ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:12 Uhr

Medizinserie: Gesundheit – Der besondere Fall Teil 45
Nach bösartigem Blasentumor zurück ins Leben katapultiert

Gisela Lehmann bedankt sich nach der erfolgreichen Reha bei ihren Operateuren Dr. Konstantin Godin (2.v.r.) und Oberarzt Sven Keuntje (l.). Schmerz- und beschwerdefrei will die Rentnerin den Kampf gegen den Krebs fortsetzen.
Gisela Lehmann bedankt sich nach der erfolgreichen Reha bei ihren Operateuren Dr. Konstantin Godin (2.v.r.) und Oberarzt Sven Keuntje (l.). Schmerz- und beschwerdefrei will die Rentnerin den Kampf gegen den Krebs fortsetzen. FOTO: Klinikum Niederlausitz GmbH / STEFFEN RASCHE
Lauchhammer. In unserer Serie „Der besondere Fall“ erzählen wir von außergewöhnlichen Schicksalen, Diagnosen und medizinischen Wegen. Der 45. besondere Fall kommt aus dem Krankenhaus Lauchhammer des Klinikums Niederlausitz.

Es ist die Komplexität, die den Fall und auch das Schicksal von Rentnerin Gisela Lehmann aus Großräschen so außergewöhnlich macht. Die 66-Jährige aus der Seestadt lag im Februar mehr als sechs Stunden auf dem OP-Tisch im Krankenhaus Senftenberg. An dem Eingriff waren interdisziplinär drei Abteilungen beteiligt: ein Urologe, ein Gynäkologe und ein plastischer Chirurg. „Solche komplexen, großen Operationen mit mehreren Spezialisten an einem Tisch laufen eigentlich nur an Unikliniken“, erklärt Dr. Konstantin Godin den besonderen Fall.

Schreckliche Schmerzen und eine unsägliche Pein haben Gisela Lehmann im vergangenen Herbst zu ihrer Hausärztin und später zur Gynäkologin getrieben. Ohne jedwede Vorerkrankung waren die plötzlich im Scheidenbereich aufgetretenen Schmerzen kaum noch zu ertragen. Mit Problemen beim Wasserlassen, einem brennenden Gefühl, Blutungen und wunden Stellen stellte sich die Patientin schmerzgeplagt bei der niedergelassenen Fachärztin vor.

Die überweist sofort zur gynäkologischen Klinik ins Krankenhaus Lauchhammer. Dort wird eine Blasenspiegelung veranlasst und eine Gewebeprobe entnommen. Das Ergebnis zieht der sonst so lebenslustigen Rentnerin den Boden unter den Füßen weg: Blasentumor. Ohne Vorankündigung, ohne langjährige Beschwerden. Die Schockdiagnose schlägt ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Der Blasentumor ist so weit fortgeschritten, dass er in den Scheidenvorhof zirkulär eingebrochen war und die Harnröhre ummauert hat. „Es sah aus wie ein selbstständiger Krebs in der Scheide, kurz vor dem Verfall“, beschreibt Urologe Dr. Godin. Die chronische, durch den Tumorzerfall bedingte Entzündung macht das Leben der Großräschenerin zur Hölle. Ständig schmerzgeplagt, ist sie auf starke Schmerzmittel angewiesen, kann nicht mehr sitzen, muss ständig ein Ringkissen benutzen und hat permanent Blutungen aus der Scheide. Das Leiden seiner Patientin mit dem großen Tumor im Unterleib, der die Harnröhre immer mehr einengt, setzt auch Chefarzt Dr. Konstantin Godin zu. Er verspricht der 66-Jährigen zwar keine Heilung, aber eine deutliche Besserung der Lebensqualität.

Bei dem gemeinsamen Eingriff am 12. Februar entfernt der Chefarzt von oben durch den Bauch die Blase, die Scheide, die Gebärmutter und die Eierstöcke der Patientin. Der Gynäkologe, Oberarzt Sven Keuntje, entfernt von außen den Scheidenvorhof und die Schamlippen. Die größte Hürde dabei ist für die Operateure die lokale Ausbreitung des Tumors. „Am Beckenknochen und am Enddarm ist es richtig eng geworden“, erläutert Dr. Godin die ärztliche Meisterleistung. Der große, am Beckenboden entstandene Defekt wird vom plastischen Chirurgen, Chefarzt Dr. Johannes Boehnke, mit einem aus der Bauchdecke entnommenen gestielten Hautmuskellappen gedeckt. Er dient zur Stabilisierung des Beckenbodens und zum Verschließen der klaffenden Wunde. Ein künstlicher Urinausgang mithilfe eines Dünndarm-Segments wird schließlich noch von Chefarzt Godin eingenäht. Dass Gisela Lehmann nach der großen OP in einer mehr als sieben Stunden dauernden anspruchsvollen Narkose ausgerechnet an ihrem 66. Geburtstag in der Klinik für Intensivmedizin in Senftenberg aufwacht, nimmt sie als gutes Omen und Wink des Schicksals.

Den Eingriff hat sie dank exzellenter Überwachung und Pflege auf der Intensivstation und später auf der urologischen Station gut überstanden, in der anschließenden Reha sogar wieder gute sechs Kilogramm zugenommen. Sie weiß, dass es einhundert Prozent für sie nicht mehr gibt, schätzt aber die deutlich verbesserte Lebensqualität ohne Schmerzen von ganzem Herzen. Auf ihrem Weg zurück ins Leben ist ihr Mann die sicherste Stütze für die noch geschwächte, aber mittlerweile schmerzfreie Patientin.

Dabei steht Gisela Lehmann noch ein langer Weg bevor. Ihre beiden kleinen Lungentumore verursachen zwar zurzeit keine Beschwerden, befinden sich aber in der Beobachtung. Gut möglich, dass eine weitere OP notwendig wird mit einer anschließenden konsolidierenden Chemotherapie. Im Kampf gegen den Krebs will die Rentnerin aus Großräschen weiter stark bleiben. Schon ihrem kleinen Enkel zuliebe, der einen Tag nach ihrer großen OP das Licht der Welt erblickt hat.

Gisela Lehmann hat noch viel vor. Wer sie kennenlernt, spürt ihren ungebrochenen Lebensmut. Dass sie jetzt schmerzfrei ist, gibt ihr die notwendige Kraft und den Rückhalt, den Kampf gegen ihre Erkrankung fortzusetzen.

FOTO: Klinikum Niederlausitz GmbH