den Pilzsachverständigen im Land geht offenbar der Nachwuchs aus. „Die Nachwuchsgewinnung gestaltet sich sehr schwierig“, heißt es in der Antwort der Landesregierung auf eine „Kleine Anfrage“ des Großräschener SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Roick, die dieser Zeitung vorliegt. Dabei ist Brandenburg im Bundesvergleich mit Pilzberatern noch relativ gut versorgt, sagt Wolfgang Prüfert, der zum Bundesvorstand der Deutschen Gesellschaft für Mykologie gehört. „Das Problem ist auch noch nicht einmal, dass niemand die Prüfung als Pilzberater ablegen will.“ Vielmehr seien immer weniger Menschen bereit, ihr Fachwissen mit anderen zu teilen und ihre Adresse zum Beispiel in einer öffentlich zugänglichen Liste von Pilzberatern zu hinterlegen. „Und wenn dann nachts das Telefon klingelt und ein Krankenhaus dran ist, das bei Verdacht auf Pilzvergiftung einen Berater sucht, der Erbrochenes identifiziert, ist die Grenze des Ehrenamtes schnell erreicht.“ Bundesweit sei die Pilzberatung heute schon lange nicht mehr flächendeckend möglich.

Zumal es kaum Honorare für die Beratung gibt: „Einige wenige der Pilzsachverständigen werden über Honorarvereinbarungen, die sie direkt mit den jeweiligen Verwaltungen der Landkreise beziehungsweise kreisfreien Städte abgeschlossen haben, finanziell gering entschädigt“, heißt es in der Antwort der Landesregierung. Etwas anders organisiert ist dieses System in Mecklenburg-Vorpommern. Dort ist die Pilzberatung gesetzlich geregelt – als Aufgabe des Landesamts für Gesundheit und Soziales. Der Mediziner Oliver Duty ist als hauptamtlicher „Landespilzsachverständiger“ angestellt und für die Aus- und Weiterbildung der ehrenamtlichen Berater verantwortlich. Im Land gibt es 46 ehrenamtlich arbeitende Pilzberater – allein im Jahr 2015 führten sie 3600 Beratungen durch und sortierten dabei fast 300 stark giftige Pilze aus den Körben der Sammler heraus. Und rund 70 Grüne Knollenblätterpilze wurden auf diesem Weg von den Esstellern der Mecklenburger ferngehalten.

Doch die gesetzlich geregelte Pilzberatung gibt es so eben nur in Mecklenburg-Vorpommern. Die Brandenburger Landesregierung hat nicht vor, eine vergleichbare Regelung zu planen, heißt es in der Antwort der Potsdamer Landesregierung. Der Großräschener Landtagsabgeordnete Roick will sich trotzdem für eine Besserstellung der Ehrenamtlichen einsetzen. „Das ist eine wichtige ehrenamtliche Tätigkeit, die mit viel Aufwand betrieben wird“, sagt Roick. „Das verdient unsere Unterstützung.“