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| 19:23 Uhr

Steiger-Stiftung fordert mehr Engagement für Rettungsdienst
Wiederbelebungsunterricht an Brandenburger Schulen

 Jede Sekunde zählt, wenn es um ein Menschenleben geht. Viel zu oft wird zu spät mit der Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen. In Brandenburg sollen sich Schüler notwenige Fähigkeiten im Untterricht aneignen.
Jede Sekunde zählt, wenn es um ein Menschenleben geht. Viel zu oft wird zu spät mit der Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen. In Brandenburg sollen sich Schüler notwenige Fähigkeiten im Untterricht aneignen. FOTO: dpa / Jan Woitas
Potsdam. Die Steiger-Stiftung fordert mehr Engagement für Rettungsdienst und Erste Hilfe. Ein Pilotprojekt zum Wiederbelebungs­unterricht startet bald an 25 Schulen im Land. Von Benjamin Lassiwe

Massive Kritik an der Situation des Rettungsdienstes in Deutschland haben Vertreter der privaten „Björn-Steiger-Stiftung“ geäußert. Auf der Jahrestagung der Stiftung am Dienstag in Berlin mahnten sie unter anderem bundesweit einheitliche Hilfsfristen, eine bessere Ausbildung in lebensrettenden Sofortmaßnahmen und einen transparenteren Umgang mit den Daten zum Ablauf von Rettungseinsätzen an.

„Ich hoffe sehr, dass die vielen Herausforderungen im Rettungsdienst endlich den nötigen Platz auf der Tagesordnung der Politik einnehmen, den sie verdient haben“, sagte Stiftungspräsident Pierre Steiger.

„Überleben darf keine Frage des Bundeslandes oder des Landkreises – und damit des Zufalls – sein“, fügt der Geschäftsführer der Stiftung, Ulrich Schreiner, hinzu. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU würdigte er das Land Brandenburg dafür, dass seine Rettungsleitstellen im Unterschied zu anderen Bundesländern nach einheitlichen Prinzipien arbeiteten.

Kritisch äußerte er sich indes zu der in Brandenburg vorgeschriebenen Hilfsfrist, die die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens beim Patienten vorgibt: In Brandenburg beträgt diese Hilfsfrist 15 Minuten. In Mecklenburg-Vorpommern ist dagegen eine Hilfsfrist von zehn Minuten und in Sachsen von zwölf Minuten vorgesehen.

Zudem müssten dringend mehr Menschen in Erster Hilfe und Wiederbelebungsmaßnahmen geschult werden. „Wir brauchen eine bundesweite, verpflichtende Ausbildung in Erster Hilfe und Wiederbelebungsmaßnahmen“, sagte Schreiner.

Das Mitglied der Arbeitsgruppe „Forum Rettungsdienst“ der Steiger-Stiftung, Michael Fries, verwies darauf, dass in Deutschland pro Jahr rund 70 000 Menschen sterben, weil eine Herz-Lungen-Wiederbelebung zu spät begann oder aus anderen Gründen erfolglos blieb. „Wenn es gelingt, Ersthelfer zu aktivieren, steigert das die Überlebenschancen um das Doppelte oder sogar Dreifache“, sagte Fries.

Doch während in den Niederlanden oder in Norwegen in 75 Prozent der Fälle eines Herzstillstands Ersthelfer bereits vo rEintreffen des Rettungswagens mit einer Wiederbelebung begonnen haben, geschehe das in Deutschland gerade einmal in 39 Prozent der Fälle.

In Brandenburg hatte sich der Landtag im Dezember 2018 mit den Stimmen aller Fraktionen dafür eingesetzt, dass ab der siebenten Klasse in jedem Schuljahr zwei Unterrichtsstunden in den Fächern Biologie oder WAT für das Thema „Wiederbelebung“ und für Erste-Hilfe-Trainings reserviert werden. Wie der Sprecher des Potsdamer Bildungsministeriums, Ralf Kotsch, dieser Zeitung mitteilte, sei man im Moment dabei, eine einjährige Pilotphase vorzubereiten, an der bis zu 25 Schulen beteiligt sein sollen.

„Dabei sind für diese Schulen regionale Fortbildungen für Lehrkräfte vorgesehen, mit dem Ziel, dass die Lehrkräfte den Reanimationsunterricht auf der Basis eines einheitlichen, gemeinsam abgestimmten Curriculums umsetzen können“, sagte Kotsch dieser Zeitung. „Eine wesentliche Voraussetzung ist aber, dass den Schulen die notwendigen Übungspuppen zur Verfügung gestellt werden können.“

Insgesamt gibt es in Brandenburg 854 allgemeinbildende Schulen. Schon heute würden aber viele Brandenburger Schulen mit Rettungsdiensten kooperieren. Die Schulgesundheitsfachkräfte würden Erste-Hilfe-Kurse an Schulen organisieren, an manchen Schulen gebe es Schulsanitäter. Ein Projekt des Vereins „Pepiniere“, dessen Schirmherrschaft Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) übernommen habe, habe zudem dafür gesorgt, dass seit dem Jahr 2018 rund 2000 Brandenburger Schüler die erste Stufe der Reanimationsausbildung absolvierten. Insgesamt gibt es in Brandenburg rund 244 000 Schüler an allgemeinbildenden Schulen.

Der bildungspolitische Sprecher der Brandenburger CDU, Gordon Hoffmann, forderte, dem Thema Erste-Hilfe-Ausbildung an Brandenburgs Schulen insgesamt mehr Priorität zu geben. Nach einem mit großer Mehrheit gefassten Landtagsbeschluss dürften nicht „Monate des Nichtstuns“ ins Land gehen, bevor dieser umgesetzt werde.

 Jede Sekunde zählt, wenn es um ein Menschenleben geht. Viel zu oft wird zu spät mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen. In Brandenburg sollen sich Schüler notwendige Fähigkeiten im Unterricht aneignen.
Jede Sekunde zählt, wenn es um ein Menschenleben geht. Viel zu oft wird zu spät mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen. In Brandenburg sollen sich Schüler notwendige Fähigkeiten im Unterricht aneignen. FOTO: dpa / Jan Woitas