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| 01:03 Uhr

Neue Zivilstreifen und Blitzer gegen Raser und Drängler

Die Polizei will die Kontrollen auf märkischen Straßen weiter verschärfen, obwohl der Überwachungsdruck im Vergleich zu anderen Bundesländern bereits hoch ist und die Unfallzahlen sinken. Am Konzept der „flächendeckenden Überwachung“ würden keine Abstriche gemacht, sagte Innenstaatssekretär Eike Lancelle (CDU) gestern in Potsdam. Von THORSTEN METZNER

Er kündigte den verstärkten Einsatz von Zivilstreifen – unter anderem gegen Handy-Sünder und Gurt-Muffel – und von neuer Technik an: So würden auf Brandenburger Autobahnen in Kürze elektronische Abstandsmesser eingeführt, um „Dränglern“ habhaft zu werden. Auch der Betrieb von stationären „Blitzern“ werde jetzt auf märkischen Autobahnen getestet. Ziel sei dabei nicht, die angespannte Staatskasse aufzufüllen, betonte Lancelle. Man rechne 2004 wieder mit rund 30 Millionen Euro Bußgeldern – das sei der gleiche Ansatz wie auch in den Jahren 2002 und 2003.
Nach Horrormeldungen aus den Vorjahren setzt sich in der jüngsten Unfallbilanz für das erste Halbjahr 2003 der Trend einer leichten Entspannung auf Brandenburgs Straßen fort: So waren im ersten Halbjahr sowohl die Unfälle (41 915 / minus 4,2 Prozent), als auch die Zahlen der Toten (161 / minus zwölf Prozent) und der Verletzten (6725 / minus 5,9 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr durchweg rückläufig. Allerdings habe sich das von Aggressivität und Rücksichtslosigkeit geprägte Klima auf den Straßen nicht spürbar verändert, betonte Lancelle. „Rasen und Drängeln gehören leider weiter zum Alltag.“ So belege Brandenburg in der bundesweiten Unfallstatistik wieder den traurigen vorletzten Platz vor Mecklenburg-Vorpommern. Hauptunfallursache bleibt Rasen, Tendenz steigend, während die Zahl der Alkoholunfälle gesunken ist. Rückläufig sind auch „Baumunfälle“ , „Wildunfälle“ , aber auch Unfälle, in die Kinder verwickelt sind. Hingegen äußerte sich Lancelle beunruhigt, dass die Zahl von Unfällen mit Senioren zunehme.
Sorgen bereiten der Polizei auch Verkehrssünder am Steuer von „Brummis“ , die ebenfalls verstärkt kontrolliert werden sollen: Jeder dritte Unfall auf Brandenburger Autobahnen – es sind rund tausend – wird nach Polizeiangaben bereits durch Lkw verursacht. Hauptunfallursache: „Brummis“ fahren zu schnell, oder zu dicht auf. Auch technische Mängel seien „erschreckend“ , betonte Lancelle. So sind im ersten Halbjahr 23 000 Lkw kontrolliert worden – bei jedem zweiten wurden Mängel festgestellt. In 6000 Fällen seien Lenk- und Ruhezeiten nicht eingehalten worden, rund 2500 Fahrzeuge seien technisch nicht in einwandfreiem Zustand gewesen. Etwa 2400 Lkw seien zu schnell gefahren. Die Polizei setzt aber auch hier neben verstärkter Kontrolle auf Prävention: Lancelle kündigte an, dass die Autobahnpolizei im September auf den Raststätten Michendorf und Berstetal die ersten „Fernfahrerstammtische“ einrichten wird.

Zahlen & Fakten Weniger Unfälle
Unfälle von jungen Fahrern , bislang eine Hauptrisikogruppe, gehen zurück. Sie waren in 7233 Unfälle verwickelt, im Jahr zuvor waren es noch 8512. In dieser Altersgruppe gab es 41 Verkehrstote, 26 weniger als im Vorjahr.
Kinder werden seltener Opfer im Straßenverkehr: Im ersten Halbjahr gab es 360 verunglückte Kinder – im Vorjahr waren es noch 434. Auf dem Weg zu Schule passierte es 87-mal, im Vorjahr 96-mal. Die meisten Kinder-Unfälle passieren in der Freizeit.
Baumunfälle , im Land der Alleen ein besonders Risiko, nehmen ab: 1743 waren es im ersten Halbjahr, im Vorjahr waren es 145 mehr.
Auf den Autobahnen krachte es 3300-mal – 400-mal weniger als im Vorjahr. Es gab 31 Tote, neun weniger als 2002. Die Zahl der Verletzten sank im ersten Halbjahr auf 656 (744 im Vorjahreszeitraum).