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| 18:31 Uhr

Offenbach/Berlin/Forst
Mit den Hundstagen kommt Hitzewelle nach Deutschland

Rosen wie hier im Ostdeutschen Rosengarten Forst haben eigentlich tiefe Wurzeln und können sich das benötigte Wasser aus dem Erdreich holen.
Rosen wie hier im Ostdeutschen Rosengarten Forst haben eigentlich tiefe Wurzeln und können sich das benötigte Wasser aus dem Erdreich holen. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Offenbach/Berlin/Forst . Super Wespenjahr durch die Hitze / Bewässerungsaktionen im Forster Rosengarten

 Rechtzeitig zu den an diesem Montag beginnenden Hundstagen dreht der Sommer richtig auf. In dieser Woche wird es Tag für Tag heißer. Die bislang heißeste Woche des Jahres steht bevor.

Die Temperaturen von Montag nennt der Meteorologe Markus Übel vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach „noch moderat“: Erwartet werden 25 Grad, nur am Oberrhein wird es wärmer. In Bayern kann es noch einmal gewittern. Dienstag und Mittwoch steigt die Hitze dann bundesweit fast überall über die 30 Grad-Marke. Auch nachts bleibt es warm: Der DWD rechnet in Städten mit subtropischen Nächten, in denen die Temperaturen oberhalb von 20♦Grad bleiben.

Den vorläufigen Höhepunkt der Hitzewelle sagen die Meteorologen für Donnerstag und Freitag vorher. Dann ist bundesweit Schwitzen bei Werten um 35 Grad angesagt – entlang des Rheins sogar noch heißer. Selbst auf den Inseln von Nord- und Ostsee wird es brütend heiß, so dass nur ein Bad im Wasser Abkühlung verspricht.

Eine wesentliche Wetteränderung ist nicht in Sicht. Mit Blick auf das nächste Wochenende können zwar vereinzelt Gewitter aufziehen, die Hitze soll aber bleiben.

Damit bleibt die Brandgefahr nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes weiterhin hoch – auch wenn es zu Wochenbeginn noch punktuell Schauer und Gewitter geben könne.

Am Sonntag veröffentlichte der DWD eine erste Bilanz der bisherigen Wärmephase. „Der Blick in die Statistik zeigt, dass auf den wärmsten April seit Messbeginn gleich noch der Mai-Rekord gebrochen wurde“, heißt es auf der DWD-Webseite. „Darauf folgte ein ebenfalls sehr warmer Juni, und in den ersten beiden Juli-Dritteln setzte sich die Sommerwärme fort.“

Die Zahl heißer Tage, also ab 30♦Grad, sei allerdings bisher nicht ungewöhnlich gewesen, betont der DWD und fügt hinzu: „In den nächsten Tagen ist es aber soweit! Uns steht erstmals eine ausgewachsene Hitzewelle bevor.“

 Von Wärme und Trockenheit haben in diesem Jahr die Wespen sehr profitiert. „Es ist ein super Wespenjahr“, sagte die Biologin Melanie von Orlow von der Bundesarbeitsgruppe Hymenoptera (Hautflügler) beim Naturschutzbund (Nabu). Die sogenannte Schafskälte im Juni, die in früheren Jahren oft einen Rückschlag für die Populationen bedeutete, sei diesmal kein Problem gewesen. Auch Überflutungen seien in den meisten Regionen ausgeblieben.

Die Nester seien unter diesen Bedingungen groß und stark geworden, so dass viele Tiere erfolgreich durchgekommen seien, sagte von Orlow. Dadurch häuften sich bei ihr etwa seit Mitte Mai die Anfragen von Privatleuten, die wegen Nestern in Hausnähe Rat suchen – ungefähr 400 Anrufer, vor allem aus dem Berliner Raum, hätten sich gemeldet. Wespen bauen manchmal unter Dächern oder an Rollladenkästen Nester.

Aus Naturschutzgründen sollten Nester aber nicht ohne weiteres entfernt werden – es braucht einen vernünftigen Grund für die Beseitigung. Ob ein solcher vorliegt, könnten Naturschutzverbände und Kammerjäger beantworten, erklärte von Orlow. „Bauschäden muss natürlich niemand tolerieren.“ Aber wer nur Angst vor Wespen habe, könne sich zum Beispiel mit Gaze vor den Fenstern schützen. Experten sind auch in der Lage, Nester umzusiedeln.

Wespen sind nicht nur da, um Menschen den Pflaumenkuchen oder das Steak streitig zu machen. „Sie haben ihre Aufgaben in der Natur, zum Beispiel als natürliche Schädlingsbekämpfer“, sagte von Orlow. Wespen seien zudem auch Nahrung für andere Insekten wie Hornissen. Panik sei nicht angebracht, betonte die Biologin.

Stiche sind schmerzhaft, gefährlich werden sie in der Regel aber nur Allergikern oder wenn die Wespe in Mund oder Rachen sticht. Im Vergleich zu anderen schwarz-gelben Insekten kann man Wespen an ihrer schmalen Taille erkennen.

Im  Ostdeutschen Rosengarten in Forst zeigen einige zehntausend Exemplare der „Königinnen der Blumen“ sich derzeit in voller Pracht.

„Die Sonne macht den Rosen nicht so sehr zu schaffen, die halten sie in der Regel aus“, sagte Parkmanager Stefan Palm. Bei Hitze könnten die Stöcke möglicherweise etwas schlapp machen, wenn Wasser fehle. Da helfe nur gießen, sagte er.

Verluste gab es nach den Angaben jedoch im Frühjahr durch den spät einsetzenden Frost. Über 1000 Pflanzen mussten entfernt und ausgetauscht werden. „Derzeit müssen einmal in der Woche die Anlagen ausgiebig gewässert werden“, sagte Palm. Einmal viel Wasser sei effektiver und wirksamer, als mehrmals nur ein paar Tröpfchen. Rosen haben eigentlich tiefe Wurzeln und können sich das benötigte Wasser aus dem Erdreich holen. Sie müssten aber gut gewässert werden, damit die Flüssigkeit auch in diese Schichten vordringen kann.

Die acht Gärtner im Rosengarten hätten derzeit viel zu tun, sagte Palm. „Verblühte Blüten müssen entfernt werden.“ Auch stehe der Sommerschnitt an. Dadurch würden die Pflanzen aktiviert, erneut zu blühen. Ausgewählt wurden für vor allem Sorten, die bis in den September hinein die Besucher mit Blüten erfreuen.

Der Ostdeutsche Rosengarten nimmt rund 17 Hektar ein. Er wurde 1913 gegründet und gehört der Stadt Forst. Heute sind dort rund 1000 verschiedene Arten zu finden: Beet und Edelrosen, darunter auch viele historische Sorten.

Dank Wärme und Trockenheit gibt es ein super Wespenjahr.
Dank Wärme und Trockenheit gibt es ein super Wespenjahr. FOTO: dpa / Karl-Josef Hildenbrand
(dpa)