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| 01:00 Uhr

Mit Laica auf tierischer Aufklärungstour durch Schulen

„Fiffi, komm mal her“, lockt der elfjährige Nick respektlos und fuchtelt wild mit den Armen über seinem Kopf herum. Von jeanette bederke

Als die Golden-Retriever-Hündin Laica tatsächlich auf den vorlauten Jungen zusteuert, verschlägt es dem Fünftklässler erst einmal die Sprache. Zu seiner Verblüffung bleibt Laica freundlich, wedelt mit dem Schwanz, lässt sich streicheln. Eine alltägliche Situation, die mit einem anderen Hund jedoch schnell hätte ins Auge gehen können.
"Wenn Hunde zuschnappen, ist der Mensch meist nicht ganz unschuldig", sagt Laicas Frauchen Ute Mickosch. Falsches Verhalten gegenüber den Tieren basiert ihrer Einschätzung nach auf Unwissen, das sich von Eltern auf die Kinder überträgt. Deswegen ist die 45-jährige Hundebesitzerin mit ihrem Golden Retriever verstärkt in Brandenburger Grundschulen unterwegs. Ihre Mission: Der spezielle Aufklärungsunterricht "Keine Angst vor großen Hunden", für den Laica über Jahre speziell ausgebildet wurde. Erst gibt es ein paar theoretische Hinweise, dann wird am lebenden Objekt im Rollenspiel geübt.
"Ob sich ein Hund für diese Arbeit eignet, erkennt man schon im Welpenalter. Laica beispielsweise ging von klein auf gern und freundlich auf Menschen zu", erklärt Mickosch, deren ehrenamtliches Engagement nicht von ungefähr kommt. Die Fürstenwalderin ist Mitglied des bundesweit agierenden Vereins "Hunde helfen Menschen". Sie hatte schnell bemerkt, dass ihre Golden-Retriever-Hündin größere Herausforderungen als das tägliche Gassi-Gehen braucht. Bei der Prüfung durch unabhängige Verhaltenstrainer wurde Laica schließlich allerlei Proben bis hin zu Provokationen unterzogen: Lärmende Fußballfans oder auch Rollstuhlfahrer kamen vorbei, Menschen klopften an die Scheiben, während sie im Auto saß. Laica blieb freundlich, bellte nicht und sprang auch niemanden an. Sie bestand die Prüfung bereits beim ersten Versuch mit Bravour.
Seit anderthalb Jahren sind Hund und Frauchen nun schon auf Aufklärungs-Tour quer durch Brandenburg, die Nachfrage vor allem in Schulen ist groß, gerade auch nach Beißattacken von Hunden. Zwei Unterrichtsstunden pro Tag schafft Laica, ohne den Spaß daran zu verlieren. Zudem werden die Kenntnisse beim wöchentlichen Training unermütlich aufgefrischt. Stadtkinder, so hat die Fürstenwalderin während des tierischen Unterrichts bemerkt, zeigen oftmals ein ganz anderes Verhältnis zu den Vierbeinern, als ihre Altersgenossen auf dem Lande. "In größeren Orten sind Hunde Familienmitglied, in den Dörfern haben sie einen anderen Stellenwert - als Wachhund für das Grundstück im Zwinger oder an der Kette." Gerade bei Dorfkindern erlebe sie dem entsprechend erschreckende Wissenslücken.
Die Fürstenwalder Schüler jedenfalls sind ganz bei der Sache, schließlich hat jeder zweite von ihnen selbst einen Hund. Da gibt es genügend eigene Erlebnisse und Erfahrungen beizusteuern. Fünft klässler Nick bekennt, dass er schon mehrfach angebundene Hunde geärgert hat, als Mutprobe sozusagen. "So eine Leine kann auch reißen, wenn sich das Tier provoziert fühlt und seine Kräfte mit dir messen will", gibt Mickosch zu bedenken. Der freche Junge staunt und wird recht blass um die Nase, als er auch noch erfährt, dass Hunde ein gutes Gedächtnis haben und sich ihren Peiniger merken.