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| 11:30 Uhr

Mönche gründen Priorat
Neuzelle hat wieder ein Zisterzienserkloster

In einer feierlichen Zeremonie wurde in Neuzelle die Klostergründung vollzogen.
In einer feierlichen Zeremonie wurde in Neuzelle die Klostergründung vollzogen. FOTO: Benjamin Lassiwe
Neuzelle. Zisterzienser-Mönche bauen in der Region wieder klösterliches Leben auf. Heute Morgen ist auf der ehemaligen Klosteranlage Neuzelle ein Priorat gegründet worden.

Nun gibt es wieder ein „Kloster Neuzelle“: In einer feierlichen Messe in der Wallfahrtskirche Neuzelle (Oder-Spree) ist am Sonntag das seit mehreren Jahren geplante Priorat der Zisterzienser gegründet worden.

Vor dem Altar der barocken Klosterkirche bat der Abt des österreichischen Zisterzienserklosters Heiligenkreuz, Maximilian Heim, den Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt offiziell um die kirchenrechtlich erforderliche Zustimmung zur Gründung eines Tochterklosters im Lausitzbistum. „Ich stimme zu und erlaube, dass in meinem Bistum Görlitz ein von der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz in Österreich abhängiges Priorat kanonisch errichtet wird“, sagte Ipolt, der die Mönche vor zwei Jahren nach Neuzelle eingeladen hatte. Auch der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, begrüßte die Neugründung.

Eine Klostergründung  hat Seltenheitswert, besonders für den Osten Deutschland, wo es weniger Katholiken als in anderen Regionen gibt.
Eine Klostergründung hat Seltenheitswert, besonders für den Osten Deutschland, wo es weniger Katholiken als in anderen Regionen gibt. FOTO: Benjamin Lassiwe

Ein Jahr lang hatten daraufhin zunächst vier, dann drei Mönche getestet, ob sich Neuzelle für die Gründung eines Klosters eigne. Nun sind drei weitere Mönche aus Heiligenkreuz nach Brandenburg gezogen. Sie alle wurden am Sonntag von Abt Maximilian Heim befragt, ob sie bereit seien, das Klosterleben in Neuzelle wieder aufzunehmen. Und jeder der Mönche antwortete: „Ich bin bereit“.

Damit gibt es nach einer 200-jährigen Unterbrechung wieder ein Zisterzienserkloster am Zusammenfluss von Oder und Neiße. Allerdings werden die sechs Gründermönche nicht – wie lange geplant – in das alte Kanzleigebäude der barocken Anlage ziehen: Am vergangenen Montag wurde bekannt, dass stattdessen ein Neubau in der unmittelbaren Umgebung Neuzelles geplant sei. Denn der stete Touristenstrom auf dem alten Klostergelände verträgt sich nicht mit dem Leben der Mönche im stillen Gebet.

Auch am Sonntag waren mehrere Tausend Besucher auf dem Gelände unterwegs. Denn parallel zur Klostergründung fand dort die Bistumswallfahrt des 29 000 Gemeindeglieder zählenden Lausitzbistums Görlitz statt. In seiner Predigt sagte der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt, er habe den Eindruck, dass „es sich der normale Bürger in Sachsen und Brandenburg abgewöhnt hat“, nach Gott zu fragen. Wer aber Gott suchen wolle, brauche Zeit und Stille. „Die Mönche, die sich jetzt hier wieder ansiedeln, machen uns das vor“, sagte Ipolt. „Sie haben Zeit für Gott – sie loben ihn mit ihrem Gesang im Stundengebet, sie hören auf sein Wort in der Stille und lassen sich von ihm formen.“

Die sechs nun in Neuzelle lebenden Mönche aus Heiligenkreuz forderte Ipolt auf, mit ihrem klösterlichen Leben beispielhaft zu zeigen, „dass sich die Suche nach Gott lohnt, dass sie einen Menschen glücklich machen und erfüllen kann.“ Sie sollten „frohe Gefährten für die Menschen, die hierher nach Neuzelle kommen und nach Antworten für ihr Leben suchen“ sein.