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| 18:28 Uhr

Stiftung und EU setzen Millionen ein
Friedliche Nachbarschaft im Wolfsland Lausitz

Der Wolf ist in der Lausitz wieder heimisch geworden. Inzwischen wurde auch schon ein Luchs gesehen. Die Großkatzen wurden bislang aber vor allem im Harz und in Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Viele Wildtiere überwinden bei ihren Wanderungen aber große Distanzen und erschließen sich neue Lebensräume.
Der Wolf ist in der Lausitz wieder heimisch geworden. Inzwischen wurde auch schon ein Luchs gesehen. Die Großkatzen wurden bislang aber vor allem im Harz und in Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Viele Wildtiere überwinden bei ihren Wanderungen aber große Distanzen und erschließen sich neue Lebensräume. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Senftenberg. Großraubtiere wie Wölfe, Luchse und Bären kehren wieder in ihre alten Lebensräume in Europa zurück. Die WWF-Stiftung will eine grenzüberschreitende Plattform schaffen, auf der sich die Interessengruppen austauschen können. Die Lausitz soll dabei ein Vorreiter werden. Von Torsten Richter-Zippack

Die Naturschutzstiftung World Wide Fund For Nature (WWF) sucht europaweit Vorzeige-Regionen, die für ein konflikt­armes Zusammenleben zwischen Wolf, Bär, Luchs und dem Menschen stehen. Das Projekt mit dem Namen Euro Large Carnivores soll den nationalen und europäischen Austausch fördern. „Es geht darum, gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln“, erklärt Nina Gandl von WWF Deutschland. Darüber hinaus soll, so die WWF-Stiftung, der grenzüberschreitende Daten- und Erfahrungsaustausch mit Polen und Tschechien intensiviert werden. Das funktioniere derzeit noch nicht wirklich gut. So existiere in Polen ein anderes Wolfsbeobachtungssystem als in Deutschland.

Das Projekt vereint 16 Partner. Sechs Millionen Euro werden investiert. 3,6 Millionen Euro davon kommen aus europäischen Fördertöpfen.

Besondere Bedeutung der Lausitz

„Der Lausitz kommt dabei eine spezielle Rolle zu“, sagt WWF-Wildtierreferent Moritz Klose. Hier seien in Deutschland die meisten Wölfe beheimatet. Allein in der Niederlausitz und im Elbe-Elster-Land leben laut des Südbrandenburger Wolfsbetreuers Dr. Reinhard Möckel zwischen 100 und 120 der Raubtiere. In der sächsischen Oberlausitz gibt es nach Angaben des Kontaktbüros Wölfe 15 Rudel mit jeweils bis etwa acht Tieren.

Die Raubtiere richten in der dicht besiedelten Kulturlandschaft östlich und westlich der Neiße auch erhebliche Schäden an. Insbesondere durch Angriffe auf Nutztiere. „Wir sind derzeit in der Anfangsphase unseres Projektes. Zunächst sollen die Konflikte aufgelistet werden, ebenso, ob und welche Lösungen es bereits gibt“, sagt Moritz Klose. Dann werde versucht, die Kosten und den Nutzen der Wölfe in konkreten Zahlen abzubilden. Dazu sollen die Betroffenen an einen Tisch geholt werden. „Viele wissen gar nicht, wie Menschen in anderen Regionen Deutschlands und Europas mit den Problemen durch Großraubtiere umgehen. Unser Ansatz ist es, dass die Leute voneinander lernen und letztlich alle etwas davon haben“, bringt Moritz Klose das Hauptansinnen auf den Punkt. „Wir suchen Leuchttürme, also gute, vielversprechende Beispiele“, sagt Klose weiter.

Pyrenäenhunde gegen Wölfe

Wie das Projekt des Schäfers Sven Keller aus Sachsen-Anhalt. Vor anderthalb Jahren hatte der Landwirt im Nebenerwerb Wolfsrisse in seiner Herde zu beklagen. Intensiv befasste sich der Fachmann, der unweit von Aken an der Elbe lebt, mit Koppelzäunen und Hütehunden. „Ich trainiere meine Pyrenäenhunde auf absolute Zauntreue. Sie sollen Wölfe durch Bellen und Knurren vertreiben, dürfen dabei aber die Koppel nie verlassen“, erklärt Keller. Seitdem, so sagt Keller, der auch Vorsitzender der Interessengemeinschaft Herdenschutz und Hund in Sachsen-Anhalt ist, habe es keine Übergriffe mehr gegeben. „Ich denke, dass wäre auch für Lausitzer Nutztierhalter interessant.“ Im Übrigen spiele die Hunderasse beim Schutz vor dem Wolf nur eine untergeordnete Rolle. „Das Tier muss seine Arbeit ordentlich erledigen“, betont Sven Keller.

Das WWF-Projekt wird auch durch das Brandenburger Umweltministerium unterstützt. „Zwar nicht finanziell, aber mit unseren langjährigen Erfahrungen“, sagt Andreas Piela, Referatsleiter für Arten- und Biotopschutz. „Es ist gut, wenn wir über den Tellerrand hinausblicken“, lobt der Fachmann den europäischen Charakter des Vorhabens. So könnten die Einheimischen durchaus aus der Wolfsabwehr in Süd- und Südosteuropa lernen. Gleichzeitig bezeichnet Piela Brandenburg und speziell die Lausitz als Vorreiter im Einsatz von Herdenschutzhunden. Seit zwei Jahren gebe es dafür auch eine Landesförderung. Inzwischen habe sich das Land an der Anschaffung von rund zwei Dutzend Hunden beteiligt.

Indes verweisen die Protagonisten vom WWF bereits auf erste Erfolge. So sei bei einem Wiederansiedlungsprojekt des Luchses in Rheinland-Pfalz die Jägerschaft von Beginn an einbezogen worden. „Damit haben die Waidmänner ihr Ansehen in der Öffentlichkeit sehr verbessert“, sagt Moritz Klose. In anderen Regionen werde an einem speziellen Käse gearbeitet, der aus der Milch von Weidetieren gewonnen wird, die den praktischen Herdenschutz erfahren haben. „Das wäre auch eine super Sache für die Lausitz“, kommentiert Moritz Klose. „Vielleicht stoßen wir aber auch auf ganz andere spannende Vorhaben in der Region, die europaweit für Furore sorgen.“

Im Harz sind Luchse längst wieder heimisch. Zehn Jahre nach Beginn eines einzigartigen Wiederansiedlungsprogrammes haben die Raubkatzen das gesamte Mittelgebirge für sich erobert. Zehn Jahre nach Beginn des einzigartigen Wiederansiedlungsprogrammes mit 24 Tieren haben die Raubkatzen das gesamte Mittelgebirge für sich erobert. Rund 180 Jahre lang war der Luchs aus dem Harz verschwunden.
Im Harz sind Luchse längst wieder heimisch. Zehn Jahre nach Beginn eines einzigartigen Wiederansiedlungsprogrammes haben die Raubkatzen das gesamte Mittelgebirge für sich erobert. Zehn Jahre nach Beginn des einzigartigen Wiederansiedlungsprogrammes mit 24 Tieren haben die Raubkatzen das gesamte Mittelgebirge für sich erobert. Rund 180 Jahre lang war der Luchs aus dem Harz verschwunden. FOTO: dpa / Holger Hollemann