ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:41 Uhr

Schulkrankenschwester
Wenn’s in der Schule Bauchweh gibt

   Sybille Rudnik – hier mit dem Schüler Leon Kießling – ist mit ganzem Herzen Schulkrankenschwester.
Sybille Rudnik – hier mit dem Schüler Leon Kießling – ist mit ganzem Herzen Schulkrankenschwester. FOTO: Hilscher
Cottbus. Das Brandenburger Modellprojekt Schulgesundheitsfachkraft zieht eine Zwischenbilanz. Von Benjamin Lassiwe

Wenn sich ein Kind beim Sportunterricht den Knöchel verstaucht, ist Sybille Rudnik da und leistet erste Hilfe. Und auch bei Bauchschmerzen, Übelkeit oder Nasenbluten ist die 47-jährige ausgebildete Kinderkrankenschwester für die Schüler der Friedrich-Fröbel-Grundschule und der Regine-Hildebrandt-Grundschule in Cottbus da. Sybille Rudnik ist eine von zehn „Schulgesundheitsfachkräften“, die im Rahmen eines Modellprojekts von Arbeiterwohlfahrt, Unfallkasse, AOK und dem Land Brandenburg an insgesamt zwanzig Brandenburger Schulen im Einsatz sind. Gestern wurden in Potsdam erste Zwischenergebnisse des 1,1 Millionen Euro teuren Projekts, das im Oktober zu Ende gehen soll, vorgestellt.

„An den Grundschulen hat jedes zweite Kind die Hilfe der Schulgesundheitsfachkräfte in Anspruch genommen“, sagte Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke). An den Sekundarschulen, die am Projekt beteiligt waren, sei es jede vierte Schülerin oder jeder vierte Schüler gewesen. Doch bei dem Projekt geht es nicht nur um erste Hilfe, wie sie normalerweilse von Lehrern oder im Schulsekretariat geleistet werden würde. Es geht auch um Aufklärung und Gesundheitserziehung. „Ich habe den Kindern zum Beispiel mit Hilfe einer UV-Lampe gezeigt, wie man sich richtig die Hände wäscht“, sagt Sybille Rudnik. Einige Tage danach hätten sie Eltern angesprochen: Plötzlich sei die Seife im heimischen Badezimmer immer alle. „Um gut zu lernen, müssen sich Kinder wohlfühlen, gut ernähren und gesund sein“, sagte Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Für die Zukunft der Schulen in Brandenburg setzt die Sozialdemokratin ohnehin auf „Multiprofessionalität“: Neben Lehrkräften, dem Hausmeister und dem Sekretariat soll es künftig noch weitere Experten an den Schulen geben. „In einer Schule müssen verschiedene pädagogische Professionen arbeiten“, sagt Ernst. Die Themen Gesundheit, Ernährung und Bewegung spielten heute eine andere Rolle als noch vor 30 Jahren. „Wir wissen nicht, wie die multiprofessionelle Schule in zehn, 20 oder 30 Jahren aussieht.“

Um das Modellprojekt auf andere Brandenburger Schulen auszudehnen, würden freilich deutlich mehr „Schulgesundheitsfachkräfte“ benötigt, als heute im Dienst sind. Und der Markt für Krankenschwestern und Pflegekräfte ist heute schon leergefegt. Woher würde man solche Mitarbeiter nehmen, ohne dabei den Markt zu kannibalisieren? Ministerin Golze zeigte sich gestern auf Nachfrage optimistisch, dass man auch für eine eventuelle Fortsetzung des Projekts, über die freilich noch nicht entschieden ist, genügend qualifizierte Fachkräfte finden könnte. „Wir haben von den Krankenschwestern ja gehört, warum sie heute bei dem Projekt mitmachen“, sagte Golze. „Sie wollen vor allem die Vereinbarkeit ihres Berufs mit ihrer Familie besser organisiert bekommen.“ Die Möglichkeit, als Schulgesundheitsfachkraft zu arbeiten, könnte sogar dazu führen, dass mehr Menschen Interesse hätten, Kinderkrankenschwester zu werden. Und auch Angela Schwers, die Vorstandsvorsitzende des Arbeiterwohlfahrt-Bezirks Potsdam machte gestern deutlich, dass es durchaus sein könnte, dass das neue Berufsbild auf Menschen anziehend wirkt, die ansonsten die Pflegeberufe ganz verlassen würden.