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| 02:44 Uhr

Neue Loveparade reißt alte Wunden auf

Tausende Raver drängen sich am Samstag (24.07.2010) in und vor dem Tunnel in Duisburg, in dem sich später eine Massenpanik ereignet hat. Bei der Loveparade in Duisburg sind nach Angaben der Polizei mindestens fünfzehn Menschen ums Leben gekommen. Vor dem Loveparade-Gelände am ehemaligen Güterbahnhof ist es in einem Tunnel zu einer Massenpanik unter den Besuchern gekommen. Foto: Peter Malzbender/WAZ Fotopool (Achtung Redaktionen: Nur zur redaktionellen Verwendung bei Nennung der Quelle "WAZ FOTOPOOL" - keine Archivierung - gesperrt für Magazine) - EDITORIAL USE ONLY - NO MAGAZIN USE - NO ARCHIVE - MANDATORY CREDIT: WAZ FOTOTPOOL +++(c) dpa - Bildfunk+++
Tausende Raver drängen sich am Samstag (24.07.2010) in und vor dem Tunnel in Duisburg, in dem sich später eine Massenpanik ereignet hat. Bei der Loveparade in Duisburg sind nach Angaben der Polizei mindestens fünfzehn Menschen ums Leben gekommen. Vor dem Loveparade-Gelände am ehemaligen Güterbahnhof ist es in einem Tunnel zu einer Massenpanik unter den Besuchern gekommen. Foto: Peter Malzbender/WAZ Fotopool (Achtung Redaktionen: Nur zur redaktionellen Verwendung bei Nennung der Quelle "WAZ FOTOPOOL" - keine Archivierung - gesperrt für Magazine) - EDITORIAL USE ONLY - NO MAGAZIN USE - NO ARCHIVE - MANDATORY CREDIT: WAZ FOTOTPOOL +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Peter Malzbender (WNM)
Berlin/Cottbus. Die Pläne, auf dem Lausitzring eine Techno-Parade hochzuziehen, sind erst wenige Tage alt. Schon jetzt hagelt es Kritik. Der Vater der Loveparade, Dr. Motte, beklagt, dass man die Opfer der Massenpanik von Duisburg nicht vergessen sollte. Der Sprecher der Betroffenen-Initiative Lopa 2010 wirft dem Projekt in der Lausitz Profitgier vor. Alexander Dinger

Noch fehlt dem Berliner Party-Veranstalter Christian Gernemann eine Million Euro. Wenn er die zusammen hat, plant er auf dem Lausitzring (Oberspreewald-Lausitz) eine Wiederbelebung des größten Musik-Festivals der Welt: der Loveparade. 100 000 Menschen sollen dann im kommenden Jahr zu wummernden Techno-Bässen von Trucks und Bühnen tanzen. Finanziert werden soll das Projekt über Crowdfunding, also das Sammeln von Tausenden Kleinstbeträgen.

Auch Jörn Teich aus Sprockhövel in Nordrhein-Westfalen ist gerade auf der Suche nach Geld. Er ist Mitgründer des Selbsthilfevereins Lopa 2010. Teich war selbst bei der Loveparade 2010 in Duisburg dabei, stand auf der Rampe, die vielen Besuchern zum Verhängnis wurde. Auch er erlitt Verletzungen, leidet noch heute an Rückenschmerzen. Seit die Seelsorge sich vor mehr als einem halben Jahr aus der Betreuung der von der Katastrophe Traumatisierten zurückgezogen hat, sind faktisch keine Mittel mehr vorhanden. "Wir brauchen dringend Geld", sagte Teich der RUNDSCHAU. Er gehe davon aus, dass es neben den 19 Toten und 500 Verletzten auch 10 000 traumatisierte Menschen der Massenpanik gibt. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen dauern noch immer an.

"Ich finde es nicht gut, wenn Veranstalter mit der Loveparade Geld verdienen wollen", sagte er. "Das tut den Betroffenen weh", so Teich weiter. Auch der Vater der Loveparade, Dr. Motte alias Matthias Roeingh, erteilte dem Projekt bereits eine Abfuhr. Er habe keine Lust, über irgendeine vielleicht stattfindende Veranstaltung nachzudenken. "Ich habe quasi eine Standleitung zur Betroffenen-Initiative Lopa 2010", so Motte weiter. Zugleich verwies der Musiker darauf, dass solche Großveranstaltungen längst nichts Besonderes mehr seien. "Aber die Sicherheit muss an erster Stelle stehen", forderte er.

Und daran hat Lopa-Gründer Teich seine Zweifel. Viele Organisatoren unterschätzten es, was es bedeutet, wenn Zehntausende Menschen in einem eingezäunten Bereich eine Eigendynamik entwickelten. "Auch der Lausitzring wäre mit mehr als 100 000 Mann an der Grenze", so Teich zur RUNDSCHAU. In Duisburg kamen 2010 knapp 300 000 Besucher.

Motte kündigte gegenüber der RUNDSCHAU an, dass er die Pläne des Vereins unterstütze, mittelfristig eine Stiftung zur Unterstützung der Loveparade-Traumatisierten zu gründen. Er selbst hatte mit seiner Lovestiftung ähnliche Pläne gehabt. "Leider hat das wenige interessiert", sagte er. Das Projekt liege brach. Die zentrale Frage bleibe, wie die Katastrophe 2010 überhaupt passieren konnte. "Und das ist immer noch nicht geklärt", so Motte.