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Naturfrevel in Schutzgebieten

Gefährliche Straße: Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre auch in Brandenburg ein effektiver Krötenschutz undenkbar.
Gefährliche Straße: Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre auch in Brandenburg ein effektiver Krötenschutz undenkbar. FOTO: dpa
Potsdam. Ein Waldgebiet wurde illegal abgeholzt, in Aalreusen ertranken Fischotter und Jäger errichteten unerlaubte Wildfütterungen. Brandenburgs Naturwächter haben im Jahr 2014 insgesamt 1020 Verstöße gegen Naturschutzgesetze aufgedeckt, rund 150 mehr als im Jahr zuvor. Benjamin Lassiwe

So wurde im Naturpark Uckermärkische Seen ein Landwirt angezeigt, der ein Feuchtbiotop auf einer Grünlandfläche mit Bodenmaterial aufgefüllt und damit zerstört hatte. Und im Naturschutzgebiet "Verlorenwasserbach" im Naturpark Hoher Fläming wurde ein Waldstück einfach abgeholzt. "Nach der Anzeige hat die Untere Forstbehörde das Holz beschlagnahmt", sagte der Leiter der Naturwacht Brandenburg, Manfred Lütkepohl, am Montag in Potsdam. Träger der Naturwacht Brandenburg ist die Stiftung "Naturschutzfonds", die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) erinnerte daran, dass seit Beginn der Arbeit der Stiftung 650 Projekte mit einem Volumen von 74 Millionen Euro gefördert werden konnten. 22 Millionen Euro kamen davon aus Landesmitteln. Zusätzlich erhielt die Stiftung 34 Millionen Euro für Ausgleichsmaßnahmen, die im Zusammenhang mit dem Bau des Großflughafens BER in Schönefeld (Dahme-Spreeald) erforderlich wurden. Allerdings machten knapper werdende Haushaltsmittel eine Reduzierung der Zahl der einst 130 Ranger auf heute nur noch 95 erforderlich. "Weniger als 90 sollten es nicht werden", mahnte Bernhard Schmidt-Ruhe, der Geschäftsführer des Naturschutzfonds.

Um die in den nächsten Jahren aus Altersgründen ausscheidenden Naturwächter zu ersetzen, wurde an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde ein Studiengang "Schutzgebietsbetreuung" ins Leben gerufen, für den derzeit 15 Studierende eingeschrieben sind. Vieles in den Schutzgebieten läuft aber weiterhin nur mit ehrenamtlichen Engagement.

Gestern hoben Schmidt-Ruhe und Lütkepohl das Engagement einer Freiwilligen aus dem Naturpark "Hoher Fläming" hervor. Die engagierte Betreuerin eines Schutzzauns für Amphibien erhielt die Ehrenamtskarte des Landkreises Potsdam-Mittelmark - weil sie in den vergangenen Jahren "fast 85 000 Kröten, Frösche und Molche über die Straße getragen" hat.