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Auf Erklärungssuche
NSU-Ausschuss: Wie die SPD den „Bums“ erklärt. . .

Potsdam. V-Mann Piatto war äußerst reich an Quellen. Von Benjamin Lassiwe

(iwe) Brandenburgs SPD hat im Untersuchungsausschuss zum NSU-Terror des Brandenburger Landtags am Donnerstag eine überraschende neue Theorie vorgelegt: Die vom Thüringer Neonazi an den Brandenburger V-Mann Piatto alias Carsten Sz. gesandte SMS, „Was ist mit dem Bums?“, die allgemein als Forderung nach Waffen für den NSU interpretiert wird, soll in Wirklichkeit gar nichts mit Waffenhandel zu tun gehabt haben.

Wie die Landtagsabgeordnete Inka Gossmann-Reetz (SPD) im Ausschuss ausführte, habe ein Blick in die Telefonüberwachung von damals ergeben, dass sich alle SMS von Werner an Carsten Sz. um dessen CD-Handel drehten.

In der damaligen Zeit habe es eine linke Skinheadband namens „Bums“ gegeben. Deswegen glaube sie, dass sich auch diese SMS, die bislang als ein dem Brandenburger Verfassungsschutz vorliegender Hinweis auf die Taten des NSU galt, in Wirklichkeit auf CDs bezog.

Der ehemalige stellvertretende Leiter des Brandenburger Verfassungsschutzes, Jörg Milbradt, reagierte indes skeptisch auf die Theorie der Abgeordneten. „Die nächstliegende Interpretation ist die, dass es sich um Waffengeschäfte handeln könnte – und die wird ja auch davon gestützt, dass Schipanski selbst mitgeteilt hat, dass Werner Waffen für das Trio sucht“, sagte Milbradt im Ausschuss.

„Die Frage ,Was ist mit dem Bums’ ist nur so zu deuten: Kannst Du Waffen beschaffen?“ Allerdings sei „Sicherheit nie zu gewinnen, nur unterschiedliche Grade an Plausibilität.“

Auf eine Frage der Grünen-Abgeordneten Ursula Nonnemacher bestätigte Milbradt zudem, dass Sz. ab dem Jahr 2000 in Königs Wusterhausen ein Ladengeschäft zum Vertrieb seiner CDs betrieben hatte. Dies diente der „Legendierung“ von Carsten Sz., der bundesweit als herausragende Quelle galt.

„Er hatte ein überaus breites und mit anderen Quellen nicht vergleichbares Spektrum von Zugängen“, sagte Milbradt. So habe Sz. auch Berichte zu CD-Plänen und der Tourneeplanung der später als „kriminelle Vereinigung“ eingestuften Skinheadband Landser geliefert. Die Kontakte ins rechte Millieu hatte „Piatto“ dabei stets selbst.

„Die einzige Steuerung, die der Verfassungsschutz vorgenommen hatte, war der Eintritt in die NPD“, sagt Jörg Milbradt.