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| 15:38 Uhr

Vietnamese vor Gericht
War 47-Jähriger in die Entführung von Landsmann verstrickt?

Der 47-jährige Angeklagte soll einen vietnamesischen Geschäftsmann in Berlin entführt haben.
Der 47-jährige Angeklagte soll einen vietnamesischen Geschäftsmann in Berlin entführt haben. FOTO: --- / dpa
Berlin. Vor dem Berliner Kammergericht muss sich seit Dienstag ein 47-Jähriger verantworten, der an der Entführung eines Landsmanns beteiligt gewesen sein soll.

Die Bundesanwaltschaft wirft ihm geheimdienstliche Agententätigkeit und Beihilfe zur Freiheitsberaubung vor. Laut Anklage soll der vietnamesische Geheimdienst die Entführung des Geschäftsmanns und früheren kommunistischen Funktionärs Trinh Xuan Thanh und seiner Begleiterin am 23. Juli 2017 im Berliner Tiergarten organisiert haben.

Der Angeklagte habe das Entführungs-Auto in Prag gemietet, nach Berlin und wieder zurückgefahren, hieß es. Der Gesamtplan sei ihm in Grundzügen bekannt gewesen, er habe ihn gebilligt, so Oberstaatsanwalt Lienhard Weiß für die Bundesanwaltschaft. Der 47-Jährige äußerte sich nicht. Sein Verteidiger Stephan Bonell kündigte eine Erklärung seines Mandanten zu einem späteren Zeitpunkt an. Der Vietnamese lebte bis zu seiner Festnahme in Prag und betrieb dort eine Geldwechsel-Stube.

Bonell warf deutschen Behörden vor, die politische Brisanz des Falls unterschätzt zu haben. Es habe einen internationalen Haftbefehl gegen Trinh Xuan Thanh gegeben sowie Gespräche zwischen der vietnamesischen Führung mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Vorwürfe gegen den Funktionär seien nicht überprüft worden, obwohl das vietnamesische Festnahme-Ersuchen bekannt gewesen sei.

Anwältin Petra Schlagenhauf, die als Nebenklägerin für Trinh Xuan Thanh auftritt, sagte am Rande, er sei kein korrupter Funktionär. Der Vietnamese wurde in Hanoi wegen Korruption und Misswirtschaft in zwei Verfahren jeweils zu lebenslanger Haft verurteilt. Dem Staat sollen seinetwegen Millionenbeträge entgangen sein.

(dpa)