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Mord oder Totschlag in Eichwalde?

Die Tötung von Alyssa löste in Eichwalde große Betroffenheit aus. Auch der Prozess wird nun aufmerksam verfolgt.
Die Tötung von Alyssa löste in Eichwalde große Betroffenheit aus. Auch der Prozess wird nun aufmerksam verfolgt. FOTO: dpa
Cottbus. Mit 78 Messerstichen soll Maurice M. die 14-jährige Alyssa in Eichwalde bestialisch ermordet haben. Deshalb fordern die Staatsanwälte, ihn wegen Mordes in einem besonders schweren Fall zu einer Jugendstrafe von 15 Jahren zu verurteilen. Jan Siegel

Am Montagmittag plädierte der Anwalt des 21-Jährigen vor der Jugendstrafkammer des Cottbuser Landgerichtes. Er erinnerte zu Beginn daran, dass es in dem Verfahren nicht um die moralische Bewertung der Schuld seines Mandanten gehen könne. Er forderte die Bewertung der Tat unter streng juristischen Gesichtspunkten. Am Ende kam er zu dem Schluss, dass Maurice M. nicht wegen Mordes verurteilt werden könne, sondern wegen Totschlages zu einer Jugendstrafe nicht über neun Jahren.

Und der Anwalt begründete das von ihm geforderte niedrigere Strafmaß, dass nach Einschätzung der Verteidigung die eindeutigen Mord-Merkmale, "Heimtücke", "niedere Beweggründe" und "besondere Grausamkeit" nicht gegeben seien.

Das klingt angesichts des grausigen Tatgeschehens im November 2013 für Laien abenteuerlich. M.'s Anwalt argumentiert aber, dass "Heimtücke" im juristischen Sinne nicht vorliege, weil die ersten Schläge mit einer Bierflasche von hinten auf das Mädchen "keineswegs tödlich" gewesen seien. Außerdem hätte Alyssa oder ein sie begleitender Schulfreund nach Hilfe rufen können.

Ähnlich streng juristisch glaubt der Anwalt, den Vorwurf der "Grausamkeit" abwenden zu können. Schon die ersten Stiche in den Bauch des Mädchens seien tödlich gewesen.

Und auch "niedere Beweggründe" schloss der Anwalt aus. Vielmehr habe sich Maurice M. wegen einer ihm attestierten narzisstischen Persönlichkeitsstörung von Alyssa tief gekränkt gefühlt und deshalb seine Steuerungsfähigkeit verloren.

Das Urteil gegen Maurice M. soll am Donnerstag verkündet werden.