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| 18:28 Uhr

Beizjagd bei Werchow
Mit Steinadler Jack auf Fuchsjagd

Auf Beizjagd bei Werchow FOTO: Frank Hilbert
Werchow. Jack lebt in Werchow auf dem Adler- und Jagdfalkenhof zur Calauer Schweiz. Jack können Interessierte dort zwischen April und Oktober bei den Flugshows erleben. Doch das ist nur sein Nebenjob. Jack ist nämlich ein stattlicher Steinadler und hauptberuflich Jäger. Als solcher geht er regelmäßig mit seinem Besitzer Dirk von Bargen auf Beizjagd. Und die RUNDSCHAU war dabei. Von Frank Hilbert

Nur wenige Kilometer von Werchow in der Calauer Schweiz halten wir auf einer Wiese an einem kleinen Wäldchen an. Dirk von Bargen holt den Steinadler vorsichtig aus einer Kiste im Heck seines Transporters. „Das kennt er schon, denn wir fahren regelmäßig zu Gemeinschafts-Beizjagden. Bis hoch nach Mecklenburg-Vorpommern, weil es dort noch Hasen gibt. Jack legt sich dann in Fahrtrichtung in seine dunkle Transportkiste, bis wir da sind“, sagt von Bargen.

Wir sind in Begleitung: Michael Gehler aus Cottbus hilft mit als Treiber. Seit drei Jahren hat er den Jagdschein und seit fünf Jahren ist er Falkner. Von Bargens 18-jähriger Sohn Christian macht bei den Flugshows mit und unterstützt auch als Treiber die Beizjagd seines Vaters. Demnächst will er seinen Jagdschein machen – bei seinem Vater, denn der betreibt nicht nur seit zehn Jahren seinen Falknerhof in Werchow, sondern auch seit einigen Jahren eine Falkner- und Jagdschule. Rund 120 Stunden wird die Ausbildung von Christian dauern, die eines Falkners etwa 100 Stunden.

Mit an unserer Seite sind auch Jana Miertzsch und ihr Sohn Erik aus Annahütte. Erik besucht die 7. Klasse des See-Campus in Schwarzheide und will seine Facharbeit zum Thema Falknerei schreiben. Dirk von Bargen betreut ihn dabei als Mentor. Mutter und Sohn sind daher bereits zum dritten Mal zu Gast auf dem Falknerhof. Jana Miertzsch würde ja gern erleben, wie Jack ein Reh schlägt. Wegen des Fleisches. Da denkt sie offenbar schon an ihren Weihnachtsbraten. Ich hätte lieber einen Fuchs als Beute – wegen der Fotos. „Zwischen 30 bis 40 Füchse pro Jagdsaison, die im Oktober beginnt, hat der Adler bislang gefangen. An manchen Tagen sogar zwei“, sagt der Falkner. Wir sind also gespannt.

Und das ist auch Jack. Das erfahrene Männchen weiß mit seinen elf Jahren, was jetzt auf ihn zukommt. „Vor einer solchen Jagd wird der Vogel jeden Tag geflogen. Dadurch bekommt er einen anderen Stoffwechsel und gerät somit in Jagdkondition“, erklärt Dirk von Bargen, der den Steinadler abwirft. Mit wenigen Flügelschlägen bezieht Jack seine Position in der Spitze eines Baumes. Das kleine Glöckchen an seinem Fuß zeigt seine Position an. „Ich stelle den Vogel in den Baum, von wo er mir folgt, während wir versuchen, das Wild locker zu treten“, erklärt von Bargen in Jägersprache.

Mutter und Sohn bekommen von ihm ebenso einen Standort zugewiesen wie ich. Ab jetzt ist für uns drei absolute Stille angesagt. Ein paar Schneeflocken rieseln vom Himmel. Es ist um die null Grad kalt. Von Bargen verschwindet mit seinen beiden Helfern im Dickicht. Jack beobachtet mit scharfen Augen das Gelände. Die Spannung liegt förmlich in der Luft.

Wird er heute einen Fuchs zwischen seine spitzen Fänge bekommen? Reinecke hätte wie immer bei ihm keine Chance. Mit beiden Fängen würde Jack ihn am Kopf packen und mit seinem Gewicht von rund dreieinhalb Kilogramm zu Boden drücken. Aufgrund der Druckkraft pro Krallenfuß von zwölf Kilonewton (rund 1,2 Tonnen) kann er durch die Schädeldecke in den Kopf des Fuchses greifen. Wegen dieser enormen Kraft werden Steinadler-Weibchen, die größer und stärker als die Männchen sind, in einigen Regionen Zentralasiens auch für die Wolfsjagd abgerichtet, obwohl Steinadler in der Natur keine Wölfe jagen. Ein Adlerweibchen kostet übrigens hierzulande zwischen 3000 bis 4000 Euro. Jack kam als flügger Jungvogel nach Werchow und wurde dort für die Beizjagd ausgebildet.

Aus dem Dickicht sind die drei Männer zu hören. Sie machen etwas Lärm. Dann sind sie wieder bei uns. Dirk von Bargen blickt ein wenig enttäuscht drein. Es seien Wildschweine da, sagt er. Die würden für zu viel Unruhe sorgen, sodass auch mit Rehen nicht zu rechnen sei. Das Glöckchen von Jack sorgt indes für ein kleines versöhnliches Halali, als er mit seiner rund zwei Meter großen Flügelspannweite tief über unsere Köpfe gleitet, um präzise auf dem dicken Lederhandschuh bei Dirk von Bargen zu landen. Dort erwartet ihn stets ein totes Eintages-Küken als Belohnung. Der  Falkner importiert sie aus Holland. Bis zu 350 Stück verfüttert er täglich an seine mehr als 40 Vögel auf dem Falknerhof. „Im Winter etwas mehr“, sagt er.

Dann lädt der 54-Jährige alle in die Blockhütte auf seinem Grundstück ein. Der kleine Kaminofen in der Ecke sorgt für wohlige Wärme. Von Bargen macht Kaffee und schneidet einen Stollen an. Seine zehn Jahre alte Vorstehhündin Clara liegt mit treuem Hundeblick entspannt auf einer Decke neben uns. Gedämpftes Licht, Vorweihnachtsstimmung kommt auf.

 Von Bargen wird vor dem Fest noch einmal mit Jack auf Beizjagd gehen. „Der Weihnachtsbraten wird bei mir immer vom Adler geholt. Ich würde nie einen schießen“, betont der Falkner. Er habe kein spezielles Rezept für die Zubereitung. „Etwas Zwiebeln, Lorbeer, mit Speck gespickt, Pfeffer, Salz. Der Wildgeschmack soll bleiben“, sagt er.

 Dann erscheint noch ein Jagdfreund, der seinen Uhu wieder abholen will. Von Bargen hatte den Vogel während eines Volierenbaus als Gast. Der Jäger mit dem zünftigen Rauschebart zeigt Fotos auf dem Handy von seiner jüngsten Jagdbeute und erklärt mir ebenso begeistert wie fachkundig die unglaubliche Präzision heutiger Zielfernrohre auf Jagdgewehren. Aber das wäre dann wohl die nächste Geschichte.

 

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Auf Beizjagd bei Werchow FOTO: Frank Hilbert