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| 17:43 Uhr

Umweltschutz
Mit Strom statt mit Rudern

Idylle am See: Ein Angler hofft während eines Sonnenunterganges auf einen fetten Biss. Derzeit wird über den Einsatz von Elektromotoren für die Boote diskutiert.
Idylle am See: Ein Angler hofft während eines Sonnenunterganges auf einen fetten Biss. Derzeit wird über den Einsatz von Elektromotoren für die Boote diskutiert. FOTO: Jens Wolf / dpa
Potsdam. Angler wollen mit Elektromotoren auf die Brandenburger Seen fahren dürfen. Der Landesanglerverband verhandelt darüber mit dem Umweltministerium. Von Benjamin Lassiwe

Es ist ein alltägliches Bild an den Seen Brandenburgs: Mitten auf dem Gewässer liegt ein hölzerner Kahn. Mit einem großen Schwung wirft der Passagier die Angel aus, kurz vor dem Schilfgürtel fliegt der Blinker ins Wasser. Und als endlich der Hecht am Haken hängt, macht sich der glückliche Petrijünger auf, mit einigen leisen Ruderschlägen, zurück an Land. Das freilich könnte künftig anders sein: Denn geht es nach dem Landesanglerverband, soll an dieser Stelle künftig das Surren eines Elektromotors ins Spiel kommen.

Seit im Landtag über das Wassergesetz beraten wurde, verhandelt der Verband mit dem Landesumweltministerium darüber, unter welchen Bedingungen Angler Boote mit Elektromotoren von weniger als fünf PS Leistung auf den Gewässern 2. Ordnung einsetzen können. Dabei handelt es sich, grob gesagt, um alle Seen, Flüsse und Kanäle, die weder eine schiffbare Bundes- noch eine Landeswasserstraße sind. „Bisher darf da der Fischer mit einem Verbrennungsmotor fahren, und wir Angler dürfen rudern“, sagt Andreas Koppetzki, Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbands.

Doch die Angler werden älter, und immer öfter müssen sie ihre Boote an zentralen Gemeinschaftsstegen festmachen. Die Wege zu den angestammten Angelplätzen werden weiter. Deswegen die Idee mit dem Elektromotor. Die Leistung dieser Boote wäre gering, als Charterboot auf der Spree oder der Havel wären sie führerscheinfrei. „Der Wellengang wäre auch nicht größer als bei einem Ruderboot“, sagt Koppetzki.

Damit das möglich wird, müsste das Umweltministerium eine Rechtsverordnung erlassen. So steht es im neuen Wassergesetz. Doch bislang scheinen Angler und Verwaltungsbeamte noch nicht einer Meinung zu sein. „Wir sind noch meilenweit voneinander entfernt“, sagt Koppetzki, ohne in die Details zu gehen. Das Potsdamer Umweltministerium bestätigt auf RUNDSCHAU-Nachfrage, dass es Gespräche zur Umsetzung des Wassergesetzes gibt.

Wie Pressesprecher Jens-Uwe Schade erläuterte, hätten die bisherigen Gespräche zum Thema gehabt, was unter den im Gesetz erwähnten kleinen Wasserfahrzeugen zu verstehen sei. Ferner diskutiere man darüber, auf welchen Gewässern das Befahren allgemein zugelassen werden soll und welche Anforderungen daran zu stellen sind, um Konflikte mit Badenden, Tauchern oder Seglern zu verhindern. „Wir streben einen Erlass der Rechtsverordnung im 3. Quartal 2018 an.“

Darauf hofft auch Gregor Beyer, der Geschäftsführer des Forums Natur, der im vergangenen Jahr maßgeblich an der Erarbeitung des Wassergesetzes beteiligt war. „Wir erwarten von der Verwaltung, dass sie sich an die Zusagen des parlamentarischen Raumes hält und noch in diesem Jahr die Voraussetzung dafür schafft, dass die Angelfischerei Elektromotoren bis maximal fünf PS einsetzen kann“, sagte Beyer gegenüber der RUNDSCHAU. „Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass Angler einen Elektromotor bis zu einer Stärke nutzen können, die dem Wellengang des Ruderns entspricht.“