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Nummer 13 soll CDU Glück bringen

Ingo Senftleben umarmt nach seiner Wahl zum neuen Brandenburger CDU-Landesvorsitzenden seine Mutter Hannelore.
Ingo Senftleben umarmt nach seiner Wahl zum neuen Brandenburger CDU-Landesvorsitzenden seine Mutter Hannelore. FOTO: dpa
Schönefeld. Nummer 13 an der Spitze der Brandenburger CDU soll es richten: Der Ortrander Ingo Senftleben ist am Sonnabend zum neuen Landeschef gewählt worden. Benjamin Lassiwe

Brandenburgs CDU hat wieder einmal einen neuen Vorsitzenden: Auf einem Parteitag in Schönefeld (Landkreis Dahme-Spreewald) wählten die Delegierten der größten Oppositionspartei am Samstag den ehemaligen Bürgermeister der Stadt Ortrand, Ingo Senftleben, zum Nachfolger des Cottbuser Mediziners Michael Schierack, der sein Amt nach den gescheiterten Sondierungsgesprächen mit der SPD aufgab.

Senftleben erhielt 163 der 212 Delegiertenstimmen. Der gegen ihn angetretene, frühere Landtagsabgeordnete Wieland Niekisch kam auf 29 Stimmen. Er war vom Gemeindeverband Hoppegarten ins Rennen geschickt worden. Er galt als Vertreter der Fraktion um die Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig sowie die frühere Generalsekretärin Anja Heinrich, die sich für eine Mitgliederbefragung zur Suche eines neuen Landesvorsitzenden ausgesprochen hatten.

Zuvor hatte der scheidende Landesvorsitzende Michael Schierack zur Unterstützung Senftlebens aufgefordert. "Unterstützen Sie den künftigen Vorsitzenden mehr als mich", sagte Schierack. "Er hat eine Chance verdient."

Tatsächlich ist die Halbwertszeit von CDU-Landesvorsitzenden in Brandenburg nicht sonderlich groß: Seit 1990 ist Senftleben bereits der 13. Vorsitzende der Landes-CDU, was sein Gegenkandidat Niekisch durch namentliche Auflistung aller bisherigen Amtsinhaber in seiner Bewerbungsrede auch genüsslich ausschlachtete. Lediglich der legendäre frühere Bundeswehr-General Jörg Schönbohm kam auf eine achtjährige Amtszeit.

Unmittelbar vor der Wahl Senftlebens trat der Ehrenvorsitzende der Brandenburger CDU zum ersten Mal seit seinem Schlaganfall vor die Delegierten des Parteitags. In einer von vielen Anwesenden als bewegend wahrgenommenen Rede appellierte er an die Geschlossenheit der Brandenburger CDU - und forderte zum Kampf gegen das rot-rote Regierungslager auf: "Jagt! Jagt! Jagt!", rief Schönbohm und hämmerte dabei mit der Faust auf das vor ihm stehende Rednerpult.

Senftleben kündigte an, bei der nächsten Landtagswahl 2019 solle die CDU stärkste Kraft im Land werden und die Regierung übernehmen. Zudem kritisierte er in seiner Rede den hohen Unterrichtsausfall an den Schulen und forderte einen Stopp des geplanten Stellenabbaus bei der Polizei.

Doch während der Rede kam es zu einem Eklat: Die frühere Lausitzer Landtagsabgeordnete Monika Schulz-Höpfner sowie die CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Georg von der Marwitz und Martin Patzelt entrollten ein Transparent, mit dem sie sich für einen Ausstieg aus der Lausitzer Braunkohle und die Umsetzung der Energiewende aussprachen. "Wir wollen ein Zeichen setzen", sagte Schulz-Höpfner der RUNDSCHAU.

Auf Vorschlag von Senftleben wählten 83,3 Prozent der Delegierten den Potsdamer Wirtschaftspolitiker Steeven Bretz zum Generalsekretär. Er soll nach den Worten des Parteivorsitzenden stärker das Regierungslager angreifen - und wählte schon in seiner Parteitagsrede einen alten Spruch der Kommunisten aus der Zeit der Weimarer Republik: "Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!" rief er den Delegierten zu.

Schließlich wählten die Delegierten insgesamt vier stellvertretende Landesvorsitzende: Der Prignitzer CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann, die Spreewälder Bundestagsabgeordnete Jana Schimke, die in Falkensee um das Amt der Bürgermeisterin kandidierende Landtagsabgeordnete Barbara Richstein und die Fürstenwalder Kommunalpolitikerin Karin Lehmann ergänzen künftig das Führungsteam um Senftleben und Bretz.

Das Regierungslager nutzte den Parteitag der CDU für bitteren Spott. "Der Nächste, bitte!" hatte SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz ihre Pressemitteilung zur Wahl Senftlebens über schrieben.