Brandenburg gilt als Vorreiter der Photovoltaik (PV) – etwa 55.500 Anlagen bestehen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums Brandenburg bereits. Knapp 95 Prozent des Stromverbrauchs in Brandenburg werden dem Ministerium zufolge rechnerisch mittlerweile aus erneuerbaren Energien gedeckt. Nun hat die Bundesregierung noch größere Anreize geschaffen, aus Sonnenlicht Strom zu produzieren.
Wer bereits eine Solaranlage besitzt oder mit der Anschaffung einer solchen liebäugelt, kann künftig unter bestimmten Umständen mit weiteren Steuernachlässen rechnen – bei Einkommenssteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer. Wie das Finanzministerium Brandenburg am jetzt mitteilte, profitieren davon vor allem Inhaber oder Miteigentümer kleinerer Solaranlagen. Besonders Solaranlagen auf Dächern oder in der Nähe von Gebäuden werden gefördert.

Rückwirkende Befreiung von der Einkommenssteuer

  • Die Erlöse aus dem Betrieb von Photovoltaikanlagen sind rückwirkend zum 1. Januar 2022 von der Einkommenssteuer befreit. Bestimmte Voraussetzungen sind dafür jedoch einzuhalten. Die Spitzennennleistung der Anlage darf bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Wenn die Bruttonennleistung auf Einfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien 30 Kilowatt (peak), also Spitzennennleistung, beziehungsweise 15 Kilowatt (peak) je Wohnung oder Gewerbeeinheit bei übrigen Gebäuden, wie etwa Mehrfamilienhäusern, nicht übersteigt, fällt keine Einkommenssteuer auf die Erlöse an. Insgesamt sind jedoch maximal 100 Kilowatt (peak) pro Betreiber oder Mitunternehmer zulässig, um in den Genuss der Befreiung von der Einkommenssteuer zu kommen.
Ein Quadratmeter Photovoltaik erzeugt zwischen 150 und 250 Watt Energie. Um auf eine Leistung von 30 Kilowatt, also 30.000 Watt, zu kommen, benötigt man also zwischen 120 und 200 Quadratmeter Photovoltaik-Panels. Eine Anlage mit 100 Kilowatt Nennleistung benötigt demzufolge zwischen 400 und 660 Quadratmeter Panelfläche. Das entspricht etwa der Größe eines kleinen Einfamilienhaus-Grundstücks.

Nicht nur finanzielle Vorteile, sondern auch weniger Aufwand

  • Zudem wurde die bestehende Gewerbesteuerbefreiung für Betreiber von Solarpanels auf Anlagen mit einer Leistung bis zu 30 Kilowatt (peak) erhöht. Vorher waren nur Betreiber von Anlagen mit einer Leistung bis zu zehn Kilowatt von der Gewerbesteuer ausgenommen. Laut Thomas Vieweg, Sprecher des Brandenburger Finanzministeriums, biete die Regelung den Betreibern nicht nur finanzielle Vorteile. Wer keine Gewerbesteuererklärung abgeben muss, spare vor allem auch Aufwand und Zeit, sagt Vieweg.
  • Ferner dürfen Lohnsteuerhilfevereine ihren Mitgliedern zukünftig bei der Einkommenssteuer und ihren Zuschlagsteuern Hilfe leisten, wenn diese eine steuerbefreite Photovoltaikanlage nach den oben genannten Kriterien betreiben.

Umsatzsteuer bei der Lieferung entfällt komplett

  • Außerdem entfällt ab 1. Januar 2023 die Umsatzsteuer für die Lieferung von Solarmodulen, einschließlich der für den Betrieb notwendigen Komponenten und der Stromspeicher, die dazu dienen, den mit den Solarmodulen erzeugten Strom zu speichern. Wer sich wundert, dass in den Rechnungen seines Solaranlagenanbieters nach der Lieferung keine 19 Prozent Umsatzsteuer auftaucht, kann beruhigt sein – das ist vom Gesetzgeber so vorgesehen. Demzufolge ist es seit Jahresbeginn weder möglich noch erforderlich, die Umsatzsteuer vom Finanzamt als Vorsteuer zurückerstattet zu bekommen. Auch in diesem Fall verringert sich der bürokratische Aufwand.
In welchem Umfang der Handel die volle Ersparnis von 19 Prozent, also immerhin knapp ein Fünftel, an die Kunden weitergibt, sei unklar, erklärt Vieweg. Das könne man auch nicht messen. Trotzdem ist sich der Ministeriumssprecher sicher: „Es wirkt dämpfend“ auf die Verbraucherpreise.
Dass die steuerlichen Rahmenbedingungen beim Aufbau von Solaranlagen mit dem Jahreswechsel deutlich attraktiver geworden sind, ist offenbar auch den Kunden des Solarzentrums Berlin-Brandenburg mit Sitz in Königs-Wusterhausen nicht entgangen. Geschäftsführer Carsten Manthey schreibt, er könne im Vergleich zu der ohnehin sehr hohen Nachfrage im Vorjahr noch keine Steigerung feststellen. „Aber es gab einen großen Effekt im 4. Quartal 2022, dass Kunden aus 2022 ihre PV-Anlage erst in 2023 fertiggestellt haben wollten.“

Umsatzsteuererhebung kann vermieden werden

Zur Vermeidung von möglichen finanziellen Nachteilen bei der Anschaffung von Photovoltaikanlagen muss außerdem nicht mehr wie bisher auf die Kleinunternehmerregelung des Paragrafen 19 des Umsatzsteuergesetzes verzichtet werden. Diese Regelung greift bis zu einem Jahresumsatz von 22.000 Euro und befreit die Unternehmer davon, Umsatzsteuer zu erheben. Sie stellt damit eine steuerliche und bürokratische Entlastung dar, die 2023 auch den Besitzern kleiner Solaranlagen zugutekommt.

Standort der Anlage entscheidend

Wann der Nullsteuersatz gemäß Kleinunternehmerregelung angewendet werden kann, hängt auch vom Standort der Solaranlagen ab. Er greift etwa, wenn die Photovoltaikanlage auf oder in der Nähe von Wohnungen liegen. Ebenfalls zur Anwendung kommt er, wenn die Panels in der Nähe öffentlicher und anderer Gebäude, die für Tätigkeiten genutzt werden, die dem Gemeinwohl dienen, errichtet sind. Die installierte Bruttonennleistung der Anlage darf in beiden Fällen 30 Kilowatt (peak) nicht übersteigen.
Brandenburgs Finanzministerium weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass bei Inbetriebnahme beziehungsweise bei Erweiterung einer Photovoltaikanlage aber weiterhin die Verpflichtung zur elektronischen Anmeldung beim Finanzamt besteht. Trotzdem entfällt einiges an bürokratischem Aufwand für Betreiber, die die Voraussetzungen zum Steuernachlass erfüllen. Ministeriumssprecher Vieweg ist sich sicher: „Viele werden profitieren.“

Auch die Einspeisevergütung wurde angehoben

Es hat aber nicht nur steuerliche Gründe, dass Solaranlagen attraktiver erscheinen als im Vorjahr. Carsten Manthey verweist auch auf die angehobene Einspeisevergütung, die denen zugutekommt, die ihren Solarstrom ins Netz einfließen lassen: „Wir weisen natürlich Kunden nicht nur auf die sehr positive geänderte Steuergesetzgebung hin, sondern auch, dass sich die Einspeisevergütung ab 01.01.2023 um rund 2 Cent/KWh erhöht hat.“ Bei einer Anlage mit 30 Kilowatt (peak) Leistung ergeben sich somit für 2023 Mehreinnahmen von 120 Euro im Vergleich zum Vorjahr, wenn sämtlicher Strom ins Netz eingespeist wird.