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| 19:36 Uhr

Zisterzienser-Mönche kehren zurück
Neuzelle bekommt ein neues Kloster

Blick auf die prächtige  barocke Klosteranlage in Neuzelle (Oder-Spree). Wo das neue Kloster stehen wird, ist noch nicht raus.
Blick auf die prächtige barocke Klosteranlage in Neuzelle (Oder-Spree). Wo das neue Kloster stehen wird, ist noch nicht raus. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Neuzelle. Zisterzienser-Mönche kehren nach 200 Jahren zurück nach  Neuzelle  und planen zugleich den Neubau eines Klosters. Denn sie wollen in der Gemeinde künftig spirituelle Arbeit und Seelsorge unter einen Hut bringen.  Von Benjamin Lassiwe

Die Gemeinde Neuzelle erhält ein nagelneues Kloster. Statt in das alte Kanzleigebäude des barocken Klosterstifts zu ziehen, können sich die Zisterziensermönche aus dem österreichischen Heiligenkreuz, die am Sonntag bei der Görlitzer Bistumswallfahrt ihr Kloster offiziell gründen wollen, auf einen modernen Neubau freuen.

In der Umgebung der barocken Stiftsanlage soll in den nächsten Jahren ein zeitgemäßes, im Eigentum der Mönche befindliches Gebäude errichtet werden, das auch Möglichkeiten zur Unterbringung von Gästen und eine eigene Klosterkirche enthalten soll. Das gaben der Heiligenkreuzer Abt Maximilian, der Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt und Brandenburgs Kultusministerin Martina Münch (SPD) am Montag gemeinsam in Potsdam bekannt. Bis zum Bau des neuen Klosters werden die sechs Gründermönche um Prior Simeon Wester im katholischen Pfarrhaus von Neuzelle wohnen bleiben.

„Wir sind Mönche des 21. Jahrhunderts“, sagte Abt Maximilian. „Wir wollen nicht irgendwie an eine barocke Tradition anknüpfen, nicht wie die Großgrundbesitzer in barocke Anlagen einziehen.“ Man wolle keine „Wehrburg“ bauen, sondern eine „Oase schaffen, wo Menschen Kraft schöpfen können und wo Fremde wie Christus aufgenommen werden können.“ Er glaube, dass ein Zentrum der Begegnung mit Gott die ganze Region beleben werde.

In den vergangenen Monaten habe man gemerkt, dass das Fundr­aising für die geplante Klostergründung deutlich einfacher sei, wenn man für ein Gebäude sammele, das auch im Eigentum der Mönche und nicht im Eigentum einer staatlichen Stiftung stehe, sagte der Ökonom der Neuzeller Klostergemeinschaft, Pater Kilian. Auch sei es schwer, Klostergelübde auf einen Ort abzulegen, an dem man kein Eigentum hat. Und ein Neubau sei auch frei von Denkmal- und Ensembleschutz. „Mönche sind ja keine Nostalgiker, die Mittelalter spielen“, sagte Kilian.

Für Brandenburgs Kultusministerin Martina Münch (SPD) lösen sich durch die Entscheidung der Mönche für einen Neubau jede Menge Probleme. Denn die Gebäude auf dem Klostergelände sind heute an andere Nutzer vermietet, das Kanzleigebäude selbst ist in Teilen baupolizeilich gesperrt.

Zwar hatte es die Absprache gegeben, dass das Land die äußere Hülle des Gebäudes saniert und die Kirche für den Innenraum aufkommt – aber dem Vernehmen nach waren die Mieter auf dem Gelände nicht sonderlich von der Idee begeistert. Am Montag jedenfalls kündigte die Ministerin die Unterstützung des Landes bei der Suche nach einem Grundstück für den Neubau an – schließlich verfügt die Staatliche Stiftung Stift Neuzelle in der Umgebung des Ortes über jede Menge Land. „Ein Neubau gibt den Mönchen die Möglichkeit für ein erheblich weiterreichendes Engagement“, sagte Münch. „Dadurch lassen sich zum Beispiel größere Jugendbegegnungen durchführen.“

Der Bischof des katholischen Bistums Görlitz, Wolfgang Ipolt, kündigte an, sein Bistum wolle den Neubau mit einer Million Euro unterstützen. Auch das katholische „Bonifatiuswerk“, das sich schwerpunktmäßig um Katholiken in der Diaspora kümmere, wolle den Neubau unterstützen. Im mit 29 000 Gläubigen zahlenmäßig kleinsten katholischen Bistum Deutschlands solle so ein „Ort des Gebets entstehen, an dem Menschen erstmalig oder wieder neu zu Gott finden können.“

„Ich habe die Hoffnung, dass auch die vielen Menschen im Osten, die nicht oder nicht mehr an Gott glauben, sich öffnen können für die Begegnung mit ihm“, sagte Ipolt. „Das ist nicht leicht, aber möglich, davon bin ich überzeugt.“

Im neuen Kloster sollten Menschen für ein paar Tage Stille und Wege zu Gott finden können. Vorläufig werden sie sich in der katholischen Seelsorge und im Religionsunterricht in Neuzelle engagieren. Und auch nach dem Bau des neuen Klosters sollen die Stundengebete der Mönche und die Betreuung von Wallfahrern teilweise in der barocken Stiftskirche stattfinden.