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Ministerin bei der RUNDSCHAU
„Das Smartphone gehört ins Klassenzimmer“

Auf der Fahrt aus Potsdam hat sich Britta Ernst  auf eine Zeitungskritik der aktuellen RUNDSCHAU-Ausgabe vorbereitet.
Auf der Fahrt aus Potsdam hat sich Britta Ernst  auf eine Zeitungskritik der aktuellen RUNDSCHAU-Ausgabe vorbereitet. FOTO: Angelika Brinkop / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus. Brandenburgs neue Bildungsministerin Britta Ernst zu dualer Ausbildung, Schulsystemen und neuen Medien.

Sie ist gerade mal einen Monat Bildungsministerin in Brandenburg und schon in  Cottbus. Britta Ernst will sich über die Schullandschaft vor Ort ein Bild machen, mit vielen Pädagogen sprechen. In Potsdam habe sie „ein gut aufgeräumtes Ressort“ von Günter Baaske (SPD) übernommen. Doch wie es mit Lehrerversorgung, Kita-Betreuung oder Sportförderung aussieht – das will die SPD-Politikerin in der Lausitz selbst erfahren.

 Auf der Fahrt aus Potsdam hat sie sich auf eine Zeitungskritik der aktuellen RUNDSCHAU-Ausgabe vorbereitet. Dabei findet sie gleich mehrere Artikel zur dualen Ausbildung. „Das ist gut und wichtig“, sagt Britta Ernst, die der Bitte von Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer zu dieser Zeitungseinschätzung gern nachgekommen sei. Später macht sie deutlich, dass sie dieses System der Ausbildung in Betrieb und Berufsschule auch für Flüchtlinge als wichtigen Schritt zu einem Job und zur Integration ansehe. Auch für einen  30-jährigen Flüchtling sei das nicht unzumutbar. „Wir haben in Deutschland keinen Arbeitsmarkt für ungelernte Arbeitskräfte“, bezieht die 56-Jährige eine klare Position.

Die Zeitungskritik, die zum täglichen Ritual in der Redaktion gehört, wird ihrem Namen aber auch bei diesem Thema gerecht. Denn einen Hinweis auf das deutschlandweit einmalige Angebot von Oberstufenzentrum und Handwerkskammer Cottbus – wo mit dem Abitur in 13 Jahren zugleich etwa die Hälfte der theoretischen Meisterprüfung im Handwerk absolviert wird – hätte sie sich schon gewünscht. Auch sei ihr die Konstituierung des Bundestages zu weit hinten in der Zeitung platziert gewesen. Und: „Was haben Frisur und Kleidung der Bundeskanzlerin an diesem Tag in der Berichterstattung verloren?“ Das werde immer wieder nur bei Frauen gemacht.

Dass Britta Ernst als pragmatisch und unaufgeregt eingeschätzt wird – das macht die Hamburgerin auch im weiteren Gespräch deutlich. Wie in Deutschland nach dem Pisa-Schock vor gut einem Jahrzehnt an Stellschrauben gedreht wurde, finde sie richtig. Auch in Brandenburg sei dies behutsam angepackt worden und gelungen. „Ich will als Ministerin nicht in erster Linie über Strukturfragen reden, sondern über Inhalte“, betont die Neue im Bildungsressort. Aus Schleswig-Holstein, wo sie bis zum Mai knapp drei Jahre Schulministerin war, eilt ihr zudem der Ruf voraus, rigoros gegen den Unterrichtsausfall gekämpft zu haben.

Die sechsjährige Grundschule in Brandenburg, die akzeptiert sei, werde sie ebenso nicht in Frage stellen, wie die unterschiedlichen Wege zum Abitur. Dass Eltern sich noch immer Sorgen machen, dass ihre Kinder beim Umzug in ein anderes Bundesland auch in ein anderes Bildungssystem kommen und womöglich Klassen wiederholen müssen, kann Britta Ernst nachvollziehen. Deshalb müsse weiter an der bundesweiten Vergleichbarkeit und gegenseitigen Akzeptanz der Schulabschlüsse über die Kultusminister-Konferenz der Länder gearbeitet  werden. Dann sei auch die Vermittlung der entsprechenden Unterrichtsinhalte zwingend, erklärt sie.

„Die allgemeine Hochschulreife muss noch vergleichbarer werden“, betont Ernst, verweist aber auch auf große Fortschritte. Was vor 20 Jahren nicht denkbar gewesen sei, habe sich über das Sechs-Länder-Abitur mit identischen Aufgaben bis zum heutigen zentralen Aufgaben-Pool entwickelt. „Jetzt müssen wir ran an die einheitlichen Bewertungsmaßstäbe“, erklärt die Ministerin.

Wie weit Brandenburgs Schulen im Unterricht mit der digitalen Welt verbunden sind, kann Britta Ernst erst nach Abschluss ihrer Kennenlerngespräche im Land einschätzen. Für sie sei es unerlässlich, dass die neuen Medien aktiv genutzt und pädagogisch gut in den Unterricht eingebunden werden müssen. „Sie gehören ins Klassenzimmer – auch das  Smartphone“, ist die neue Bildungsministerin sicher. Beim  nächsten Redaktionsgespräch bei der RUNDSCHAU könne sie dazu sicher mehr sagen. Vielleicht nimmt sie dann den LR-Online-Auftritt unter die Lupe.

(Von Christian Taubert)