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| 01:32 Uhr

Peinliche Gedächtnislücken

Ex-Inoffizielle Mitarbeiter (IM) haben in wichtigen Jobs des öffentlichen Dienstes nichts verloren. Auch wenn Linkspartei-Fraktionschefin Kerstin Kaiser inzwischen damit selbstkritisch umgeht: Die Stasi-Verpflichtung des damals linientreuen Teenagermädchens im FDJ-Blauhemd war der Grund dafür, dass die heute demokratisch versierte Abgeordnete nicht als Ministerin am Kabinettstisch sitzen durfte. jfe1

Was für Kaiser gilt, sollte auch für Juristen und Polizisten gelten. Freilich sollen sowohl bei der Polizei als auch in Richterämtern noch immer als Grenzfälle eingestufte Klassenkämpfer sitzen, die einst Schild und Schwert der Partei als IM die Treue schworen. Seitdem der Justizminister ein Linker ist, wittern die abgewählten Konservativen darin ein Wahlkampfthema. Besonders delikat: Jörg Schönbohm war als erfolgreichster märkischer CDU-Landeschef und Innenminister zehn Jahre lang Dienstherr der IM-Gruppe unterm Blaulicht. Nicht anders im CDU-geführten Justizministerium. Beim Vorwurf, inkonsequent mit dem Stasi-Thema umgegangen zu sein, können SPD, CDU sowie Linkspartei gegenseitig mit den Fingern aufeinander zeigen. Angemessen wäre es, im 50. Jahr des Mauerbaus gemeinsam noch einmal hinzusehen und auf dünne Politclownerien zu verzichten.