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NSU-Prozess: Verfassungsschutz in Brandenburg wusste von Rohrbombe

Beate Zschäpe neben Anwältin Anja Sturm.
Beate Zschäpe neben Anwältin Anja Sturm. FOTO: dpa
München. Der Brandenburger Verfassungsschutz besaß Informationen darüber, dass ein Neonazi "Rohrbomben testet und zur Explosion bringen wollte". Das sagte der V-Mann-Führer des geheimen Informanten "Piatto" am Donnerstag als Zeuge im Münchner NSU-Prozess. dpa/uf

Die Information habe er von "Piatto" erhalten. Dieser hatte auch berichtet, dass die Anführer der sächsischen "Blood & Honour"-Gruppierung in Chemnitz planten, das untergetauchte Trio des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) mit Geld und Waffen auszustatten.

Ob es einen Zusammenhang zwischen der Rohrbombe und dem NSU-Trio gebe oder ob neben der Chemnitzer Gruppe weitere Neonazis versuchten, Waffen für die drei zu organisieren, wisse er nicht, sagte der Zeuge. Ebenso wenig habe er erfahren, welche Behörden in die von "Piatto" gelieferten Informationen eingeweiht wurden. Nebenklage-Anwalt Thomas Bliwier bezweifelte die Aussage des V-Mann-Führers und äußerte die Vermutung, er sage nicht die Wahrheit.

Mehrere Nebenkläger verlangten am Donnerstag weitere Aufklärung über Geldspenden, die die im Untergrund lebenden mutmaßlichen NSU-Terroristen im Jahr 2002 an zahlreiche Empfänger verschickt haben sollen. In einem von der Rechtsanwältin Antonia von der Behrens verlesenen Schriftsatz fordern sie das Oberlandesgericht auf, zwei bereits seit Prozessbeginn vorgesehene Zeugen nunmehr auch zu laden. Einer der beiden hatte das in einer Polizeivernehmung eingeräumt und ausgesagt, einen Umschlag mit dem Brief und einem 500-Euro-Schein erhalten zu haben. Der andere bestritt, von dem NSU-Brief zu wissen. In einer von ihm herausgegebenen Szene-Zeitschrift war allerdings ein Dank "an den NSU" abgedruckt.

Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, unternahm gestern erneut einen Vorstoß, um sich von einem ihrer drei ursprünglichen Pflichtverteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm zu trennen.

In Briefen an das Gericht beantragte sie, die Bestellung von Rechtsanwältin Sturm zurückzunehmen und stattdessen ihren Vertrauensanwalt Hermann Borchert zu verpflichten. Sie begründet ihren neuerlichen Vorstoß damit, dass Rechtsanwältin Sturm seit mehreren Wochen erkrankt sein soll. Vertreten wird sie meist von dem Münchner Anwalt Andreas Lickleder, der als Revisionsspezialist gilt.