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| 19:26 Uhr

Brandenburg
Ministerin will Kinder besser schützen

Britta Ernst: „Es ist gar nicht so einfach, Kindern zu sagen, dass nicht alle Menschen gut sind.“
Britta Ernst: „Es ist gar nicht so einfach, Kindern zu sagen, dass nicht alle Menschen gut sind.“ FOTO: dpa / Bernd Settnik
Potsdam. Bildungsressortchefin Ernst startet auch in Brandenburg die Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“. Von Benjamin Lassiwe

Es sind Straftaten, die ein ganzes Menschenleben zerstören können. 425 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch kamen allein im letzten Jahr in Brandenburg zur Anzeige. 678 waren es in Sachsen, 318 in Mecklenburg-Vorpommern. Doch Experten rechnen mit einer sieben bis zehn Mal so hohen Dunkelziffer. Schon 2016 hat der nach dem Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg eingesetzte Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, zusammen mit den Bundesländern deswegen die Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ ins Leben gerufen: Auf einem Fachportal, das unter der Internetadresse „www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de“ abrufbar ist, erhalten Lehrer und Rektoren Hinweise, wie sie an ihrer Schule sensibler mit dem Thema umgehen und Präventionskonzepte erarbeiten können.

Statistisch gesehen gehe man davon aus, dass in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder seien, die sexuelle Gewalt und Übergriffe erleiden müssten, sagte Rörig. Wichtigster Tatort dabei ist die Familie: Oft seien es Eltern oder Verwandte, die zu Missbrauchstätern würden. An der Schule sei es indes möglich, diese Kinder und Jugendlichen zu erreichen. „Die Schule ist der Ort, an dem Lehrerinnen und Lehrer Brücken bauen können zu den Schülern, die Signale setzen.“ Rörig betonte, dass nie alle Übergriffe vermieden werden könnten. „Ich bin Realist und Praktiker und weiss, dass wir es nie schaffen werden, zu einhundert Prozent sexuelle Gewalt gegen Knder und Jugendliche zu vermeiden“, so Rörig. „Aber wir können das Leid und das Ausmaß verringern.“ Dazu müssten allerdings nicht nur die Schulen Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen ergreifen: „Auch Internetgiganten, die Game-Industrie, die Anbieter von Chats und sozialen Medien müssen sich stärker daran beteiligen.“ 95 Prozent aller Kinder und Jugendlichen hätten ein internetfähiges Smartphone und seien deswegen „perfiden Strategien von Täterinnen und Tätern ausgesetzt.“ „Die Schule ist der Ort, wo das Kindeswohl im Vordergrund steht“, sagte auch Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). „Sie soll Kindern vermitteln, Grenzen zu ziehen und Nein zu sagen.“ Das finde nicht automatisch in jedem Erziehungsprozess statt, so Ernst. „Es ist gar nicht so einfach, Kindern zu sagen, dass nicht alle Menschen gut sind.“ Deswegen sei es wichtig, dass Lehrkräfte wüssten, was sie tun sollten, wenn sie das Gefühl hätten, mit einem Kind stimme etwas nicht.

Freilich ist das Land Brandenburg beim Start der Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ ausgesprochen spät dran: In Nordrhein-Westfalen wurde die Kampagne bereits im September 2016 gestartet, und auch für Britta Ernst war es nichts Neues, dafür einen Startschuss zu geben: Denn in Schleswig-Holstein, wo die SPD-Politikerin vor ihrem Wechsel nach Brandenburg ebenfalls Bildungsministerin war, hatte sie die Initative schon einmal eröffnet, und zwar im März 2017. In Sachsen allerdings soll der Startschuss für „Schule gegen sexuelle Gewalt“ erst im September 2018 gegeben werden, und in Mecklenburg-Vorpommern steht noch kein Starttermin fest. Rörig betonte jedoch am Montag, dass man es jedem Bundesland freigestellt habe, wann es mit der Umsetzung der Initiative starte. Es sei lediglich ein Zeitraum zwischen dem Sommer 2016 und dem Ende des Jahres 2018 vorgesehen gewesen.