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| 16:30 Uhr

Potsdam
Neuer Chef für Preußenschlösser

Der Neue: Christoph Martin Vogtherr wird Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.
Der Neue: Christoph Martin Vogtherr wird Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. FOTO: dpa / Christian Charisius
Potsdam. Stiftungsrat ernennt Kunsthistoriker Christoph Martin Vogtherr zum Generaldirektor. Von Ulrich Thiessen

Eine der größten Kultureinrichtungen der Region hat einen neuen Chef: Christoph Martin Vogtherr, bislang Direktor der Hamburger Kunsthalle, tritt die Nachfolge von Hartmut Dorgerloh an, der seit dem Frühsommer für die Bespielung des Berliner Stadtschlosses zuständig ist. Für Christoph Martin Vogtherr ist es eine Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte. Der künftige Generaldirektor der Schlösserstiftung war von 1998 bis 2007 in Potsdam für die französischen und italienischen Gemälde der ehemaligen königlichen Sammlung zuständig. Künftig wird er Chef von rund 550 Mitarbeitern und ist zuständig für 30 Museumsschlösser von Rheinsberg über Potsdam bis nach Königs Wusterhausen.

Der Stiftungsrat mit Vertretern Brandenburgs, Berlins und des Bundes hat sich am Donnerstag für den 53-jährigen Kunsthistoriker entschieden. 27 internationale Bewerber hatten sich auf die Ausschreibung hin beworben. Letztlich fiel die Entscheidung zwischen dem gebürtigen Niedersachsen und dem Berliner Landesarchäologen Matthias Wemhoff.

Der neue Generaldirektor findet eine Stiftung vor, die in den nächsten Jahren mehr Geld für Sanierungen ausgeben kann als die meisten vergleichbaren Kultureinrichtungen. Seit 2008 standen in einem Sonderinvestitionsprogramm 155 Millionen Euro bereit, bis 2030 sollen noch einmal 400 Millionen Euro ins königlich-preußische Erbe fließen.

Ganz sorgenfrei ist die finanzielle Situation trotzdem nicht. Seit Jahren fehlt das Geld allein für Dutzende Gärtner. Mit jedem sanierten Park, wie dem von Schloss Babelsberg, wird der Pflegebedarf dringlicher. Das größte „Blumenarrangement“, die hängenden Gärten des Orangerieschlosses im Park Sanssouci, ist noch gar nicht in Angriff genommen worden. Der frühere Generaldirektor Hartmut Dorgerloh hatte versucht, die Personallücke durch zusätzliche Einnahmen mittels eines Parkeintritts zu schließen. Allerdings war er damit am politischen Gegenwind gescheitert. Es gelang lediglich, die Stadt Potsdam unter Druck zu setzen, damit sie eine Million Euro jährlich für die Gartenpflege zuschießt.

Eine Baustelle für den Neuen dürften auch die rückläufigen Besucherzahlen sein. Die Konkurrenz um die Touristen, beispielsweise in Potsdam durch das Palais Barberini, ist größer geworden. Große Ausstellungen, die über die Region hinaus Besucher anlocken könnten, sind in den letzten Jahren ausgeblieben. Hier erhoffen sich die Stifter neue Impulse; schließlich war Vogtherr vor seiner Amtszeit in Hamburg Chef der renommierten Londoner Wallace Collection und bringt internationale Erfahrungen mit.

An Kritik war zudem immer wieder zu hören, dass die wissenschaftlichen Publikationen der Schlösserstiftung trotz Kooperation mit der Potsdamer Universität hinter denen vergleichbarer Einrichtungen, etwa der Bayerischen Schlösserverwaltung, zurückblieben. Auch hier werden Akzente für eine größere Strahlkraft erwartet.