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| 13:46 Uhr

In der Lausitz droht hohe Altersarmut
Die Lausitz vor der Rentenfalle

Sich stützen können im Alter – auch auf die gesetzliche Rente. Darauf ist der Großteil der Rentner angewiesen. Die Gewerkschaft NGG fordert eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Andernfalls drohe Tausenden Altersarmut, auch wenn sie ein Leben lang gearbeitet haben.
Sich stützen können im Alter – auch auf die gesetzliche Rente. Darauf ist der Großteil der Rentner angewiesen. Die Gewerkschaft NGG fordert eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Andernfalls drohe Tausenden Altersarmut, auch wenn sie ein Leben lang gearbeitet haben. FOTO: NGG-Region Berlin-Brandenburg
Cottbus. Studie: Wegen einer großen Anzahl an Minijobs droht jedem Dritten die Altersarmut. Von Sybille von Danckelman

Wer ein Leben lang gearbeitet hat, soll von seiner Rente leben können. Das klingt für viele Menschen schon jetzt wie Hohn. Und in der Lausitz wird Altersarmut ein größeres Problem als bisher angenommen. Davon geht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Berlin-Brandenburg aus. Sie beruft sich bei ihrer Prognose auf eine Renten-Analyse des Pestel-Instituts und spricht von „alarmierenden Zahlen“. Spitzenreiter in der Region wäre die Stadt Cottbus.

FOTO: LR / Katrin Janetzko

Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liegt in Cottbus bei aktuell 741 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet. Demnach würden 32 Prozent aller Beschäftigten in der Stadt Cottbus, also 17 000 Arbeitnehmer, nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Und das nach 45 Berufsjahren.

In Spree-Neiße und dem Landkreis Dahme-Spreewald wären 27 Prozent, in Görlitz beispielsweise 30 Prozent der Beschäftigten von Altersarmut betroffen. Warum die Stadt Cottbus deutlich darüber liegt, ist der größeren Anzahl Minijobber geschuldet.11,8 Prozent aller Beschäftigten sind das in Cottbus, während andere Lausitzer Kreise nur eine einstellige Prozentzahl an Minijobbern haben. Minijobber würden automatisch in die Altersarmut rutschen, heißt es.

NGG-Geschäftsführer Berlin-
Brandenburg
Sebastian
Riesner. 
Foto: NGG Berlin
Brandenburg
NGG-Geschäftsführer Berlin- Brandenburg Sebastian Riesner. Foto: NGG Berlin Brandenburg FOTO: NGG Berlin Brandenburg

Und die Gewerkschafter haben die Zahlen weiter zugespitzt: Wenn – wie bisher von der Bundesregierung geplant – die Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens sinkt, dann gäbe es in der Stadt Cottbus sogar 19 000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren unterhalb der Grundsicherung landen. In Dahme-Spreewald wären es mehr als 21 000 Menschen, im Kreis Görlitz mehr als 33 000 Menschen.

Deshalb sieht Sebastian Riesner, der Geschäftsführer der NGG-Region Berlin-Brandenburg, Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Riesner. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten in Cottbus viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“, fordert der Gewerkschafter. Aktuell sei jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte bundesweit Geringverdiener. Besonders alarmierend sei dieser Trend im Gastgewerbe.

Bundesweit droht jedem dritten Beschäftigten eine Mini-Rente. 12,8 Millionen Menschen würden weniger als Grundsicherung bekommen.